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Strommix-Check – Oft nur grüne Fassade

Wissen Sie, dass Ihr Stromanbieter Ihnen eigentlich genau darstellen muss, wie sich sein Strommix zusammensetzt, das heißt, wie viel Kohle-, Atomstrom oder Ökostrom er einkauft? Sie müssten die Angaben dazu auf der Webseite unter dem Stichwort „Stromkennzeichnung“ finden.

Wie grün ist Ihr Stromanbieter wirklich? Wir haben den Strommix-Check gemacht, Grafik: LichtBlick
Wie grün ist Ihr Stromanbieter wirklich? Wir haben den Strommix-Check gemacht, Grafik: LichtBlick

LichtBlick macht den Strommix-Check

Das Thema interessiert die Verbraucher leider nicht besonders und das kommt vielen Stromanbietern zu gute. Bereits in den vergangenen Jahren haben wir von LichtBlick den Strommix der Energieanbieter in Deutschland genauer unter die Lupe genommen: Wir wollten wissen, wie grün der Stromtarif tatsächlich ist oder wie hoch die CO2-Emissioen der Stromangebote sind. Jetzt haben wir nicht nur 50 Stromanbieter betrachtet, sondern wir haben uns alle Anbieter in Deutschland angeschaut.

Fehlerhafte Kennzeichnungen

Wir haben also den Strommix von insgesamt 1.171 Stromanbietern untersucht. Als erstes ist uns dabei aufgefallen: Rund 20 Prozent der Anbieter haben keine aktuelle Stromkennzeichnung auf ihrer Internetseite veröffentlicht, 7 Prozent der aktuellen waren fehlerhaft. Eigentlich müsste jeder Anbieter am 1. November eines Jahres seinen Strommix online stellen.

Versteckte Stromkennzeichnung

Wenn der Strommix dann auf der Seite hinterlegt ist, ist es oftmals schwer zu finden und meist noch unverständlich. Die Anbieter haben anscheinend kein wirkliches Interesse daran, dass ihre Kunden sich mit dem Thema genauer befassen. Das mag daran liegen, dass sich die Energieunternehmen gerne grüner machen als sie sind.

Grün dank gesetzlicher Vorgaben

Denn seit unseren letzten Recherchen hat sich nicht viel getan: Die Stromprodukte der meisten Energieanbieter enthalten deutlich mehr Kohlestrom, als in der gesetzlichen Stromkennzeichnung angegeben wird. Der Grund dafür ist das EEG: Jeder Versorger muss in seinem individuellen Strommix den Anteil von EEG-gefördertem Ökostrom mit angeben. Damit soll den Kunden vermittelt werden, welchen Anteil sie durch die Zahlung der EEG-Umlage am Ausbau der Erneuerbaren haben. Dieser Anteil stieg 2017 für viele Versorger sogar erstmalig über die 50 Prozent Marke.

Die Idee mag richtig sein, doch in der Praxis zeigen sich leider einige Schwächen. Auf den ersten Blick sieht alles sehr grün aus. Der Verbraucher hat bei der aktuellen Regelung gar keine Möglichkeit, zwischen dem tatsächlichen Stromeinkauf und dem virtuellen, rein finanziellen EEG-Anteil zu unterscheiden. Wir haben uns daher einmal die Mühe gemacht und diesen Anteil bei den mehr als 1.170 Stromanbietern rausgerechnet. Und siehe da: Der Strom ist plötzlich nicht mehr so grün.

Hinter der grünen Fassade

30 Prozent der geprüften Versorger haben in ihrem Unternehmensmix weniger als 5 Prozent Anteil an erneuerbaren Energien. Noch-RWE-Tochter Innogy weist zum Beispiel in der Unternehmens-Stromkennzeichnung einen Ökostromanteil von insgesamt 46,6 Prozent aus. Tatsächlich hat der Versorger nur 2,91 Prozent Ökostrom für die Kunden beschafft. Der Anteil an fossiler und Atom-Energie beträgt hingegen offiziell nur 53 Prozent, liegt aber faktisch bei 97 Prozent. Aber auch weitere große Anbieter tricksen so bei ihrer Stromkennzeichnung: EnBW hat einen Ökostromanteil von nur 7,01 Prozent (statt wie angegeben 56,2%), bei Eon sind es 8,45 Prozent (statt 55,6%), bei E wie einfach 17,6 Prozent (statt 61,2%).

Besonders verwirrend für Verbraucher wird es, wenn der Anbieter eigentlich nur Kohle- und Atomstrom im Portfolio hat, aber aufgrund der gesetzlichen Regelung dennoch den grünen EEG-Anteil ausweisen muss. Das trifft immerhin auf 40 Stromanbieter zu.

Überblick über den tatsächlichen Strommix

Wir fordern daher klar: Es muss auch drin sein, was draufsteht. Wir brauchen endlich eine transparente, ehrliche und leicht verständliche Stromkennzeichnung.  Wie grün Ihr eigener Stromanbieter ist, können Sie ab sofort übrigens ganz einfach auf unserer Webseite überprüfen. Sollte Ihr Anbieter nicht in der Liste sein, können Sie sich selbstverständlich gerne bei uns per Mail an presse@lichtblick.de melden.

 


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