SCHWARMENERGIE

Endlich profitieren Mieter direkt von der Energiewende

Früher gab es immer das Klischee vom umweltbewussten Zahnarzt, der sich eine Solaranlage auf sein Haus setzt und dank der Förderung ordentlich Geld verdient, während alle andere nur für die Energiewende bezahlen, ohne direkt davon profitieren zu können.

Trend: Energie selbst erzeugen

Doch das gehört schon lange der Vergangenheit an. Heute profitieren schon sehr viele Menschen in Deutschland und weltweit vom gelebten Klimaschutz. Auf Millionen Dächern in Deutschland gibt es bereits Solaranlagen. Zehntausende heizen ihre Häuser mit modernen, klimafreundlichen Heizungen. Mittlerweile gibt es sogar kleine Solaranlagen, die man sich einfach auf den Balkon schrauben kann. Immer mehr Menschen nehmen ihre Versorgung mit Energie selbst in die Hand und stellen Strom und Wärme selbst her. Sie werden von reinen Konsumenten zu sogenannten Prosumenten. Die Energiewende hat schon lange den Weg in die Dezentralität eingeschlagen: weg von den klimaschädlichen und gefährlichen Großkraftwerken der Konzerne, hin zu Millionen von kleinen und klimafreundlichen Anlagen.

Das neue Mieterstromgesetz ebnet den Weg, damit Mieter endlich vor Ort erzeugten PV-Strom nutzen können, Foto: Stadt&Land Berlin
Das neue Mieterstromgesetz ebnet den Weg, damit Mieter endlich vor Ort erzeugten PV-Strom nutzen können, Foto: Stadt&Land Berlin

Mieter bisher benachteiligt

Die einzigen, die bisher zu wenig und nur indirekt von der Energiewende profitieren konnten, waren die Mieter. Zwar können Vermieter Solaranlagen auf die Dächer ihrer Gebäude installieren und moderne Heizungen einbauen. Aber das entscheiden sie in der Regel selbst. Die Mieter haben meistens kaum Einfluss darauf. Und vielen Vermietern und Versorgern fehlte bisher ein klarer Rahmen, um etwa Mieter mit Solarstrom vom eigenen Dach zu versorgen. Aber das soll sich mit einem neuen Gesetz jetzt ändern!
Der Bundestag hat Ende Juni das Mieterstromgesetz verabschiedet und Ende vergangener Woche ging es durch den Bundesrat. Damit gibt es erstmals eine Förderung und klare Rahmenbedingungen, wenn Mieter aus einer Solaranlage auf ihrem Dach direkt mit Strom versorgt werden.

Vorreiter LichtBlick

LichtBlick hat 2013 das erste Mieterstrom-Projekt in Berlin-Hellersdorf umgesetzt. Aber bisher fehlte ein klarer, bundesweit geltender Rahmen. Jetzt wissen alle Versorger und Mieter, welche Förderung sie bekommen und welche Regeln sie einzuhalten haben. LichtBlick hat sich für dieses Gesetz, das definitiv ein wichtiger Schritt für die Realisierung von Mieterstrom ist, das aber auch noch einige Mängel hat, massiv eingesetzt. Pilotprojekte, wie unseres in Berlin, haben das Thema auf die Agenda der Politik gebracht und nach einigen Rückschlägen in vergangenen EEG-Reformen hat nun auch die Regierung erkannt, dass es Zeit für diesen Schritt ist.
Das Gesetz gilt nur für Solaranlagen, aber für den Einsatz von Blockheizkraftwerken, aus denen Mieter Strom und Wärme geliefert bekommen, gibt es schon seit letztem Jahr eine verbesserte Förderung.

Mieterstrom ist klimafreundlicher und günstiger als Strom vom örtlichen Versorger

Wird das Mieterstromgesetz jetzt einen Boom auslösen? Das lässt sich derzeit sehr schwer sagen. Einerseits geht das Gesetz eigentlich nicht weit genug, damit in ganz Deutschland überall neue Mieterstromprojekte aus dem Boden sprießen. Da muss die Bundesregierung in den kommenden Jahren noch nacharbeiten. Andererseits haben viele Versorger nur auf das Gesetz gewartet, um Mieterstrom liefern zu können. Denn Mieterstrom ist nicht nur klimafreundlicher, sondern in der Regel auch günstiger als der Strom vom örtlichen Versorger. Die Mieter profitieren also doppelt.

Meilenstein für die Energiewende

Das Mieterstromgesetz ist auf jeden Fall ein Meilenstein für die (dezentrale) Energiewende. Erstmals gibt es ein Gesetz, mit dem ausschließlich kleinere, klimafreundliche und dezentrale Anlagen gefördert werden sollen.
Das stärkt auch die Akzeptanz für die Energiewende. Die Mieter profitieren nicht nur von klimafreundlichem und günstigem Solarstrom. Sie erleben auch hautnah, wie die Energiewende vorangeht. Sie müssen nur einen Blick auf das eigene Dach werfen.


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