MEINUNG & POSITION

Wollen wir in Zukunft so leben?

Sieht so die Zukunft aus?, Foto: Malstaf Shrink
Sieht so die Zukunft aus?, Foto: Malstaf Shrink

Vor einigen Tagen hat die Ausstellung „Klimakapseln. Überlebensbedingungen in der Katastrophe“ begonnen. Ich war gestern mit meiner Kollegin Nadine Bethke im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, um mir mit ihr die Ausstellung anzusehen.  Architekten, Künstler und Designer konstruieren hier eine Welt in die der Klimawandel schon Einzug erhalten hat. In dieser Situation kann nur noch nach Anpassungsstrategien für ein Überleben gesucht werden.

Zwei Kunstpalmen in einer begehbaren Blase

Was der Begriff „Klimakapsel“ schon deutlich macht: die Außenwelt ist in dieser konstruierten Welt feindlich geworden und der Mensch muss sich von ihr abschirmen. Der Performancekünstler Laurence Malstaf schweißt sich zu diesem Zweck zum Beispiel wie ein Stück Schinken in eine Folie ein.

Der Architekt Haus- Rucker-Co wählt einen anderen Ansatz. Eine von ihm entworfene Utopiekapsel schirmt den Besucher von der Umwelt ab und führt ihn in eine eigene Phantasiewelt. Die Kapsel, eine große begehbare Blase aus transparenter PVC-Folie, ist in zehn Meter Höhe am Gebäude des Museums angebracht. Die Blase schirmt den Besucher, sowie zwei Kunstpalmen zwischen denen  eine Hängematte gespannt ist, von der Außenwelt ab.

Die Künstlerin Lucy Orga hingegen bietet dem Besucher eine pragmatische Lösung aus Behausung und Bekleidung an. Ein Zelt stellt eine einfache Behausung da. Das Besondere: auf dem Dach des Zeltes befindet sich eine Öffnung und eine Kapuze. Auf diese Weise kann das Zelt auch als Schutzanzug verwendet werden.

Abgeschirmt vom Klima

Die Klimakapsel als Zufluchtsort, Foto: Orta Habitent
Die Klimakapsel als Zufluchtsort, Foto: Orta Habitent

Sämtliche Designentwürfe beschäftigen sich mit der Frage „Wie können wir uns von den klimatischen Außenbedingungen unabhängig machen? “ Diese Frage wirft eine weitere auf: „Wollen wir so wirklich in der Zukunft leben?“ Die erste Frage versucht „Klimakapseln“  – häufig mit einem Augenzwinkern – zu beantworten. Leider gibt die Ausstellung dem Besucher nur an wenigen Stellen die Möglichkeit die Wahrnehmungs- und Naturkapseln, die Wohnkapseln und flexiblen Schutzräume zu begehen und damit selbst zu erfahren.
Auf die Frage „Wollen wir in Zukunft so leben“ antwortet „Klimakapseln“ bewusst nicht, sondern überlässt es dem Besucher dies für sich selbst zu entscheiden und danach zu handeln.

Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Haben Sie die Ausstellung schon besucht? Falls ja, wie hat sie Ihnen gefallen? Und finden Sie es richtig sich auf diese Weise mit dem Klimawandel auseinanderzusetzen?


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1 Kommentar

  • Michael Hartmann sagt:

    Wer schon mal ein paar Katastrophenfilme geschaut hat, wo z. B. eine Seuche fast die komplette Menschheit ausgelöscht hat und die letzten Überlebenden wegen den durch die Luft übertragenen Viren nur in Schutzanzügen rumlaufen, wird hier wohl eine Ähnlichkeit feststellen.

    Ich finde solche Filme zwar spannend, hätte aber absolut keine Lust mit den Leute im Film zu tauschen. Das geht ja schon los mit: Wo bekomme ich saubere Nahrung sowie Luft her?

    Aber ich glaube der Tag, wo gereinigte Luft in Dosen verkauft wird, wird noch kommen. Zumindest in großen Industrieländern 🙁


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