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Trotz Atom-Aus: Strom im Überfluss

LichtBlick-Aktion gegen Atomkraft. Der Atomstrom wird nicht mehr benötigt, Foto: LichtBlick
LichtBlick-Aktion gegen Atomkraft. Der Atomstrom wird nicht mehr benötigt, Foto: LichtBlick

Die Horrorszenarien der Atomlobby vom möglichen Blackout nach dem Atomausstieg werden nicht eintreffen. Denn auch nach dem Aus für die ersten acht der 17 deutschen Atomkraftwerke erzeugt Deutschland mehr Strom, als es verbraucht. Dies geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Demnach hat Deutschland im ersten Halbjahr 2011 vier Milliarden Kilowattstunden Strom zuviel produziert. Das entspricht dem jährlichen Verbrauch von rund 1,4 Millionen Haushalten.

Atom-Aus und keiner merkt´s

Nach Angaben der Behörde hat Deutschland in den ersten sechs Monaten dieses Jahres zwar 23,9 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Europa eingeführt. Gleichzeitig wurden aber 27,9 Milliarden Kilowattstunden in das europäische Stromnetz eingespeist.

Im Saldo bleibt ein Handelsüberschuss von vier Milliarden Kilowattstunden. Das ist zwar weniger als im Vorjahreszeitraum. Damals waren es noch 10,9 Milliarden Kilowattstunden. Aber eben doch ein deutlicher Überschuss.

Die „Stromlücke“ ist nur ein Märchen

Die größten Strommengen wurden im ersten Halbjahr aus den beiden Nachbarländern Frankreich und der Tschechischen Republik eingespeist. Die beiden wichtigsten Abnehmer für Strom aus Deutschland waren Österreich und die Schweiz. Der „Grenzverkehr“ mit Strom gehört im europäischen Strommmarkt längst zum Tagesgeschäft und wird mit dem Ausbau der Stromnetze weiter zunehmen.

Einmal mehr wird das Märchen von der drohenden „Stromlücke“ widerlegt. Deutschland kann das Atom-Aus und die Energiewende ohne Blackouts aus eigener Kraft stemmen.


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5 Kommentare

  • Christoph Böck sagt:

    Klasse Euer Engangement!
    Wenn ich da die Horrormeldungen lese von drohenden Stromausfällen.
    Wichtig ist jetzt ein ganz klares nach vorne schreiten.Ich werde Euch dabei unterstützen.Auch die Schwarmstromidee!.
    Wasserstoff Brennstoffzellen gehören auch in Angriff genommen in Pilotprojekten, damit sich auch andere trauen.


  • Energieberatung Bremen sagt:

    Ein interessanter und motivierender Artikel, vielen Dank dafür. Eine Tatsache, über die offenbar noch zu wenig Menschen Bescheid wissen, da ich genau dieses „Märchen“-Argument erst neulich wieder von einem Bekannten vorgesetzt bekam.
    Wir haben uns in unserem Blog auch vor kurzem mit diesem Thema beschäftigt und würden uns über eine Verlinkung freuen.

    Beste Grüße aus Bremen sendet die Bremer Energieberatung enerpremium


  • Michael Hartmann sagt:

    In Langenfeld war gestern der Tag vom Elektroantieb. Auf einem zentralen Parkplatz wurden Segways, Elektroroller und Elektroautos gezeigt. Sogar eine öffentliche Ladestation für 2 Autos wurde jetzt fest installiert.

    Als ich aber schon von weitem sah, dass das ganze vom RWE gesponsert war, musste ich doch schmunzeln. Ich glaube aber die sind noch vertrauenswürdiger als die EON, die jetzt zig Leute vor die Tür setzen wollen, bloß weil sie Atomkraftwerke abschalten müssen. Da sieht man mal was die Hauptstromquelle von EON ist, auch wenn die beim Edersee groß Reklame fürs dortige umweltfreundliche Wasserkraftwerk machen. Vermutlich nur ein Vorzeigekraftwerk.

    Ich glaube aber die Elektroautos werden ewig ein Ladenhüter bleiben, solange man für’s Aufladen mehr Zeit braucht als zum Tanken. Und dann wäre da ja auch noch der Preis.

    Ich habe den Vertreter dort mal angesprochen wegen Kombination von Elektroauto, Tankstelle und Getränkemarkt: Das Elektroauto sagt, bald leer. Fahrer fährt zur nächsten Tanke, baut mit ein paar Handgriffen den Akku aus, tauscht ihn beim Tankwart gegen einen frisch und voll aufgeladenen aus, zahlt den Differenzbetrag, setzt den neuen Akku ein und fährt weiter. (Wie bei Getränkekästen.) Dauer ca. wie beim Tanken.

    Wurde aber von den Vertretern als nicht machbar abgelehnt, weil jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht und ohne Standard müssten die Tanken riesige Lager mit zig Akkus auf Reserve halten. Aber ich glaube anders wird da nix draus.

    Btw: Die Segways sind aber ganz nett mal auszuprobieren, auch wenn die auf den ersten Blick an Renter-Rolator Second Edition erinnern. Nur Kaufen für 8000 Euro is zu viel. Gibt es aber zum Spaß auch zu mieten.


  • Ralph Kampwirth sagt:

    Die Stromversorgung in Deutschland ist sicher – auch im Winter. Das gesamte Stromsystem ist ja so ausgelegt, dass es auch bei Spitzenlasten funktioniert; inklusive Reserven. In einem zunehmend vernetzteren europäischen Stromnetz werden Stromimporte und -exporte wohl eher zunehmen. Gerade der Ausbau der erneuerbaren Energien macht es erforderlich, dass wir unser Stromsystem europäisieren. So ist es denkbar und wünschenswert, dass z.B. überschüssiger deutscher Windstrom in Zukunft in norwegischen Pumpspeicherkraftwerken zwischengespeichert und später – bei Bedarf – wieder nach Deutschland zurückgeleitet werden kann. Exporte und Importe sind also ganz normaler Stromalltag.


  • Lacarian sagt:

    Das klingt gut! Ich bin froh, dass das Märchen vom Blackout ohne Atomstrom ad absurdum geführt wurde. Wie schätzen Sie denn die Handelsbilanz für die Wintermonate ein? Und wie „schlimm“ ist es, wenn wir mehr Strom importieren müssen?


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