SCHWARMENERGIE

Energiewelt von morgen – ein Gespräch

Die Energiewelt befindet sich im Umbruch. Wir haben mit Lars Thomsen, Zukunftsforscher und Gründer von future matters – und seit Kurzem Besitzer einer SchwarmBatterie® –, sowie mit Christian Appel, Leiter Technik, Forschung und Entwicklung bei LichtBlick, über Trends und Entwicklungen in der Energiebranche gesprochen.

Erneuerbare haben in Deutschland einen Anteil von 33% am Strommix - ein rasanter Ausbau, Foto: Panthermedia
Erneuerbare haben in Deutschland einen Anteil von 33% am Strommix – ein rasanter Ausbau, Foto: Panthermedia

Doch nicht nur ökologische Weltverbesserer

Heute erzeugen die erneuerbaren Energien rund 33 Prozent des Stroms in Deutschland, viele haben auf ihren Dächern Solaranlagen installiert und sind ihr eigener Stromproduzent – eine rasante Entwicklung.
Lars Thomsen: Noch vor 10 Jahren bestand die Kraftwerkslandschaft in Deutschland aus lediglich wenigen – hauptsächlich fossilen – Anlagen in der Hand weniger großer Versorger. Innerhalb von gerade einmal 500 Wochen kamen nun rund 1,5 Millionen – hauptsächlich erneuerbare – neue Kraftwerke hinzu: In Form von Solaranlagen, Windkraftanlagen, Blockheizkraftwerken oder Biogasanlagen – oft in privater oder genossenschaftlicher Hand. Für die Energiekonzerne kam somit praktisch über Nacht eine ungeahnte Konkurrenz, mit der sie so gar nicht gerechnet hatten. Die Konzerne schienen mitunter über lange Zeit wie paralysiert und haben anfangs gedacht, dass maximal ein paar ökologische Weltverbesserer hier aktiv würden. Doch mittlerweile sind wir bereits bei rund 33 Prozent regenerative Energien in Deutschland.

Lösungen für „dezentrales Chaos“

Christian Appel: Die Netzbetreiber sehen die Entwicklung eher als dezentrales Chaos an: Wo wird gerade eingespeist, wo ist mein Netz gerade destabilisiert? Wir wollen mit LichtBlick für sie Lösungen schaffen, indem wir im ersten Schritt mit dem SchwarmDirigent® Erzeugung und Verbrauch sichtbar machen, auch für die Netzbetreiber. Im zweiten Schritt bringen wir die Kapazitäten, die steuerbar sind, wie die SchwarmBatterie®, in den Markt ein und können sie über den Eigennutzen für den Verbraucher hinaus in das Netz integrieren, wodurch ein kollektiver Mehrwert entsteht.

Deutschland hat den Anfang gemacht

Die Energiewende sorgt nicht nur bei den Netzbetreibern mitunter für Kopfzerbrechen, auch viele Bürger sind aufgrund der zum Teil einseitig geführten Kostendiskussion nicht immer positiv auf die Wende zu sprechen.
Thomsen: Ich finde es sehr positiv, was Deutschland mit der Energiewende gemacht hat. Es gibt zwar viele Kritiker, die sagen, dass wir für die Wende zu viel zahlen. Aber wir haben in Deutschland es tatsächlich geschafft, diesen „Kickoff“ zu machen für eine Entwicklung, die mittlerweile weltweit die Energieversorgung revolutioniert und enorm dafür beiträgt, dass unsere Kinder und Enkelkinder noch auf dieser Erde leben werden können. Ob in China, den USA, andern Ländern Europas: Regenerative, intelligente Energie ist enorm auf dem Vormarsch und übersteigt mittlerweile fast überall die Zubauanteil von fossilen Kapazitäten. Wir haben in Deutschland in etwas investiert, das anfangs viel Geld gekostet hat, doch jetzt kommen wir an den Punkt, an dem Erneuerbare Technologien Energie so günstig erzeugen können, wie bislang fossile Kraftwerke – und dies ohne die Zukunft unserer Kinder zu zerstören. In sonnigen Regionen können wir heute Strom für nur rund 5 Cent Vollkosten pro Kilowattstunde erzeugen.

Speicher für die Energiewende

Den Batterien gehört die Zukunft, Foto: LichtBlick
Den Batterien gehört die Zukunft, Foto: LichtBlick

Appel: Aber auch da muss die Frage beantwortet werden – wie wird Las Vegas versorgt, wenn die Sonne nicht scheint?

Thomsen: Da kommen wir zum Thema Speicher. Im Rahmen unserer Zukunftsforschung bei future matters rechnen wir damit, dass sich der Bedarf an Speicher-Batterien in den kommenden 500 Wochen um das 100-fache im Vergleich zu heute erhöht. Skaleneffekte und Lernkurven werden dabei die Preise weiter sinken lassen. Das wird ein enormer Markt. Und wir werden an einen Punkt kommen, an dem eine PV-Anlage mit Batteriespeicher einfach ökonomischer wird als ohne und in vielen Fällen auch günstiger als Netzstrom. Verbraucher entscheiden sich dann aus wirtschaftlichen Gründen für dezentrale Erzeugungsanlagen, auch ganz ohne Förderungen oder andere Anreize. Preise für Fotovoltaik und Batterien müssen und werden noch um rund 50 Prozent in Vergleich zu heute fallen. Wenn es so weiter läuft, wie bislang erwarten wir den Tipping Point in den kommenden 300 Wochen – und dann werden wir in diesem Bereich weltweit einen enormen Boom erleben.

