MEINUNG & POSITION

Der WWF und G7: Sieben Forderungen

Am 7. und 8. Juni 2015 treffen sich auf Schloss Elmau in Bayern die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industrienationen der Welt, die auch heute noch für fast die Hälfte der weltweiten Wirtschaftskraft stehen. Unser Kooperationspartner der WWF engagiert sich intensiv beim G7-Gipfel. Denn auch in diesem Jahr nehmen viele Umwelt-Themen wie Meeresschutz und Klimawandel eine große Rolle ein.

Das Meer vermüllt

Plastikmüll in den Meeren hat unabsehbare Folgen für Umwelt, Menschen und Tiere, Foto: solart, pixabay
Plastikmüll in den Meeren hat unabsehbare Folgen für Umwelt, Menschen und Tiere, Foto: solart, pixabay

1. Meeresvermüllung aufhalten
Zum ersten Mal steht der Meeresschutz auf der Agenda der G7. Überfällig, denn die Vermüllung unserer Meere wird zu einem immer größeren Problem. Drei Viertel des Meeresmülls bestehen aus Kunststoff, und die weltweite Plastikproduktion steigt. Wenn wir nicht schnell handeln, könnte sich der Plastikmüll in unseren Meeren verdreifachen – schon heute fallen ihm jährlich etwa eine Million Seevögel und weitere 100.000 andere Meereslebewesen zum Opfer. Der Großteil des Plastikmülls stammt aus landseitigen Quellen, das muss gestoppt werden.
WWF-Forderung: Die G7 Staaten setzen sich für konkrete Maßnahmen und deren Finanzierung zur Verringerung der Meeresvermüllung ein – vor allem in den Bereichen Abfallvermeidung, Wiederverwertung, Entwicklung von alternativem Verpackungsmaterial und Management von Mülldeponien.

Das Meer – Erbe der Menschheit

2. Schutz der Hohen See: Das Meer, das „allen gehört“
Etwa zwei Drittel der Ozeane liegen so weit draußen, dass sie rechtlich zu keinem Küstenstaat mehr gehören. Sie sind laut UN „gemeinsames Erbe der Menschheit“. Durch ihren rechtlichen Sonderstatus sind Nutzung und Schutz dieser Meeresgebiete völlig unzureichend geregelt. Dabei nimmt die Ausbeutung der Hohen See immer mehr zu.
WWF-Forderung: Die G7 Staaten setzen sich geschlossen dafür ein, dass die Vereinten Nationen endlich ein internationales Abkommen zum Schutz der Hohen See verhandeln.

Die Tiefsee schützen

3. Regelwerk für den Tiefseebergbau
Die weltweite Jagd nach Rohstoffen macht auch vor der Tiefsee nicht halt. Zunehmend erkunden Staaten und Unternehmen den Meeresgrund in über 800 Meter Wassertiefe, um zukünftig hier Edel- oder Hochtechnologiemetalle abzubauen. Die Ökosysteme in dieser Tiefe sind fragil und noch kaum erforscht. Die Bedingungen für einen Abbau mit technischem Gerät sind schwierig und bergen viele Gefahren.
WWF-Forderung: Die G7 Staaten setzen sich für ein verbindliches Regelwerk für den Tiefseebergbau ein, das die empfindlichen Tiefseeökosysteme umfassend und effektiv schützt.

Dürre ist eine Folge des Klimawandels,Die Folgen des Klimawandels werden immer sichtbarer, Foto: PublicDomain Pixabay
Die Folgen des Klimawandels werden immer sichtbarer, Foto: PublicDomain Pixabay

Impulse beim Klimaschutz setzen

4. Wichtige Weichenstellung für den Klimaschutz
Auf der UN-Weltklimakonferenz COP 21 im Dezember in Paris soll ein neues internationales Weltklima-Abkommen beschlossen werden. Von dem G7- Gipfel können wichtige Impulse ausgehen, um die UN-Konferenz im Dezember zu einem Erfolg für den Klimaschutz zu machen. Bei der letzten deutschen G8-Präsidentschaft 2007 in Heiligendamm ist es Deutschland gelungen, das Zwei-Grad-Limit durchzusetzen.
WWF-Forderung: Die G7 Staaten einigen sich auf ein ehrgeiziges globales Langfristziel zur Verminderung der Treibhausgasemissionen bis 2050.

