SCHWARMENERGIE

Tesla Powerwall: Richtiger Zeitpunkt für Speicher

Seit Neuesten speichert eine Powerwall den Solarstrom im Haus Thomsen, Foto: LichtBlick
Seit Neuesten speichert eine Powerwall den Solarstrom im Haus Thomsen, Foto: LichtBlick

Lars Thomsen ist renommierter Zukunftsforscher, Gründer von future matters – und bekennender Tesla-Fan. Er war einer der ersten in Europa, der sich einen Tesla gekauft hat. Nun ist auch in seinem Elternhaus in Hamburg ein Tesla, genauer gesagt eine Powerwall von Tesla. Die Batterie speichert jedoch nicht nur den vor Ort erzeugten Solarstrom, sondern wird zukünftig als SchwarmBatterie® mit einem Netzwerk von Batterien und den Energiemärkten verbunden sein, um so einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Wir haben mit Lars Thomsen über Batterien, Tesla und die Zukunft der Energiewelt gesprochen.

Mit Powerwall Tipping-Point erreicht

Herr Thomsen, warum haben Sie sich für einen Batteriespeicher entschieden?
Ich habe mir Haus-Batterien erstmals vor etwa zwei Jahren angeschaut und war überrascht, wie teuer diese waren. Damals konnte man eine Anschaffung ökonomisch nicht wirklich rechtfertigen. Das rechnete sich nur mit den Förderprogrammen – und viel Enthusiasmus. Für mich war die Ankündigung der Powerwall von Tesla eine Art Tipping-Point. Die Batterie sollte etwa die Hälfte der damals üblichen Marktpreise kosten. Da wurde der Speicher für mich interessant.

Noch zwei, drei Jahre bis zum Massenmarkt

Ich habe für Tesla aber auch ein gewisses Faible. Ich beobachte und begleite das Unternehmen schon länger und mir gefällt die Vision von Elon Musk und JB Straubel, der bei Tesla unter anderem die Batterieentwicklung voranbringt. Das Unternehmen ist weit mehr als ein Hersteller von Elektrofahrzeugen: Sie treiben den Batterie- und Speichermarkt in eine ganz neue Dimensionen und Anwendungsgebiete. Auch wenn es vielleicht noch zwei, drei Jahre dauert, bis die Batterie zum Massenmarkt wird. Aber ich finde es gut, immer etwas früher zu sein. Bei allen Entwicklungen möchte ich eigentlich immer vor dem Tipping-Point sein.

Eigenverbrauchsanteil von 50 Prozent

Sie haben bereits eine PV-Anlage installiert. Wie hoch wird der Eigenverbrauch von Solarstrom mit der Batterie voraussichtlich sein?
Wir hatten bislang mit unserer 8 kWp PV-Anlage nur einen Eigenverbrauch von ca. 14 Prozent. Im Sommer erzeugt die PV-Anlage bis zu 55 Kilowattstunden (kWh) am Tag und wir verbrauchen im Haus in dieser Zeit vielleicht 4 kWh. Am Abend und in der Nacht zogen wir bislang weitere 6-8 kWh aus dem Netz. Im Winter liegt der Ertrag der Anlage teilweise nur bei 10 kWh am Tag. Mit den knapp 7 kWh der Batterie sollten wir unseren Eigenverbrauchsanteil nun auf rund 50 Prozent erhöhen können – vielleicht sogar mehr.
Aufgrund des Baujahrs unserer Anlage bekommen wir noch eine Vergütung auf unseren Eigenverbrauchsanteil. Damit rechnet sich der neue Speicher recht schnell: Wenn wir pro Tag rund 5 kWh speichern und dem Eigenverbrauch zurechnen können, kommen wir auf rund 700 Euro Ersparnis pro Jahr durch die Batterie. Aber wir müssen einfach schauen, wie es in der Realität aussieht.

Für Lars Thomsen ist klar: Der Boom der Batteriespeicher wird kommen, Foto: LichtBlick
Für Lars Thomsen ist klar: Der Boom der Batteriespeicher wird kommen, Foto: LichtBlick

Die Suche nach Innovationen

Sie haben jetzt ja nicht nur einen Batteriespeicher, sondern Sie haben die Powerwall als SchwarmBatterie in den LichtBlick Schwarm integriert. Warum haben Sie sich dazu entschieden?
Die SchwarmBatterie® und das Konzept des Sharing-Gedanken unterstreichen andere aktuelle Trends. Grundsätzlich lässt sich sagen: Menschen sind immer auf der Suche nach Innovationen und sie sind soziale Wesen– also finden wir es auch ganz gut, mal etwas zu teilen. Das zeigt beispielsweise AirBnB: Millionen Menschen öffnen ihre Tür für fremde Menschen und lassen sie bei sich übernachten. Warum teilen wir nicht auch Energie? So gesehen, ist der SchwarmDirigent® auch ein soziales Netzwerk.

