SCHWARMENERGIE

Zur Klimakonferenz: Energiewende-Megatrends

Die Klimakonferenz in Le Bourget bei Paris geht in die zweite und letzte Woche. Noch ist offen, ob ein verbindliches Abkommen zum Klimaschutz und zur 2-Grad-Grenze zustande kommt.  Doch unabhängig von politischen (Lippen-) Bekenntnissen zum Klimaschutz zeigt die von LichtBlick und dem WWF beauftragte Megatrend-Studie zur Energiewende, dass ein Wandel hin zu erneuerbaren, klimaschonenden Energien möglich ist – und weltweit in Gang ist. LichtBlick und der WWF betrachten in der Studie insgesamt fünf Trends, die ein neues Energie-Zeitalter einläuten.

Ein Energiewende-Megatrend: Das Ende der fossilen Ära ist nah, Grafik: LichtBlick/WWF
Ein Energiewende-Megatrend: Das Ende der fossilen Ära ist nah, Grafik: LichtBlick/WWF

Megatrend 1: Anfang vom Ende der fossilen Ära

Fossile Brennstoffe gehören zu den Hauptverursachern der klimaschädlichen CO2-Emissionen. Daher sind zwei Entwicklungen hier besonders erfreulich: Erstmals seit vier Jahrzehnten ist 2014 der Ausstoß an Klimagasen aus dem Energiesektor nicht mehr gestiegen – trotz Wirtschaftswachstum und weltweit höherem Energieverbrauch.
Zudem gewinnt die Divestment-Bewegung – also die Forderung, aus der Finanzierung fossiler Brennstoffe auszusteigen – immer mehr Beachtung. So verkündete kurz vor Beginn der Klimakonferenz in Paris der Allianz-Konzern nicht mehr in Unternehmen zu investieren, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes durch den Abbau von Kohle oder durch die Energieerzeugung aus Kohle erzielen. Das ist immerhin ein Volumen von rund vier Milliarden Euro. Weitere bekannte Beispiele sind der norwegische Pensionsfonds und die Rockefeller Foundation. Ihnen werden weitere folgen, denn unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist die Ausbeutung fossiler Brennstoffvorräte wie Kohle und Öl wird angesichts von Klimaschutz und Energiewende riskant. Schließlich müssen zum Einhalten der 2-Grad-Grenze rund 80 Prozent der bekannten Kohle-, Gas- und Ölvorkommen unter der Erde bleiben.

Megatrend 2: Die Energiezukunft hat schon begonnen

Wir müssen nicht auf politische Entscheidungen warten, um die Energiewende einen Erfolg werden zu lassen. Insbesondere Solar- und Windkraft entwickeln sich zu den Schlüsselenergien des 21. Jahrhunderts. Im Jahr 2013 wurde weltweit erstmals mehr Leistung in Form von Erneuerbare-Energien-Kraftwerke errichtet als in Form von Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke zusammen. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren weiter verstärken es für die Betreiber einfach wirtschaftlicher sein wird, auf die Erneuerbaren zu setzen (s. Megatrend 3). Ein starkes Klimaschutzabkommen in Paris würde diesen Trend unterstützen.
Wie rasant sich die erneuerbaren Energien durchgesetzt haben zeigen folgende Zahlen: Zwischen 2004 und 2014 ist die globale Solarstrom-Leistung von 3,7 auf mehr als 180 Gigawatt gestiegen. Beeindruckend ist die zunehmende Wachstums-Dynamik: Die Hälfte des solaren Kraftwerks-Neubaus erfolgte allein in den Jahren 2012 und 2013.

Megatrend 3: Die Energiezukunft ist erneuerbar

Erneuerbare statt fossile und Atomenergie - die Energiezukunft ist erneuerbar, Grafik: LichtBlick/WWF
Erneuerbare statt fossiler und atomarer Energie – die Energiezukunft ist erneuerbar, Grafik: LichtBlick/WWF

