SCHWARMENERGIE

SchwarmStrom: „Wir machen Energie schlau“

Blick in die Zukunft – LichtBlick-Chef von Tschischwitz setzt auf SchwarmStrom, Foto: LichtBlick
Blick in die Zukunft – LichtBlick-Chef von Tschischwitz setzt auf SchwarmStrom, Foto: LichtBlick

Die Energiewelt wandelt sich radikal. Erneuerbare Energien erobern den Markt. Häuser werden zu Kraftwerken. CEO Heiko von Tschischwitz erläutert im Interview mit dem LichtBlickBlog, wie LichtBlick sich fit macht für die Energierevolution. Seine Lösung heißt SchwarmStrom – die intelligente Vernetzung und Steuerung lokaler Solaranlagen, Elektromobile, Windräder und Blockheizkraftwerke. So können die Stromnetze stabilisiert werden. Und der stromerzeugende Verbraucher verdient auch noch Geld.

Der Boom der kleinen Kraftwerke steht bevor

LichtBlickBlog: Energierevolution klingt nach einem großen Wort. Was genau erwarten Sie von der Zukunft?

Heiko von Tschischwitz: Die Zeit der großen Kohle- und Atomkraftwerke läuft ab. Energie wird immer dezentraler erzeugt. Solaranlagen auf den Dächern, Mini-Kraftwerke im Keller, Windräder auf der Wiese – der Boom der kleinen Kraftwerke steht noch am Anfang. Schon in wenigen Jahren werden zum Beispiel Investitionen in Photovoltaik-Anlagen für viele Verbraucher auch ohne Förderung attraktiv sein. Dann kommt erst der richtige Solarboom.

Parallel wird in wenigen Jahren der Markt für Batterien boomen. Einmal in Elektrofahrzeugen. Und zum anderen in Häusern, wo die kleinen Speicher den Einsatz von Solaranlagen und Blockheizkraftwerken noch wirtschaftlicher machen. Wenn ich meinen Sonnenstrom am Mittag speichere, kann ich damit am Abend Fernsehen und die Wäsche waschen.

Wir schaffen lokal einen Ausgleich zwischen Stromangebot und Nachfrage

Viele kleine Stromerzeuger und Speicher statt einiger großer Kraftwerke. Wie genau soll dieser Wandel funktionieren?

Eine wesentliche Herausforderung für die Energiewende liegt darin, dezentrale Kraftwerke und Batterien so zu steuern, dass die Stromnetze stabil bleiben. Wir müssen vor Ort einen Ausgleich zwischen Energieangebot und Energienachfrage herstellen – also das sogenannte Smart Grid entwickeln.

Dafür hat LichtBlick die IT-Plattform SchwarmDirigent geschaffen. Wir vernetzen und steuern Solaranlagen, Batteriespeicher, Blockheizkraftwerke und andere lokale Anlagen zu einem intelligenten Schwarm – deshalb sprechen wir auch von SchwarmStrom. Denn für eine sichere und bezahlbare Versorgung braucht die neue, dezentrale Energielandschaft ein funktionierendes Betriebssystem.

Unsere Software dirigiert ein Orchester dezentraler Kraftwerke zu einer wohlklingenden Sinfonie

Wie kamen Sie auf den ungewöhnlichen Namen „SchwarmDirigent“ für Ihre IT-Plattform?

Die IT-Plattform SchwarmDirigent verbindet lokale Batterien, Elektroautos oder Mini-Kraftwerke mit den Strommärkten (c) LichtBlick
Die IT-Plattform SchwarmDirigent verbindet lokale Batterien, Elektroautos oder Mini-Kraftwerke mit den Strommärkten (c) LichtBlick

Schon mit SchwarmStrom haben wir erfolgreich einen neuen Gattungsbegriff für schlaue Energie geprägt. Nun haben wir nach einem starken Bild für die Software gesucht, die den Schwarm steuert. Da lag der Dirigent nahe, der ein Orchester unterschiedlicher Kraftwerke, Speicher und Informationen zu einer wohlklingenden Sinfonie vereint.

Ist die Software denn schon erprobt?

Ja, wir nutzen sie schon seit mehreren Jahren mit großem Erfolg. Schon heute steuert der SchwarmDirigent per Mobilfunk 1000 dezentrale Blockzeizkraftwerke, die in Mehrfamilienhäusern oder Schulen Wärme und Strom erzeugen. Diese Kraftwerke sind besonders flexibel und können künftig eine große Rolle im Markt spielen.

Die Software kombiniert aus vielen Daten – Strompreise an der Börse, Wetterprognosen Wärmebedarf im Gebäude – den wirtschaftlich sinnvollsten Betrieb der Kraftwerke. Aber das ist erst der Anfang. Der SchwarmDirigent ist technologieoffen, kann also auch andere Blockheizkraftwerke und dezentrale Einheiten steuern.

Der Strom wird dort eingesetzt, wo er gerade benötigt wird

Wo vermarktet der SchwarmDirigent denn die Energie?

Wir können nahezu jede Art von Erzeugung, Speicherung und Verbrauch von Energie optimieren. Dabei sind verschiedene Optimierungen möglich.

Wir können zum Beispiel Strom in Zeiten hoher Nachfrage erzeugen und an der Börse verkaufen. Oder wir richten uns nach den Bedürfnissen der Netzbetreiber, die flexible Stromangebote brauchen, damit die Netzspannung stabil bleibt. Ist zu viel Strom im Netz, betanken wir damit die Batterie eines Elektromobils. Fehlt Strom, dann entladen wir die Batterie oder schalten unsere Mini-Kraftwerke dazu.