Gemeinsam mehr erreichen

Denn auch bei Energie gilt: Gemeinsam kann mehr erreichen als alleine. Wir werden mit Insellösungen niemals den idealen Punkt finden zwischen Erzeugung, Verbrauch und Speicherung. Es macht daher Sinn, einen Teil der erzeugten und gespeicherten Energie, dem Schwarm zur Verfügung zu stellen bzw. zu teilen.
Wir sind erst am Anfang, den Schwarm richtig zu verstehen. Nur mal eine kleine Rechnung: Tesla hat derzeit rund 400.000 Vorbestellungen für das Model 3 – und das war erst die erste Welle, aber bleiben wir bei der Zahl. Nehmen wir an, das Auto hat 50 kWh Speicher. Das sind zusammen 20 Gigawattstunden. Das ist einer der größten Energiespeicher der Welt. Allerdings nicht an einem Ort – also kein riesiger Staudamm oder Pumpspeicherwerk – sondern verteilt auf 400.000 Einheiten mit vier Rädern, welche rund 90 Prozent der Zeit irgendwo parken und ans das Stromnetz angeschlossen sind. Tesla baut nicht nur ein Auto, sondern nebenbei ein riesigen Schwarmspeicher. Wir müssen heute über den Tellerrand hinausschauen: was ist oder wird zukünftig möglich sein.

Energie demokratisieren

Eines interessiert uns zudem: Sie sind Zukunftsforscher und befassen sich auch mit dem Thema Digitalisierung und Energie. Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung der Erneuerbaren und die Bedeutung von Batteriespeichern ein?
Den Ansatz von SchwarmEnergie® finde ich sehr sinnvoll. Wir können die Energiewende nur gemeinsam gewinnen – nicht durch Egoismus und Abgrenzung. Wir demokratisieren Energie damit, und brechen die bisherigen Monopole. Gleichzeitig regionalisieren wir die Energie wieder, was viele Vorteile bietet.

Zu einer PV-Anlage gehört ab sofort auch ein Batteriespeicher, Foto: LichtBlick
Zu einer PV-Anlage gehört ab sofort auch ein Batteriespeicher, Foto: LichtBlick

PV-Anlage + Batteriespeicher

Wir bei future matters erwarten, dass sich der Bedarf an Batterien in den kommenden 500 Wochen um das 100-fache erhöht. Skaleneffekte und Lernkurven werden dabei die Preise weiter sinken lassen. Das wird ein enormer Markt werden. Und wir werden an einen Punkt kommen, an dem eine PV-Anlage mit Batteriespeicher einfach ökonomischer wird als ohne. Verbraucher entscheiden sich dann aus wirtschaftlichen Gründen für dezentrale Erzeugungsanlagen, auch ganz ohne Förderungen oder andere Anreize. Wie gesagt, die Preise für Batterien müssen und werden noch um rund 50 Prozent in Vergleich zu heute fallen, und dann werden wir einen enormen Boom erleben.

Deutschland wird zu den Vorreitern gehören

Das wird jedoch von Markt zu Markt unterschiedlich verlaufen. In einigen Ländern macht es Sinn, früher auf die Batterien zu setzen, in anderen später. Ausschlaggebend sind die jeweiligen Tarifstrukturen für Strom. Insgesamt wird es für viele der rund 1,5 Millionen Solaranlagenbesitzer in Deutschland einen Punkt geben, an dem es sinnvoll ist den Eigenverbrauchsanteil zu erhöhen. Insofern glaube ich, dass Deutschland schon neben Märkten wie Australien oder einigen US-Staaten wie Kalifornien zu den Vorreitern gehören kann, was den Speichermarkt angeht.


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10 Kommentare


  • Klaus Müller sagt:

    Hm, interessant, vor allem die Hochrechnung, dass viele Autobatterien einen riesigen Speicher ergeben. Gut, dass Lichtblick hier schon Pionierarbeit leistet.

    Frage mich, inwiefern der Lichtblick Schwarm eine Community zum Strom teilen ist oder habe ich das falsch verstanden? (Community wie etwa hier im Vergleich: http://www.beegy.com/2016/09/sonnen-buzzn-oder-beegy-energie-communities-im-vergleich/)

    Viele Grüße


    • Anke Blacha | LichtBlick Autorin antwortet:

      Hallo Herr Müller,

      ja, momentan ist es tatsächlich noch Pionierarbeit. Wir hoffen, dass beim Ausbau der Elektromobilität und des Ladesäulennetzes gleich an Themen wie bidirektionales Laden mitgedacht wird (leider sieht es aktuell nicht danach aus…).

