MEINUNG & POSITION

Was hindert Frauen am Wechsel zu Ökostrom?

Gastbeitrag von Ulrike Röhr, genanet (Gender, Umwelt, Nachhaltigkeit) Life e.V.

Ulrike Röhr von genanet geht der Frage nach, warum nur wenige Frauen Ökostrom wählen, Foto: genanet Life e.V
Ulrike Röhr von genanet geht der Frage nach, warum nur wenige Frauen Ökostrom wählen, Foto: genanet Life e.V

Bevölkerungsbefragungen weisen beständig darauf hin, dass deutlich mehr Frauen als Männer eine entschiedene Klimaschutzpolitik befürworten und die Atomenergie stärker ablehnen. Bei ihren Konsumentscheidungen spielen Kriterien der Ethik und Fairness eine entscheidende Rolle. Diese Daten suggerieren, dass Frauen prädestiniert sind für den Bezug von Ökostrom.

Frauen leben nachhaltig, wechseln aber selten zu Ökostrom

Die Realität sieht aber anders aus, stehen dem Wechsel doch zahlreiche Hindernisse entgegen. Dazu gehören die schwierige Bewertung der Ökostromangebote aufgrund der Vielzahl der Ökostromtarife, Unkenntnis oder Verwirrung über die verschiedenen Labels, die fehlende Gendersensibilität der Informationen und Kommunikation. Oder der vermeintlich höhere Preis für Ökostrom, der aufgrund des Gender Pay Gaps Frauen härter trifft. Aber auch die immer noch aktuelle Situation, dass Energie, und vor allem Elektrizität, ein männlich besetztes Thema ist. Das schlägt sich auch in der häuslichen Arbeitsteilung nieder und wirkt auch beim Stromanbieterwechsel.

Gründe für die Erledigungsbockade

Vor diesem Hintergrund hat ein vom Bundesumweltministerium gefördertes Forschungsvorhaben die Motive und Hemmnisse von Frauen beim Wechsel zu Ökostrom sowie die Entscheidungsprozesse in Paar-Haushalten ermittelt. Bequemlichkeit bzw. der Informationsaufwand sind die wichtigsten Hemmnisse für Frauen (und Männer) beim Wechsel zu Ökostrom. Zeitknappheit spielt eine besonders große Rolle bei den mit Haushalt, Familie und Beruf mehrfachbelasteten Frauen. Die Unübersichtlichkeit des Strommarktes und fehlende Signale oder Erinnerungen an den Wechsel tragen zu der „Erledigungsblockade“ bei. Kosten, dies war eines der erstaunlichen Ergebnisse, spielen zwar eine Rolle, stellen aber für Frauen deutlich weniger als für Männer ein Hindernis beim Wechsel dar. Sie überlegen dann eher, wie sie das Geld woanders einsparen können

Frauen vertrauen auf persönliche Empfehlungen

Eine weitere Erkenntnis ist, dass Frauen deutlich stärker auf Informationen und Erfahrungen vertrauen, die sie von FreundInnen oder KollegInnen übermittelt bekommen, als auf schriftliche Materialien. Deshalb wurden Promotorinnen ausgebildet und dazu ermutigt ihr Wissen weiterzutragen. Diese Wissensweitergabe kann etwa im Rahmen von Vereins- oder Verbandsaktivitäten stattfinden, bei privaten Treffen in kleinem Rahmen zu Hause, oder am Arbeitsplatz. Mit dieser direkten Ansprache von weiteren Wechselwilligen wird ein Schneeballsystem angestoßen, dass stetig größere Kreise zieht. Das Aufgabenheft „10 Schritte zum guten Gewissen“, das als Begleitmaterial für die Promotorinnen entwickelt wurde, regt die Empfängerinnen zum Stromsparen und zum Wechsel zu Ökostrom an und dazu, selbst wiederum als Multiplikatorin aktiv zu werden.

Die Trainings haben ihren Effekt nicht nur beim Ökostromwechsel selbst, sondern auch in einer größeren Kompetenz der beteiligten Frauen im Bereich der Elektrizitätswirtschaft und der erneuerbaren Energien und tragen damit zu mehr Geschlechtergerechtigkeit bei einem der wichtigsten gesellschaftlichen Themen bei. Das ist dringend erforderlich, wenn die Energiewende von einer breiten Basis in der Bevölkerung getragen und vorangetrieben werden soll.


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