MEINUNG & POSITION

Weniger Solar, mehr Kohle?

Solaranlagen sollen weniger subventioniert werden, Foto: PantherMedia
Solaranlagen sollen weniger subventioniert werden, Foto: PantherMedia

Umweltminister Röttgen und Wirtschaftsminster Rösler haben sich in der vergangenen Woche auf weitere Kürzungen bei der Solarförderung geeinigt. Um bis zu 30 Prozent sinken die Vergütungssätze zum 9. März – von der kleinen Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach bis zu Großmodulen auf dem Acker. Die Reaktionen könnten unterschiedlicher kaum sein. Der Bundesverband Solarwirtschaft kritisiert die Kürzung als „Solar-Ausstiegsgesetz“ und sieht zehntausende Arbeitsplätze gefährdet, die Deutsche Umwelthilfe kritisiert die Konzeptlosigkeit der Regierung und spricht gar von einer „Energiewende rückwärts“, während Spiegel Online die Förderkürzungen noch als zu gering beurteilt.

Nutznießer der Solar-Bremse sind die großen Konzerne

Nutznießer der Solar-Bremse werden wohl die großen Energiekonzerne sein. Sie haben den Einstieg in die erneuerbaren Energien im letzten Jahrzehnt weitgehend verpasst – eine „historische Fehleinschätzung“, wie das Manager Magazin schreibt. Nun müssen die Konzerne die Abschaltung ihrer AKWs verkraften und sitzen zudem auf vermeintlich unrentablen Kohlekraftwerks-Projekten. Denn Solar- und auch Windstrom verdrängen immer öfter konventionelle Kraftwerke.

Das Manager Magazin analysiert: „Da kommt die drastische Förderkürzung für Solarstrom vielleicht gerade noch rechtzeitig. Sie wird den Zubau von Fotovoltaikanlagen wohl deutlich begrenzen. Das verschafft den Versorgern etwas Luft bei ihrem verzweifelten Versuch, nach dem Atomausstieg ihren Platz in der neuen deutschen Energiewelt zu finden.“

Solarstrom verdrängt schon heute bis zu 20 Großkraftwerke

Fakt ist: Der Solarboom gefährdet die Wirtschaftlichkeit konventioneller Kraftwerke, denn er drückt die Strompreise. In sonnigen Stunden verdrängen die bisher installierten 25.000 Megawatt Solar rund 15-20 konventionelle Kraftwerke.

Wir haben im LichtBlickBlog schon an anderer Stelle davon berichtet, dass sich die großen Energiekonzerne offenbar vom Schock des Atomausstiegs erholt haben. Man kann auch die drastische Kürzung der Solarförderung als ein Signal für diesen Trend lesen.


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2 Kommentare

  • Michael sagt:

    Wen die Kürzungen der Solarförderungen noch ärgert, sollte bei dem Appell von Campact mitmachen:
    http://blog.campact.de/2012/02/solarenergie-kahlschlag-stoppen/
    Es genügt die Eingabe von Name, Adresse und Mailadresse. Schon ist man in Schriftform mit am „protestieren“. Die Angaben sind nötig, um zu beweisen, dass hinter jedem Protest auch ein Mensch steckt.

    Ich hab da schon öfter mitgemacht. Reklame gibt’s da nicht, solange man den Newsletter nicht abonniert. Und Infos über laufende Sachen gibt’s, wie auch bei Lichtblick, per RSS-Feed.



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