Lars Thomsen (links) und Christian Appel (rechts) im Gespräch zur Energiewelt von morgen, Foto: LichtBlick
Lars Thomsen (links) und Christian Appel (rechts) im Gespräch zur Energiewelt von morgen, Foto: LichtBlick

SchwarmBatterien® bieten Mehrwert

Appel: Hinzu kommt die Ertragsseite. Die Verbraucher werden sehen, dass mit den Batterien echte Werte zu heben sind. Neben der Zwischenspeicherung für das eigene Haus lässt sich ein sehenswerter Ertrag durch die Marktintegration der Batterie erzielen. Selbst mit den heutigen Batteriepreisen sehen wir, dass wir an einem Tipping-Point sind, an dem sich eine Batterie im gewerblichen Bereich durch die zwei Erträge – die günstigeren Strompreise für den Verbrauch vor Ort und die Marktintegration – bereits heute rentieren.

Dynamische Innovationsgeschwindigkeit

Neben den Preisen spielt für viele Verbraucher auch die Lebensdauer der Batterie eine Rolle…
Thomsen: Die Innovationsgeschwindigkeit von Batterietechnologie ist recht dynamisch: Ein Beispiel: Bis vor kurzem war die Batterie im Laptops austauschbar, da die Batterie in der Regel schneller ihr Lebensende erreichte als der Computer. Vor rund fünf Jahren fingen die ersten Hersteller an, die Batterie fest einzubauen. Zuerst gab es große Proteste. Heute ist es normal, da man davon ausgeht, dass die Batterie mindestens genauso lange funktioniert, wie der Laptop. Je nach Batterietyp und Einsatz rechnet man heute mit weit über 1000 Vollzyklen. Beim Elektroauto von Tesla wird beispielsweise mit mindestens 1.700 Zyklen gerechnet. Wenn wir pro Vollladung also rund 300 Kilometer fahren können, kommen wir auf über 500.000 Kilometer.

Batterien für E-Autos

E-Autos sind wichtig für gelingen der Energiewende und Klimaschutz, Foto: LichtBlick
E-Autos sind wichtig für gelingen der Energiewende und Klimaschutz, Foto: LichtBlick

Danach lebt die Batterie noch in ihrem zweiten Leben als Netzspeicher weiter oder kann Materialseitig zu bis zu 99,7 Prozent recycelt werden. Bei einem Auto mit Verbrennungsmotor wäre nach einer solchen Strecke dann auch oft eine neuer neue Antriebseinheit fällig. Doch der Unterschied ist immens: Während ein Verbrenner in dieser Zeit rund 75.000 Kilogramm CO2 aus fossilen Ressourcen emittiert, kommt der E-Wagen im schlechtesten Fall, das heißt mit dem normalen deutschen Strommix, auf rund 45.000 Kilogramm, mit zertifizierten Ökostrom auf praktisch 0 Kilogramm.

Appel: Die in Zukunft zur Verfügung stehenden Batterien leisten deutlich mehr und kosten nur noch einen Bruchteil.

In den Startlöchern

Und wann wird der Durchbruch für Batterien kommen?
Thomsen: Es kann noch zwei bis drei Jahre dauern, bis die Batterie im Massenmarkt angekommen ist. Aber ich finde es gut, immer etwas früher einzusteigen, um frühzeitig Erfahrungen zu sammeln.

Appel: Da haben wir die gleiche Einstellung zu den Märkten. Wenn Sie sehen, dass wir mit der Innovation SchwarmBatterie® noch etwas vor der Zeit sind, wollen wir dennoch die Systeme jetzt schon entwickeln, um die Produkte zu haben, wenn sich die Wirtschaftlichkeit einstellt.
Thomsen: Und das ist auch die richtige Strategie. Man kann nicht warten bis der Trend da ist und dann den anderen hinterherrennen. Viel klüger ist es, die Zeit zu nutzen um zu lernen, damit man dann am Umbruchpunkt bereit ist.

Energieversorgung mit PV und Batterie

Die Energiezukunft ist also dezentral, erneuerbare und elektrisch. Wie sieht es in Regionen aus, in denen der Ausbau der Energienetze jetzt erst erfolgt?
Appel: Bei Schwellenländern wird der Technologiesprung passieren, so dass dort gar nicht die großen Übertragungsnetze aufgebaut werden, sondern direkt regionale Cluster geschaffen werden, Verbrauchszentren, um die herum eine Infrastruktur entsteht, die direkt dezentralen Charakter besitzt.

Thomsen: Ich könnte mir vorstellen, dass wir in den Entwicklungsländern gar nicht mehr Wechselstrom-Systeme aufbauen, sondern sich dezentrale Gleichstrom-Lösungen durchsetzen. Ein kleines Dorf in Indien oder Afrika, welches bislang keinen Zugang zum Stromnetz hat, kann sich beispielsweise ein „Dorf-Netz“ innerhalb eines Tages aufbauen: Da kommt ein Lastwagen mit einem Container, in dem sind die Solarzellen und Batterien. Dann kommen die Zellen in das Gestell auf dem Dach des Containers, erzeugen Strom und die Batterien laden für die Nacht. Das ganze läuft auf Gleichstrom, so dass keine großen Trafostationen und Umspannwerke benötigt werden. Und verbrauchsseitig wird ja heute auch fast nur noch Gleichstrom benötig: Zum Laden von Handys, Fernseher, Kühlschränke, LED-Beleuchtung – geht alles mit Gleichstrom und spart damit sogar viele Netzteile. Der neueste USB-Standard liefert bis zu 100 Watt. Wer braucht da zukünftig noch andere Steckdosen?


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