Natürlich können wir auch die Eigenstromversorgung des Kunden effizienter gestalten. Letztendlich kann der SchwarmDirigent jeweils aktuell entscheiden, wo der Strom gerade mit dem höchsten Ertrag vermarktet wird.

Kunden verdienen dank SchwarmStrom Geld

Was hat denn ein Kunde vom SchwarmStrom?

Er verdient Geld. Denn durch die Vermarktung seines Sonnenstromes oder seiner Batteriekapazität wird der Hausbesitzer mit Hilfe von LichtBlick zum Stromanbieter. Das Schöne für den Kunden ist, dass er nichts dafür tun muss. Wir machen das und beteiligen ihn an den Erträgen.

Was sind die nächsten Schritte auf dem Weg in die SchwarmStrom-Welt?

Auch Elektroautos werden Teil des Schwarms - uns sorgen so für eine zuverlässige Stromversorgung. (c) fotolia
Auch Elektroautos werden Teil des Schwarms – uns sorgen so für eine zuverlässige Stromversorgung. (c) fotolia

Wir entwickeln auf vielen Ebenen neue Geschäftsideen. Unser IT-Plattform SchwarmDirigent ist technologieoffen. Wir haben kürzlich das erste größere Blockheizkraftwerk mit einer Leistung von 1,2 Megawatt in den Schwarm aufgenommen. Und wir haben im Rahmen des sogenannten Markprämienmodells bereits den Strom aus Windparks mit einer Leistung von 500 Megawatt über unsere Software vermarktet.

Im Moment testen wir gemeinsam mit Partnern und 20 Pionierkunden die Steuerung von E-Fahrzeugen, deren Batterien wir während der Standzeiten je nach Angebot und Nachfrage im Stromnetz be- oder entladen.

In Kürze werden wir ein neues SchwarmStrom-Produkt an den Markt bringen

Ich darf noch nicht zuviel verraten, aber in Kürze werden wir mit zwei spannenden Partnern ein neues SchwarmStrom-Produkt auf den Markt bringen.

Das Mieterstrom-Projekt von LichtBlick im Gelben Viertel in Berlin Hellersdorf hat viel Aufsehen erregt. Dort vermarkten Sie Sonnenstrom vom Dach direkt an 3000 Mietparteien. Sieht so die Zukunft der Energie aus?

Absolut. Das ist ja das schöne an der Dezentralisierung. Strom wird vor Ort erzeugt und verbraucht. Mieter standen bei solchen Lösungen ja bisher außen vor, weil – man glaubt es kaum – die lokale Stromlieferung recht kompliziert ist. Aber wir haben dank des Know-Hows unserer IT- und Energiefachleute auch hier eine Lösung gefunden, die für unsere Kunden einfach und bequem ist.

Unser klassisches Ökostrom-Geschäft und SchwarmStrom sind zwei Seiten einer Medaille

LichtBlick ist Marktführer für Ökostrom und Ökogas. Welche Rolle spielen diese Geschäftsfelder in Zukunft?

Ohne unsere über 600.000 Kunden gäbe es heute keinen SchwarmStrom. Im Grunde sind unser klassisches Handelsgeschäft – wir kaufen Öko-Energie und verkaufen sie an Kunden – und das neue SchwarmStrom-Geschäft zwei Seiten einer Medaille. Wer heute Ökostromkunde ist, kann schon morgen Kraftwerksbetreiber sein. Auch dann aber wird er ja nicht autark sein. Er braucht weiter unseren Ökostrom aus dem Netz. Und er wird Teil von  SchwarmStrom, weil er so mit seiner Photovoltaikanlage, seiner Batterie oder seinem E-Mobil auch noch Geld verdienen kann. Das gehört alles zusammen. Hier entsteht eine neue Energie-Partnerschaft zwischen uns und unseren Kunden.

Das Interview führte Ralph Kampwirth, Autor des LichtBlickBlogs


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2 Kommentare

  • Heiko von Tschischwitz sagt:

    Lieber Herr Grass,

    danke für Ihren netten Kommentar. Wir hatten allerdings auch gar nicht den Anspruch, alle Fragen zu beantworten. Das geht nämlich gar nicht bei einem so komplexen Thema wie der Energiewende. Ich gehe sogar noch weiter: Wir wissen gar nicht auf alle Fragen eine Antwort! Auf Ihre im Speziellen aber schon: Wir brauchen massive Back-up Kapazitäten, weil es natürlich Stunden gibt, an denen die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Das werden aber nicht nur flexible Kleinkraftwerke sein, sondern vor allem Batteriespeicher, mobile (Elektroautos!) und stationäre. Und ob Großkraftwerke oder flexible Kleinkraftwerke „das Rennen machen“, entscheidet der Markt, also im Wesentlichen die Intraday-Preisspreads. Unser Tipp: Die Dinos haben keine Chance!

    Heiko von Tschischwitz
    CEO


  • Hubertus Grass (DEZ Moderator) sagt:

    Danke. Ein guter Ausblick in die Energiezukunft, die schon begonnen hat.

    Im Interview kommen Industrie und Gewerbe mit ihren, doch zum Teil speziellen Bedürfnissen nicht vor. Der Bäcker muss morgens vor Sonnenaufgang den Backofen anwerfen – auch bei Windstille. Wie viel Backup wird nötig sein? Wie hoch ist der Preisunterschied zwischen vielen kleinen und flexiblen BHKWs und den jetzigen großen Kraftwerken?
    Obwohl m. E. noch einige Fragen offen bleiben: Kompliment an Lichtblick für den guten Job, den das Unternehmen auf dem Markt und in der Diskussion macht.


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