MEINUNG & POSITION

Warum taten wir nichts, als noch Zeit war?

Diese Woche war ich bei der Deutschlandpremiere des Films „The Age of Stupid“. Möchte man den Film der Filmemacherin Frazzy Armstrong in einem Satz erläutern, dann geht es hier um die Auswirkungen des Klimawandels und die Frage, warum wir nichts tun, solange noch die Zeit dafür ist.

 2055 – Die Erde ist verseucht

Der Film, der auf einer vier Jahre andauernden Recherche basiert, ist eine Mischung aus Fiktion und Dokumentarfilm.

Die Fiktion: Pete Postlethwaite, der britische Schauspieler mit dem zerfurchten Gesicht, der in Filmen wie „Der ewige Gärtner“ und „Im Namen des Vaters“ mitspielte, mimt hier den einzigen Überlebenden auf der verseuchten Erde im Jahr 2055. Er befindet sich in einem Großarchiv, indem Bruchstücke der zerstörten Welt eingeschlossen sind. Dazu gehört altes Filmmaterial, das er dem Zuschauer zeigt und ihn so in seine Vergangenheit (und unsere Gegenwart) blicken lässt.

Katrina, Shell und der Kampf um einen Windpark

Das Filmmaterial setzt sich aus Nachrichten über Umweltkatastrophen wie Dürreperioden, Überschwemmungen, Tornados und schmelzende Gletscher zusammen. Sie werden kombiniert mit sechs wahren Lebensgeschichten aus unserer Gegenwart, anhand derer erklärt werden soll, warum wir unseren Lebensraum – trotz eindringlicher Warnungen der Wissenschaft – nicht bewahren konnten. So wird ein junger Inder interviewt, der eine Billigairline aufbaut, eine junge nigerianische Studentin, in deren Dorf Shell nach Öl bohrt und dadurch das Trinkwasser verseucht. Es kommt ein britischer Familienvater zu Wort, der gegen sein komplettes Dorf für einen Windpark kämpft und ein amerikanischer Shellmitarbeiter, dessen Kleinstadt durch den Tornado Katrina komplett zerstört wurde.

Fossile Rohstoffe bilden neben der Frage danach, warum wir zögern unseren Lebensraum zu schützen, den roten Faden des Films. Denn sie treiben die Billigflieger des indischen Unternehmers an, genauso wie sie zur Verschmutzung des Trinkwassers im Niger Delta führen. Die Verbrennung fossiler Rohstoffe belastet das Klima und ist eine der Ursachen für die Umweltkatastrophe Katrina. Und die Verbindung zwischen fossilen Energieträgern und Klimawandel sind für den britischen Windpark-Entwickler der Antrieb dafür sich für den Ausbau erneuerbarer Energien einzusetzen.

Aufruf zum Handeln

„The Age of Stupid“ möchte dem Zuschauer verdeutlichen, wohin sein Handeln führen kann. Darüber hinaus zeigt er deutlich die Auswirkungen des Klimwandels und des Kampfes um Rohstoffe auf die Lebensumstände von Menschen auf.  Der Film, das spürt man deutlich, möchte den Zuschauer zum Handeln aufrufen. Und hier liegt womöglich auch seine Schwäche. Meiner Meinung nach rutscht der Film in einigen Szenen ins Populistische. In diesen Szenen steht nicht die Aufklärung, sondern die Emotionalisierung des Zuschauers im Mittelpunkt. Hier dominieren dramatische Musik und Kamerafahrten, schneller Filmschnitt und Abblenden über die Inhalte.

Was halten Sie von dem Film „The Age of Stupid“? Und leben wir Ihrer Ansicht nach tatsächlich im „Zeitalter der Dummheit“  oder haben wir dieses vielleicht doch schon überwunden?

Die globale Klimakampagne 10:10

Aus dem Film „The Age of Stupid“ ist eine globale Klimakampagne entstanden: 10:10 ! Das Ziel der Kampagne ist ein Umdenken in alltäglichen Klimafragen einzuleiten. 10:10 hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, in Kooperation mit anderen Umweltverbänden dafür zu sorgen, dass unsere Gesellschaft innerhalb von einem Jahr zehn Prozent Co2 einspart.

 


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