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Weiteres Milliarden-Geschenk für die Herren der Stromnetze

Die Herren der Stromnetze freuen sich über Geld-Geschenke, Foto: PantherMedia
Die Herren der Stromnetze freuen sich über Geld-Geschenke, Foto: PantherMedia

Die Stromnetze sind ein „natürliches“ Monopol. Niemand käme auf die Idee, neben den vorhandenen Stromtrassen ein weiteres, paralleles Netz aufzubauen. Damit alle Energieanbieter die Netze zur Durchleitung ihres Stromes an ihre Kunden nutzen können und damit die Netzinhaber ihre Monopolstellung nicht ausnutzen, werden sie von einer Behörde – der Bundesnetzagentur – kontrolliert.

Betreiber der Stromnetze sichern sich Milliardenplus

Doch immer wieder gelingt es den Herren der Stromnetze, ihre Interessen auf Kosten des Wettbewerbs und der Verbraucher durchzusetzen. Jetzt haben sie sich erneut ein Milliardenplus gesichert. Verbraucherschützer und neue Energieanbieter wie LichtBlick kritisieren das scharf.

Was ist passiert? Die Bundesnetzagentur hat den Netzbetreibern am Donnerstag besonders hohe Renditen für ihre Netze genehmigt. Verbraucherschützer und der Bundesverband Neuer Energieanbieter (bne) hatten im Vorfeld gefordert, den sogenannten „Eigenkapitalzinssatz“ auf rund 7,5 Prozent zu begrenzen. Die Netzbehörde hat jetzt über 9 Prozent genehmigt. Diese Entscheidung kostet die Verbraucher nach ersten Schätzungen über drei Milliarden Euro.

Drei Milliarden Mehrbelastung für die Verbraucher

„Es ist unerträglich, mit welcher Dreistigkeit die Netzbetreiber ihre Rendite auf Kosten von Netznutzern und Verbrauchern erhöhen wollen. Wir sind enttäuscht darüber, dass die Behörde vor den Netzbetreibern eingeknickt ist“, kritisiert bne-Geschäftsführer Robert Busch.

Damit die Kosten der Energiewende nicht weiter unnötig steigen und damit deren Akzeptanz gefährden, sind umfangreiche Reformen erforderlich, forderte Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Krawinkel will die Verbraucher an den Entscheidungen der Netzagentur beteiligen: „Es geht nicht an, dass am Ende die Netzagentur allein mit den Netzbetreibern verhandelt, aber diejenigen, die das Ergebnis bezahlen müssen, außen vor bleiben.“

Verbraucherschützer fordern Beteiligung

Und es droht weiteres Ungemach für die Verbraucher. Handwerkliche Fehler des Gesetzgebers und ein Urteil des Bundesgerichtshofes haben zu einer Regelungslücke in den Vorschriften für die Stromtransportkosten („Anreizregulierungsverordnung“) geführt. Diese Lücke nutzen die Netzgebetreiber nun aus. Die mangelnde Regulierung erlaubt es den Herren der Stromnetze, die Gebühren 2012 noch einmal deutlich anzuheben. „Das Bundeswirtschaftsministerium ist jetzt dringend aufgerufen, diese Lücke zügig und definitiv zu schließen“, fordert bne-Geschäftsführer Robert Busch.


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7 Kommentare

  • Yvonne Leue sagt:

    Also, beschweren kann man sich hier direkt, falls jemand aktiv werden möchte:

    Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen

    Sitz Bonn:
    Tulpenfeld 4, 53113 Bonn
    Postfach 80 01, 53105 Bonn
    Fon 0228 – 14 0
    Fax 0228 – 14 8872
    E-Mail: info@bnetza.de


  • Yvonne Leue sagt:

    Ich fänd ja einen Link prima, unter dem man sich gleich bei der Verbraucherschutzzentrale beschweren kann. Die Wellen sind ja hoch genug!

    Der Lobbyismus in unserem Land …. pfui Spinne!


  • Helga Leohold sagt:

    Viel schlimmer noch finde ich, dass diese Mehreinnahmen nicht für die Netzbetreiber gedacht sind, sondern ursprünglich den Großverbrauchern, inzwischen aber unkontrolliert (Korruption) den Global-Playern unter den Konzernen in den Hintern geschoben werden. Diese freuen sich sehr, hatten sie doch mit solchen Signalen gar nicht gerechnet. (ARD Monitor v. 27.10.11)

    Wir, also alle Privathaushalte, alle kleinen und mittleren Unternehmen, subventionieren mit unserem Geld die Konzerne, die uns nachher aufkaufen, bzw. anderweitig strangulieren.

    Herzlichen Dank dafür, Schwarz-gelb!


  • Ralph Kampwirth sagt:

    Hallo Thomas, ich denke, man muss fairerweise sagen, dass die Gewinne der Netzbetreiber noch sehr viel höher wären, gäbe es keine staatliche Regulierung. Das Glas ist ist also – je nach Betrachtung – halbvoll oder halbleer. Aber LichtBlick, der Bundesverband der Verbraucherzentralen und der Verband Neuer Energieanbieter arbeiten intensiv für faire Stromtransportkosten. Wir haben schon viel erreicht – aber eben noch nicht alles, weil die Lobby der Netzbetreiber sehr stark ist.


  • thomas sagt:

    danke, aber was können wir tun ?, wie bringen wir die politik dazu, das sie auf uns hören ? mit wahlen hat es ja nichts zu tun, denn wenns ums geld geht, belügen uns alle. wie radikal muß der verbraucher erst werden, damit er erhört wird ?


  • Ralph Kampwirth sagt:

    Hallo Thomas,
    wenn die Politik nicht einlenkt, werden die Strompreise in Deutschland bei allen Anbietern weiter steigen. LichtBlick plant zum Jahreswechsel erst einmal keine Preiserhöhung.


  • thomas sagt:

    moin moin,
    was heißt das für mich als endverbraucher und kunde von lichtblick ? zahlen wäre nett, damit ich weiß, was auf mich zukommt. leider müssen wir ja alle mit jedem euro rechnen und das gehalt steigt nicht so, wie die preise.


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