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Film-Tipp: Wackersdorf

Am Donnerstag, den 20. September 2018, kommt „Wackersdorf“ in die Kinos. Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit: In einem oberpfälzischen Ort wehrten sich in den 1980er Jahren die Bewohner gegen den Bau einer Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Kernbrennstäbe. Ein ähnlicher Plot entwickelt sich aktuell im Rheinland. Der Energiekonzern RWE will dort ab Oktober rund die Hälfte des noch bestehenden Hambacher Waldes roden, um weiter Kohle abzubauen. Die Rodung ist zwar genehmigt. Doch angesichts der aktuellen Diskussion um den Kohleausstieg ist eine Umsetzung der Maßnahme mehr als fragwürdig. Der Protest der Umweltschützer wird weitergehen!

Wackersdorf gegen Wiederaufbereitung

Nicht um Kohleabbau, sondern um den Bau einer Wiederaufbereitungsanlage ging es Anfang der 1980er Jahre in der Oberpfalz. Die bayerische Landesregierung wollte nach dem Ende der Braunkohleförderung in der Region mit der Wiederaufbereitungsanlage neue Arbeitsplätze in der Region schaffen. Der Plan war, dass jährlich etwa 500 Tonnen Atommüll in der Anlage aufbereitet werden sollten. Doch relativ schnell formiert sich Widerstand bei Anwohnern und Atomkraftgegnern. Anfangs demonstrierten einige Tausend Menschen, 1985 entstand – wie im Hambacher Wald – im Taxölderner Forst ein „Hüttendorf“ mit Gegnern des Projekts. Bei der Ostermontags-Demo 1986 und bei dem Anti-WAAhnsinns-Festival im gleichen Jahr, bei dem unter anderem Herbert Grönemeyer und die Toten Hosen spielten, kamen jeweils mehr als 100.000 Menschen zusammen.

Tschernobyl stoppt Projekt nicht

Doch die Proteste blieben nicht friedlich. Es gab massive Polizeieinsätze, bei denen auch Tränengas und Gummigeschosse zum Einsatz kamen. Und trotz aller Proteste, dem GAU von Tschernobyl im April 1986 und Unterstützung unter anderem von Seiten der Kirche und Ärzte, rückte die Landesregierung nicht von ihren Plänen ab, in Wackersdorf die Wiederaufbereitungsanlage zu bauen.

Das Ende der Pläne

Es dauerte bis 1989 bis die Pläne für den Bau der Anlage aufgegeben wurden. Am Ende war es wahrscheinlich ein Mix aus dem Widerstand in der Bevölkerung, Kostenfragen und Genehmigungsverfahren, der zum Abbruch des Vorhabens geführt haben. Ob es ohne den Protest zum Bau gekommen wäre, lässt sich wahrscheinlich nicht wirklich klären. Doch Wackersdorf zeigte, dass die Bevölkerung etwas bewegen kann – auch wenn man dafür einen langen Atem braucht.

Ausführlichere Infos zu den Protesten und dem Bauvorhaben finden Sie auch auf unserer Webseite energiewendebeschleunigen, auf der wir gemeinsam mit unserem Partner WWF alles Wichtige zum Thema Energiewende für Sie bündeln und aufbereiten.

 


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