Energiewende vorantreiben

5. Stärkere Unterstützung und Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern
Die globale Energiewende muss schneller vorangetrieben werden. Der WWF fordert deshalb den raschen weltweiten Ausstieg aus fossilen Energieträgern und den Ausbau Erneuerbarer Energien. Vor allem die Entwicklungsländer brauchen dafür Unterstützung.
WWF-Forderung: Die G7 Staaten bringen mit konkreten Projekten und Initiativen den Ausbau erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern voran. Die Stromerzeugung aus Kohle muss schrittweise auslaufen. Die Industrieländer finanzieren Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen in den Entwicklungsländern, um deren Klimaresilienz zu stärken.

Ausbau der Erneuerbaren muss vorangetrieben werden, damit die Energiewende gelingt, Foto: PantherMedia
Ausbau der Erneuerbaren muss vorangetrieben werden, damit die Energiewende gelingt, Foto: PantherMedia

Verantwortung für Rohstoffe und Lieferketten

6. Verantwortung und Transparenz bei Rohstoffen und Lieferketten
Ein Thema, das Kanzlerin Merkel auf die Agenda des G7-Gipfels gesetzt hat, ist die Beachtung von Umwelt- und Sozialmindeststandards bei Handels- und Lieferketten – von der Rohstoffgewinnung bis zum Endkunden. Die verantwortungsvolle Nutzung der natürlichen Ressourcen ist wichtig für uns alle.
WWF-Forderung: Die G7-Staaten setzen sich in ihrer Abschlusserklärung dafür ein, dass Unternehmen die volle Verantwortung für ihre Lieferketten übernehmen und keine Rohstoffe nutzen, die Menschenrechte verletzen oder Ökosysteme zerstören. Die Herkunft der Rohstoffe und ihre Verarbeitung müssen zunehmend transparent werden.

Weichen für nachhaltige Entwicklung stellen

7. Wann, wenn nicht jetzt? „Post-Agenda 2015“ stärken
2015 ist das Jahr der Nachhaltigkeit, jetzt werden entscheidende Weichen für eine nachhaltige globale Entwicklung neu gestellt. Die Vereinten Nationen werden auf einem Gipfel im September 2015 über nachhaltige Entwicklungsziele entscheiden, die bis 2030 umgesetzt werden sollen und für alle UN-Mitgliedsstaaten gelten. Darüber wird in New York seit Anfang des Jahres verhandelt. Die G7 sollen sich hier natürlich nicht einmischen. Aber es wäre ein wichtiges Signal, wenn sie sich öffentlich zu dem gesamten auf dem Tisch liegenden Verhandlungspaket bekennen. Als vertrauensbildende Maßnahme wäre es außerdem wichtig, dass die G7-Länder erklären, ihre finanziellen Zusagen gegenüber Entwicklungsländern endlich einzulösen.
WWF-Forderung: Die G7 Staaten erklären ihre uneingeschränkte Unterstützung für die neuen nachhaltigen Entwicklungsziele der UN. Dabei legen sie besonderen Wert auf eine angemessene Gewichtung des Umweltschutzes. Sie legen gleichzeitig einen Zeitplan vor, wie sie ihre Zusage zur Entwicklungshilfe in Höhe von 0,7 % ihres Bruttosozialproduktes einlösen wollen.

Weitere Informationen und die Positionspapiere zu den einzelnen Forderungen finden Sie auf der WWF-Webseite.

Der Beitrag wurde von Stephanie Probst vom WWF erstellt und uns mit freundlicher genehmigung des WWF zur Verfügung gestellt.

 

 


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