      Zum Thema Community: Ziel unserer SchwarmEnergie® ist, dass die dezentralen Anlagen und Speicher miteinander vernetzt sind und gemeinsam Strom erzeugen bzw. Strom aus erneuerbaren Energien zwischenspeichern. Wir denken aber, wie Sie bei beegy, einen Schritt weiter – das Stichwort ist hier peer-to-peer. Verbraucher, die ihren eigenen Strom erzeugen, geben diesen an andere Verbraucher weiter. Momentan ist dies, wie Sie sicher auch wissen, bei PV-Strom aufgrund der EEG-Förderung nicht möglich. Um diesen Strom weiterzuverkaufen, müsste der Verbraucher entweder auf die Förderung verzichten oder der Käufer mindestens die Höhe der Einspeisevergütung zahlen. Das würde den Strom allerdings sehr teuer machen. Wir arbeiten jedoch an diesen Gemeinschaftsprojekten. In Kürze mehr dazu 🙂

      Viele Grüße
      Anke Blacha


  • Johannes Hadasch sagt:

    „Tesla baut nicht nur ein Auto, sondern nebenbei ein riesigen Schwarmspeicher.“
    Mich wundert, dass Elon Musk diesen Aspekt nicht in seinen „Master Plan – Part Deux“ aufgenommen hat. Das ist doch eine Vision, die zu seinem Gesamtkonzept passen würde!

    Ich habe das Model 3 reserviert und bin gespannt, ob ein bidirektionaler Laderegler als Option angeboten werden wird!
    Gibt es zu diesem Thema von Seiten Tesla bereits Verlautbarungen?


    • Anke Blacha | LichtBlick Autorin antwortet:

      Hallo Herr Hadasch,
      Sie haben Recht, so wirklich nennt es Elon Musk nicht. Aber er macht es de facto 🙂
      Das bidirektionale Laden ist tatsächlich ein Thema, das bislang nur die wenigsten Autobauer mitdenken. Was schade ist, denn es ist lukrativ für die Autobesitzer und wichtig für die Energiewende. Uns sind nur Nissan und Mitsubishi bekannt, die das zum Teil bereits heute umsetzen. Bei Tesla konnte ich zu dem Thema noch nichts finden. Aber bis das Model 3 auf den Markt kommt, ist ja noch ein bisschen Zeit…

      Viele Grüße
      Anke Blacha



  • Covenant sagt:

    Das tesla Model3 wird nicht vor 2018 auf dem Markt sein.
    jenseits von 30.000 € sehe die verwendete Vokabel vom „Massenmarkt“ ein wenig übertrieben.
    Die allermeisten Autos die auf der Welt (und in EU) gekauft werden sind Kleinwagen zwischen 7.500 (Dacia) und ca. 16.000 €. Mehr können oder wollen Menschen nicht für ihre Mobilität ausgeben.

    Der Li-Ion Akku beim Model3 macht ungefähr 1/3 des Gesammtpreises aus; also ca 10.000.
    Selbst wenn die Herstellungkosten um bis zu 50 sinken bleibt ein Gesammtpreises von 25.000 übrig.

    Das ist leider auch in 15 Jahren nicht MASSENTAUGLICH

    Die scheiß Verbrenner sind einfach zu billig, weil Umweltschäden nix kosten.


    • Anke Blacha | LichtBlick Autorin antwortet:

      Hallo,

      da gebe ich Ihnen Recht – auch mit einer Prämie von 4.000 Euro ist das Auto kein Schnäppchen. Doch es braucht diese Vorreiter, um die Entwicklung in Gang zu bringen und wir sind uns sicher, dass mit den sinkenden Batteriepreisen, der wachsenden Notwendigkeit für E-Autos und der steigenden Konkurrenz die Preise deutlich sinken werden.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


  • Horst Bischof sagt:

    Ich verstehe dieses System nicht richtig?
    Ist das so gedacht das ein E-Auto gleichzeitig als Speicher genutzt werden soll?
    Es müste dann aber auch bezahlbare Kleinwagen geben, die sich auch rentner leisten künnen.
    Horst Bischof


    • Anke Blacha | LichtBlick Autorin antwortet:

      Hallo Herr Bischoff,

      entschuldigen Sie, die etwas verspätete Rückmeldung.

      Ja, die Batterien in E-Autos bieten ein erhebliches Speicherpotenzial. So haben beispielsweise die Batterien von rund einer Million E-Autos die Speicherkapazität aller Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland. Wir haben in zwei Forschungsprojekten die Nutzung von E-Autos als Speicher untersucht. Intelligent in die Energiemärkte eingebunden, können die E-Fahrzeuge nicht nur einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten, sondern zusätzlich für den Besitzer Geld verdienen. Sie finden hier im Blog Beiträge zu den Forschungsprojekten:
      http://www.lichtblickblog.de//schwarmenergie/elektroautos-im-schwarm/
      http://www.lichtblickblog.de//schwarmenergie/3e-mehrfamilienhaus-schwarm-energie-forschung-energieerzeugung-hamburg/

      Und bei den Kosten sind wir uns sicher, dass die in den kommenden Jahren weiter sinken werden. Die Batteriepreise sind in den vergangenen Jahren bereits deutlich gesunken. Doch einige Prognosen gehen davon aus, dass die Preise zwischen 2015 und 2020 um rund 50 Prozent fallen werden, bis 2020 sogar um 75 Prozent. Damit werden auch die Kosten für die E-Autos deutlich sinken.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


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