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Mit dem Server die Wohnung heizen

Noch kann die Heizung durchaus laufen. Daher widmen wir uns heute noch einmal dem Thema Heizen: Über den Server Wohnungen heizen und dabei auch noch Hoheit über die eigenen Daten behalten? Cloud & Heat aus Dresden vereinen Regionalität, Energienutzung und Rechenleistung in einer völlig neuen Idee. Der Beitrag wird uns mit freundlicher Genehmigung vom Magazin enorm zur Verfügung gestellt.

Server werden in Privatwohnungen aufgestellt und die Wärme können die Bewohner zum Heizen nutzen, Bild: Cloud&Heat
Server werden in Privatwohnungen aufgestellt und die Wärme können die Bewohner zum Heizen nutzen, Bild: Cloud&Heat

Warme Zimmer dank Server

Im Keller eines großen Mehrfamilienhauses in der Dresdner Wallotstraße, ein kastiger Neubau mit 56 Wohneinheiten, glüht es. Die 20 Serverschränke, außen schlichtes, schwarzes Metall, arbeiten auf Hochtouren; aus ganz Deutschland greifen Unternehmen und Privatleute auf Rechen- und Speicherleistung zu, lassen Simulationen, Filmdaten oder Risikoanalysen berechnen oder legen ihre Daten in der Cloud ab. Das hat einen unerwarteten Nebeneffekt: Dass die Server im Keller arbeiten, sorgt in den Wohnungen der Genossenschaft „WG Aufbau“ für eine heiße Dusche und warme Zimmer.

Cloud & Head macht mehr aus Rechenzentren

Ein Server heizt das Wohnzimmer? Das Unternehmen, das die Rechnerschränke im Keller aufgestellt hat, heißt – selbsterklärend – Cloud & Heat. Gegründet vor fünf Jahren von dem Informatikprofessor Christoph Fetzer, der damals auf der Suche nach einer günstigen Heizung für sein gerade im Bau befindliches Eigenheim war – und in der Universität ständig in der warmen Luft des Rechenzentrums stand. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Physiker Jens Struckmeier, entwickelte Fetzer eine inzwischen patentierte Technologie: ein Rechenzentrum mit Heizwirkung. Cloud & Heat eben. Es ist nicht übertrieben zu behaupten: Das war wirklich neu.
Heute stehen weit über 100 Serverschränke von Cloud & Heat in den Kellern deutscher Privathaushalte oder Unternehmen – zusammengeschaltet zu einer Public Cloud, deren Leistungen man wie in jedem anderen Rechenzentrum kaufen kann. Aber deren Abwärme dann eben nicht ungenutzt verpufft, wie sonst überall. „Wir verbinden zwei bisher völlig getrennte Geschäftsfelder miteinander“, sagt Jens Struckmeier, 44. Der Mann hat Humor.

Niedrige Energieverbräuche

„Darf ich mal kurz einen Ausflug in die technischen Details machen?“, fragt er, „nur fürs Verständnis, Sie können das ja nachher wieder rausstreichen“. Nach eigenen Angaben unterbietet sein System den Energieverbrauch großer Rechenzentren wie Google, Apple oder Microsoft um bis zu 40 Prozent – weil deren Server nicht nur viel Strom verbrauchen, sondern auch aufwändig gekühlt werden müssen. „Im Keller der Wallotstraße kommen wir auf den weltweit niedrigsten Energieverbrauch eines Rechenzentrums“, sagt Struckmeier.

Hoheit über die eigenen Daten

Dr. Jens Struckmeier ist einer der Gründer von Cloud & Heat, Bild: Cloud&Heat
Dr. Jens Struckmeier ist einer der Gründer von Cloud & Heat, Bild: Cloud&Heat

Das ist nicht nur aus ökologischer Sicht eine feine Sache. Cloud & Heat ist auch Vorreiter eines weiteren Trends: dem Wunsch nach mehr Hoheit über die eigenen Daten. Sensible Firmendaten in der Cloud? In Amerika bei Google oder irgendwo in Alaska bei einem anderen Konzern? Für immer mehr Menschen und Unternehmen sind Server in deutschen Wohnungskellern ein besserer Aufbewahrungsort. Der internationale Netzanbieter Cisco schätzt, dass 2019 über 80 Prozent der weltweiten Speicherleistung in Clouds abgearbeitet wird. Jens Struckmeier nennt das die „Globalisierung der Daten“. Aber wo die Server stehen, auf denen ihre Daten liegen, wissen die wenigsten Nutzer. In anderen Ländern gelten andere Datenschutzbestimmungen, können Geheimdienste leichter zugreifen. Tausende Kilometer Entfernung kosten Vertrauen – und Zeit. „Gerade bei Echtzeitanwendungen wird es immer wichtiger, dass die Hardware schnell erreichbar ist“, so Struckmeier. „Autonomes Fahren, künstliche Intelligenz, die Steuerung von Maschinen in einer Industrie 4.0: Da sind möglichst kurze Antwortzeiten ganz wichtig – und der Server sollte nicht mehr als 150 Kilometer weit weg sein.“ Erst ging es also beim Essen um Regionalität, jetzt bei Rechenleistungen? Struckmeier lacht. „Ich will keine Ängste schüren“, sagt er dann. „Aber ein bewussterer Umgang mit unseren Daten wäre schon ratsam.“ Sein Blick in eine gute digitale Zukunft sieht so aus: „Vor meiner Haustür steht ein Elektroauto, gespeist von der Solaranlage auf meinem Dach. In meiner Garage steht ein Elektrospeicher und der betreibt meinen Server im Keller. Über ihn laufen alle Anwendungen, Künstliche Intelligenz und Internet der Dinge, vom Auto bis zur Küchenmaschine. Und mein Duschwasser macht er auch noch warm.“

enorm Magazin

Der Beitrag wurde uns mit freundlicher Genehmigung von enorm zur Verfügung gestellt. enorm ist das Magazin für den gesellschaftlichen Wandel. Es will Mut machen und unter dem Claim „Zukunft fängt bei Dir an“ zeigen, mit welchen kleinen Veränderungen jeder Einzelne einen Beitrag leisten kann. Dazu stellt enorm inspirierende Macher und ihre Ideen sowie Unternehmen und Projekte vor, die das Leben und Arbeiten zukunftsfähiger und nachhaltiger gestalten. Konstruktiv, intelligent und lösungsorientiert.


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