MEINUNG & POSITION

Weltklimarat – es bleibt nicht mehr viel Zeit

Die Proteste und Aktionen rund um den Hambacher Wald zeigen, dass sich viele Menschen in Deutschland aktiv mit dem Thema Kohleausstieg beschäftigen. Was können Sie selbst machen, wie können Sie ein Zeichen setzen? Viele wollen nicht mehr abwarten, bis sich die Regierung bewegt, sondern ergreifen zum Schutz des Klimas selbst die Initiative. Wie wichtig Handeln jetzt ist, zeigt der aktuelle Sonderbericht des Weltklimarats IPCC.

Der Weltklimarat IPCC macht Hoffnung, dass das 1,5 Grad-Ziel noch erreicht werden kann. Doch wir müssen jetzt handeln, Foto: PantherMedia
Der Weltklimarat IPCC macht Hoffnung, dass das 1,5 Grad-Ziel noch erreicht werden kann. Doch wir müssen jetzt handeln, Foto: PantherMedia

Weltklimarat sicher: 1,5 Grad-Ziel ist machbar

Am 8. Oktober hat der Weltklimarat einen Bericht zum Erreichen des 1,5 Grad-Ziels veröffentlicht. Und: Wir könnten das Ziel tatsächlich noch erreichen – doch es sind enorme Anstrengungen jetzt und sofort notwendig. Die Maßnahmen müssten in allen Bereichen umgesetzt werden. Das betrifft die Energie, die Industrie, den Verkehrs- und Gebäudesektor sowie die Stadtplanung und Landnutzung.

Wie soll das Klimaziel erreicht werden?

Doch es betrifft nicht nur alle Bereiche, sondern die Maßnahmen müssen auch schnell umgesetzt werden. Bis 2030 müsste der weltweite Treibhausgas-Ausstoß im Grunde halbiert werden. Sie müssen um rund 45 Prozent gegenüber dem Level von 2010 sinken, um dann 2050 – so wie im Paris-Abkommen vereinbart – bei „netto null“ zu liegen. Das bedeutet: Nicht-vermeidbare Emissionen, zum Beispiel aus der Landwirtschaft, würden dann durch CO2-Entfernung aus der Atmosphäre wieder ausgeglichen.

Warum ist das 1,5 Grad-Ziel so wichtig?

Die Ziele sind ambitioniert und verlangen von allen echte Anstrengungen. Gerade Deutschland hebt sich seit einigen Jahren nicht mehr als Klimaschützer hervor. Als die Klimaziele 2020 in nicht erreichbare Ferne rückten, wurden sie auf 2030 verschoben. Das Problem ist nur: Wir haben keine Zeit mehr, um die Klimaziele immer und immer wieder zu verschieben, statt ernsthaft daran zu arbeiten sie zu erreichen. Der Weltklimarat hebt hervor, dass jedes zusätzliche bisschen Erwärmung Auswirkungen hat. Eine Erwärmung um 1,5 Grad oder mehr bringt das Risiko von lang anhaltenden oder irreversiblen Veränderungen, wie dem Verlust einiger Ökosysteme. Übrigens: Seit Beginn der Industrialisierung vor mehr als 150 Jahren ist die Temperatur auf der Erde bereit um ca. 1 Grad gestiegen.

Der kleine Unterschied von 0,5 Grad

Ob nun 1,5, Grad oder 2 Grad Erderwärmung ist doch egal, oder?, Foto: PantherMedia
Ob nun 1,5 Grad oder 2 Grad Erderwärmung ist doch egal, oder?, Foto: PantherMedia

Ob die Temperaturen nun um 1,5 Grad oder 2 Grad steigen, mag auf den ersten Blick keinen so großen Unterschied machen – bei einem 2-Grad-Ziel hätten wir noch etwas mehr Zeit. Doch der Weltklimarat zeigt, dass es sehr wohl einen Unterschied macht.

Bei 1,5 Grad Erderwärmung würde der Meeresspiegel-Anstieg geringer ausfallen, ein Teil des Eises am Nordpol könnte erhalten bleiben. Auch die Versauerung der Ozeane würde geringer ausfallen, ebenso die Abnahme ihres Sauerstoffgehalts.

Für uns Menschen heißt das, dass durch den niedrigeren Meeresspiegel-Anstieg weltweit bis zu zehn Millionen Küstenbewohner weniger von Landverlust oder höhere Sturmfluten betroffen wären. Bei einer geringeren Erwärmung könnten sich Menschen, Tiere, Pflanzen sowie den Ökosystemen laut IPCC zudem besser an den Klimawandel anpassen.

Der IPCC-Bericht macht die Hoffnung, dass das 1,5 Grad-Ziel noch zu erreichen ist. Doch unter den Klima-Wissenschaftlern gibt es unterschiedliche Meinungen, ob das Ziel wirklich – auch bei den allergrößten Anstrengungen – noch möglich ist. Eine gute Übersicht und ausführliche Zusammenfassung zu dem Thema finden Sie bei klimareport.de.


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