Die Kosten für erneuerbare Energie sinken kontinuierlich – sie werden nach Ansicht vieler Finanzexperten in naher Zukunft weltweit die günstigste Stromtechnologie sein.
So kostete eine Kilowattstunde Sonnenstrom anfangs noch rund einen Euro. 2015 hat die Bundesnetzagentur für die zweite Ausschreibungsrunde für PV-Freiflächenanlagen, die kleiner als 10 Megawatt sind, Stromkosten von rund 8,5 Cent pro Kilowattstunde ermittelt. Zum Vergleich: Strom aus Offshore-Anlagen kostet rund 19,4 Cent/kWh, die Stromkosten bei Onshore-Windanlagen liegen bei 8,9 Cent/kWh. Und für das neu geplante Atomkraftwerk Hinkley Point C in Großbritannien wird eine Einspeisevergütung von 10,6 Cent/kWh gefordert – über einen Zeitraum von 35 Jahren. In der Zeit werden die Kosten für Solarstrom auf zwei bis vier Cent pro Kilowattstunde sinken.

Megatrend 4: Die Energiezukunft ist dezentral

In Deutschland stehen rund 170 Kohle- und Atomkraftwerken mehr als 1,5 Millionen PV-Anlagen und rund 24.000 Windkraftanlagen gegenüber. Wir erleben gerade den Wechsel von zentralen Großkraftwerken hin zu vielen dezentralen Erneuerbaren-Anlagen. Im Grund kann heute jeder Immobilienbesitzer sein eigener Stromversorger werden. In anderen Industriestaaten ist die Entwicklung ähnlich. In den USA hat sich die Zahl der von Energieversorgern installierten kleinen und großen Solarkraftwerke von 2010 bis 2014 auf 675.000 Anlagen vervierfacht.
Das bedeutet: Strom-Verbraucher werden zusätzlich zu Strom-Erzeugern, sogenannten Prosumern, Häuser und Unternehmen werden zu Kraftwerken. Die Energiewelt wird demokratisiert, da jeder teilhaben kann.

Die Energiewende ist dezentral - statt großer, zentraler Kraftwerke gibt es viele kleine Erneuerbare-Anlagen, Foto: PantherMedia
Die Energiewende ist dezentral – statt großer, zentraler Kraftwerke gibt es viele kleine Erneuerbare-Anlagen, Foto: PantherMedia

Megatrend 5: Energiezukunft ist digital

Der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix macht heute schon rund 33 Prozent aus. Doch Sonne und Wind stehen nicht immer zur Verfügung, daher wird in der Öffentlichkeit immer noch die Angst vor drohenden Blackouts und einer unsicheren Stromversorgung geschürt. Aber alle erforderlichen Technologien sind verfügbar, um auch bei 100% Erneuerbaren eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten. So werden zum Beispiel auch Batteriespeicher, die überschüssigen Ökostrom aufnehmen können und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen, immer preiswerter.
Der Schlüssel liegt in der Digitalisierung des Energiesystems. IT- und Energiesektor wachsen mit dem Ziel zusammen, Energieangebot und Energiebedarf zuverlässig zu jeder Zeit zur Deckung zu bringen. So, wie LichtBlick es mit SchwarmEnergie® und der IT-Plattform SchwarmDirigent® bereits vormacht.

Die gesamte Studie der Megatrends der Energiewende können Sie auf der gemeinsamen Webseite des WWF und von LichtBlick nachlesen.


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3 Kommentare

  • Siegfried Marquardt sagt:

