SCHWARMENERGIE

Zukunft ohne europäische Autoindustrie

Dieselskandal, wenige alltagstaugliche E-Automodelle, intransparente Ladeinfrastruktur – die deutsche Autoindustrie kann derzeit nicht wirklich mit innovativen Highlights überzeugen. Auch den E-Mobilitätsmarkt überlassen die hiesigen Autobauer anderen, neuen Vorreitern aus Amerika oder Asien. Dabei bieten gerade E-Autos so viel Potenzial – sie könnten mehr als einfach nur klimafreundlich und leise fahren.

E-Autos können zu mobilen Speichern für die Erneuerbaren werden, Grafik: LichtBlick/WWF
E-Autos können zu mobilen Speichern für die Erneuerbaren werden, Grafik: LichtBlick/WWF

E-Autos be- und entladen

Es geht um das Thema Bidirektionalität. Ein kompliziertes Wort, das eigentlich nur beschreibt, dass die Batterie in einem Auto sowohl mit Strom geladen, aber zugleich auch wieder entladen werden kann. Damit werden die Autos zu rollenden Speichern für ihre Besitzer, aber auch für die gesamte Energiewelt. Wir haben in unserem Forschungsprojekt INEES zusammen mit Partnern vor zwei Jahren gezeigt, dass die Einbindung von E-Autos den Nutzern zusätzliche Erlöse bringt und zudem die Energienetze entlastet. Dafür müssten jedoch bidirektional ladbare Autos in den Handel kommen.

Autoindustrie verpasst innovative Entwicklung

Wie eine Umfrage von uns und unserem Partner WWF gezeigt hat, sind wir davon noch weit entfernt. Wir wollten von den großen europäischen Autokonzernen wissen, was sie zum Thema Bidirektionalität bereits machen oder ob es konkrete Pläne für zeitnahe Projekte gibt. Zu den Befragten gehören VW, BMW, Renault, Ford, Opel, Peugeot, Mercedes, Audi, Fiat und Skoda. Bei einigen warteten wir vergeblich auf eine Rückmeldung. Einige machten allgemeine Angaben zur Bedeutung der Elektromobilität für ihr Unternehmen. Nur drei von zehn befragten Autoherstellern beantworteten den tatsächlichen Fragekatalog. Keine Aussagen zu dem Thema machen zu wollen, lässt so die umgekehrte Schlussfolgerung zu: Die entsprechenden Hersteller schenken der Bidirektionalität noch nicht ausreichend Beachtung und wollen sich daher nicht äußern.

Enormes Speicherpotenzial

Wenn die Entscheider in der Autoindustrie den Trend nicht verpassen (würden), könnten E-Autos so viel mehr, als CO2-frei fahren, Grafik: LichtBlick/WWF
Wenn die Entscheider in der Autoindustrie den Trend nicht verpassen (würden), könnten E-Autos so viel mehr, als CO2-frei fahren, Grafik: LichtBlick/WWF

Dabei liegt die Integration von E-Autos in das Stromnetz auf der Hand. Wenn wir die Erderwärmung begrenzen wollen – uns wir müssen sie begrenzen –, müssen sowohl der Strom- als auch der Verkehrssektor klimafreundlich werden. Das bedeutet mehr Strom aus Erneuerbaren auf der einen und mehr E-Autos auf der anderen Seite, die nicht nur mit diesem Strom fahren, sondern auch als mobile Speicher fungieren.

Und das Potenzial der fahrenden Speicher ist enorm: Eine Flotte von einer Million Elektrofahrzeugen könnte mit seiner Speicherleistung von 10 Gigawatt rund 7 Millionen Haushalte für 24 Stunden mit Strom versorgen. Diese zusätzlichen Stromspeicher brauchen wir, um erneuerbare Energie zwischen zu speichern, wenn gerade besonders viel produziert wird.

Während die europäischen Autohersteller die Entwicklung verschlafen, bieten Nissan und Mitsubishi bereits E-Autos an, die bidirektional geladen werden können. In Sachen E-Mobilität und Verkehrswende liegt in Deutschland und in Europa also noch ein langer Weg vor uns.

Weitere Informationen zu den Fragen und Antworten der Autohersteller finden Sie im Hintergrundpapier.


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3 Kommentare

  • Fam. Matthies sagt:

    sehr gerne


  • Fam. Matthies sagt:

    Sehr geehrte Fra Blacha,
    wenn es bereits Fahrzeuge (Nissan und Mitsubishi) gibt, die bidirektional geladen werden können, wie könnte eine Anbindung an das Hausnetz erfolgen? Wäre dies im Rahmen eines Kundenprojektes möglich (derzeit sind wir noch EWS-Kunden), könnten uns in diesem Fall aber einen Wechsel vorstellen.
    Fam. Matthies


    • Anke Blacha | LichtBlick Autorin antwortet:

      Hallo Familie Matthies,

      vielen Dank für Ihr Interesse. Doch leider haben wir das Forschungsprojekt INEES noch nicht in Produkte umsetzen können. Zum einen gibt es einfach zu wenig potenzielle Kunden, die wir mit ihrem E-Auto ins Energienetz einbinden könnten. Zum anderen gibt es tatsächlich auch noch gesetzliche Hürden, da mobile Speicher beispielsweise noch nicht als systemdienliche Speicher anerkannt sind und daher von bestimmten Umlagen und Entgelten nicht befreit sind. Daher wäre eine Einbindung weder für unsere Kunden noch für uns wirtschaftlich attraktiv. Gerne vermerke ich aber, dass Sie grundsätzlich Interesse an diesen Themen haben und falls wir Tester für neue Produkte in dem Bereich benötigen, kommen wir gerne auf Sie zu. Darf ich dafür Ihre E-Mailadresse an die Kollegen aus dem Innovationsbereich weitergeben?

      Ihnen einen schönen Tag und viele Grüße
      Anke Blacha


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