    Es mündet in Bälde alles in eine Katastrophe!
    Die Umwelt schlägt gnadenlos zurück! Im Süden Deutschlands mutieren kleine Rinnsale zu Sturzbächen und überfluten ganze Städte und Landschaften. Im Resultat dessen mussten viele Tote beklagt werden. Im Norden Deutschlands, in Schleswig-Holstein und Hamburg entwickeln sich aufgrund der extrem energiegeladenen Atmosphäre in kürzesten Fristen mehrere Tornados und verwüsten die Landschaft, Gott sei Dank ohne Tote. Einmalig in der Geschichte der Meteorologie Deutschlands. Millionen Flüchtlinge machen sich anderseits auf dem Weg, ihre ökonomisch, militärisch und ökologisch zerstörten Länder zu verlassen, um im gelobten Europa Zuflucht zu suchen. Das freiheitliche und demokratische Europa schottet sich quasi mit Grenzzäunen und anderen inhumanen Maßnahmen ab und sieht zu, wie tausende Flüchtlinge Jahr für Jahr im Mittelmeer absaufen. Nun sollen die Fluchtursachen an den Entstehungsorten und in den Entstehungsländern mit Zuckerbrot und Peitsche mit Bestechungsgeldern der EU für Despoten bekämpft werden, um mit repressiven und diktatorische Methoden die Notsuchenden und Elenden an die Flucht zu hindern, anstatt die wahren Ursachen an den Wurzeln anzupacken und effektiv zu bekämpfen. Dann werden die Elenden nicht mehr im Mittelmeer absaufen, sondern in ihren Ländern interniert oder/und abgeschlachtet werden. Der „Hammer“ in diesem Drama und in dieser Tragödie: Jungdynamiker Sebastian Kurz, seines Zeichens Außenminister der Bundesrepublik Österreich fordert, die Notsuchenden auf Inseln zu internieren, um diese von Europa fern zu halten . Man kann gar nicht genug essen, um sich zu erbrechen, in Abwandlung eines geistreichen Wortes eines berühmten Humanisten. Parallel und zeitgleich dazu spielt die NATO unter der Ägide der US an der Ostflanke in Polen verrückt und inszeniert anachronistische Kriegsspiele, natürlich nicht gegen Russland gerichtet, sondern gegen einen imaginären, fiktiven Gegner im Norden. Wie bekloppt sind eigentlich die verantwortlichen Militärs der NATO und die Politiker der EU und USA die hierfür verantwortlich sind, die Stabilität in dieser Region so eklatant zu gefährden. Das ganze Spektakel wurde natürlich von einem Popen abgesegnet und die Worte zur Motivation der Truppe klingen genauso wie akkurat vor vierzig Jahren an gleicher Stelle – nur unter anderem Vorzeichen! Gibt es nicht genug Not und Elend in der Welt? Muss man da noch Krieg spielen, wo sich eindeutig und unzweifelhaft abzeichnet, dass die Welt ökologisch, ökonomisch und humanitär kurz vor dem Kollaps, ja vor einer Katastrophe ungeahnten Ausmaßes steht?!
    Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen


  • Siegfried Marquardt sagt:

    Es geht uns bald die Puste aus!
    Zum UN-Klimagipfel in Paris wurden die Eckdaten der klimatischen Veränderung unseres noch blauen Planeten im TV-Sender Phönix ausgestrahlt. Hoch interessant war das Datum zur CO2-Emission, das ein Kommentator anführte. Seit der Klimaaufzeichnung und Registrierung des CO2-Austoßes sollen in die Erdatmosphäre 650 GT (Milliarden Tonnen) an CO2 emittiert worden sein. Dies ist grundlegend falsch! Denn seit 1860 bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurden rund 1,8 TT (Terra Tonnen – Billionen Tonnen) in die Atmosphäre emittiert! Im Jahre 2007 wurde in der Zeitung Die Zeit eine Graphik veröffentlicht, wo der CO2-Ausstoß von 1860 bis 1990 aufgezeigt wurde (siehe Abbildung 1 – ergänzt um das aktuelle Datum von 2012 mit 36 GT).

    Abb.1: CO2-Ausstoß von 1860 (0) bis 2012 (152) als signifikante Exponentialfunktion.
    Um den CO2-Ausstoß, beispielsweise von 1860 bis 1990 berechnen zu können, muss die obige Funktion in der Abbildung 1
    y= 0,92*e0,025x (1)
    integriert werden. Die Integration der Funktion (1)
    y= ∫ 0,92*e0,025 x (2)
    ergibt rund
    y= 0,92*e0,025x : 0,025. (3)
    Nach der Funktion (3) wurden bisher im Zeitraum von 1860 bis 2015 (x=155) nicht 650 GT, sondern
    y= 0, 92*e0,025*152 : 0,025 ≈ 1,8 TT (4)
    in die Atmosphäre geblasen. In 25 Jahren, also 2040 wird die CO2—Emission rund
    y= 0, 92*e0,025*180 : 0,025 ≈ 3,3 TT (5)
    betragen. Dann wird uns wohl die Puste ausgehen, wenn nicht radikal gegengesteuert wird. Nach den Informationen des Weltklimarates und Phönix-TV soll sich die CO2-Konzentration von 1990 bis dato von 280 ppm auf nur 400 ppm (ppm – Teilchen pro Millionen) erhöht haben (dieser Wert wurde übrigens bereits vor 10 Jahren so benannt). Da kann etwas nicht stimmen! Die folgende Tabelle soll dazu beitragen, Licht ins Dunkel zu bringen (siehe Tabelle 1).
    Tabelle 1: CO2-Ausstoß zu den verschiedenen Zeitpunkten und die CO2-Konzentration in Volumen-Prozent und ppm).
    Lfd. Nr. Zeitpunkt x=t in (Jahre) Ausstoß (in Terratonnen) CO2-Vol-Konz. In Vol-Prozent CO2-Konzen-tration in ppm
    1 1860 0 0,037 ? ?
    2 1970 Basisjahr 110 0,576 0,04 280
    3 1990 130 0,952 0,04/0,07 280/463
    4 2015 155 1,778 >0,07 400/>463
    5 2040 180 3,323 ? ?

    Dass bei den Daten etwas nicht stimmen kann, zeigen die Daten in den Zeilen 2, 3 und 4. Wenn um 1970 die CO2-Konzentartion 0,04 Volumen-Prozent und 280 ppm betrugen, dann konnten sich mit einer Quasi-Verdoppelung der CO2-Emission 1990 nicht 0,04 Prozent und 280 ppm ergeben. Auch die Werte der Zeile 4 sind Nonsens. Wenn man die Zeilen 2, 3 und 4 mit den Konzentrationswerten und mit dem CO2-Ausstoß in Relation setzt, dann ergeben sich Werte, wie in Tabelle 1 aufgelistet. Die Messung der CO2-Konzentration soll dabei in Hawaii und in Alaska erfolgen, also an Orten, wo kaum eine CO2-Emission durch Industrie und Verkehr erfolgt. Es geht uns langsam die Luft aus, wie die Grafik 1 und die Tabelle 1 erkennen lassen. Die Messwerte müssten für 1990 ca. bei 460 ppm und für 2015 weit höher als 460 ppm liegen! Wenn die CO2-Emission so weiter forciert wird, dann laufen wir alle bald mit Atemschutzmasken herum! Die Dunstglocke über Peking erst vor kurzem war da nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was sich dann abspielen wird! Es verbleibt also gar keine andere Alternative, als schnellsten zu handeln und massiv alternativen Energien, wie die Sonne-, Wind- und Wasserenergie zu nutzen. Aber auch die Kernfusion und Kernfusionsreaktoren könnten gerade noch rechtzeitig zum Einsatz gelangen, um die Menschheit zu retten! Insofern ist es recht kleinlich und kleinkariert, wenn hier die finanziellen Mittel von 1 Milliarden € quasi als Gegenargument für diese Forschungen angeführt werden. Da sollte man lieber die Gelder für den Teilchenbeschleuniger LHC (Cern) in Meyrin bei Genf in der Schweiz für die Beschleunigung der Forschungen an der Kernfusion und Kernfusionsreaktoren umleiten. Insofern war es auch eine gravierende Fehlentscheidung, die AKW in Deutschland abzuschalten. Wenn es auch makaber und zynisch klingen mag: Ersticken (CO2, ) Absaufen (Anstieg der Meeresspiegel), Verbrennen und Explodieren (Methanemission) werden wir in wenigen Jahrzehnten 100-prozentig! Ein AKW von 1000 havariert dagegen höchstens einmal in 25 Jahren!
    Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen


    • Anke Blacha | LichtBlick Autorin antwortet:

      Hallo Herr Marquardt,

      Sie haben Recht, dass die Emissionen deutlich reduziert werden müssen. Doch der Fokus muss auf den Erneuerbaren liegen und nicht auf neuen AKW. Ja, die CO2-Emissionen sind bei dieser Technologie gering. Doch es geht nicht nur um nukleare Katastrophen, wie Tschernobyl oder Fukushima, die gezeigt haben, dass auch hoch technologisierte Länder, wie Japan diese Energie nicht im Griff haben. Es geht auch darum, dass wir nicht wissen, wie und wo wir den noch Jahrhunderte strahlenden und hochgiftigen Müll lagern sollen. Dieses Problem den nächsten Generationen zu überlassen, ist genauso unverantwortlich wie weiter CO2 in die Atmosphäre zu stoßen.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


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