MEINUNG & POSITION

Steigende Netzentgelte belasten Stromkunden

Jedes Jahr im Herbst werden die verschiedenen Umlagen, Entgelte und Abgaben bekannt, die neben den Beschaffungskosten Einfluss auf den Strompreis für das kommende Jahr haben. Am 14. Oktober wurde die EEG-Umlage bekannt gegeben – sie wird nächstes Jahr auf 6,88 Cent steigen. Mitte Oktober verkünden die Netzbetreiber auch immer ihre Netzentgelte. Diese sind deutschlandweit nicht einheitlich gestaltet, sondern schwanken von Region zu Region mitunter sehr stark.

Die Netzentgelte kennen momentan nur eine Richtung - nach oben, Grafik: LichtBlick
Die Netzentgelte kennen momentan nur eine Richtung – nach oben, Grafik: LichtBlick

Netzentgelte steigen um 10 Prozent

LichtBlick hat sich die Netzentgelte 2017 bei den größten Netzbetreibern angeschaut. Und: Zum Jahreswechsel steigen die Gebühren für den Stromtransport um rund 10 Prozent. Einem Durchschnittshaushalt entstehen so Mehrkosten von 23 Euro netto im Jahr. Damit steigen die Leitungsgebühren für die Verbraucher erneut und auch deutlich stärker als die EEG-Umlage.

273 Euro mehr

Nach der LichtBlick-Analyse erhöhen 20 der 25 untersuchten Netzbetreiber zum 1. Januar 2017 ihre Gebühren. Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden zahlt im nächsten Jahr 273 Euro netto für Netzgebühren – hinzu kommt die Mehrwertsteuer. Die Netzentgelte machen mehr als ein Viertel des Strompreises aus und sind damit der größte Kostenblock auf der Rechnung der Verbraucher.

Regionale Unterschiede

Besonders betroffen sind Haushalte in Bayern, Norddeutschland, im Rhein-Main-Gebiet und im Osten der Republik. Die E.ON-Gesellschaften Bayernwerk (plus 65 Euro bzw. 29 Prozent), E.DIS (plus 66 Euro bzw. 19 Prozent) und Avacon (plus 48 Euro bzw. 19 Prozent) zählen zur Spitzengruppe der neuerlichen Preisrunde. Weiterhin greifen die Netzdienste Rhein-Main mit plus 53 Euro (24 Prozent) die Stadtwerke Kiel mit plus 45 Euro (21 Prozent) sowie die EWE Netzgesellschaft mit plus 28 Euro (19 Prozent) den Stromkunden tiefer in die Tasche.
Auch in den Metropolen ziehen die Gebühren deutlich an. Stromnetz Hamburg verlangt einen Aufschlag von 18 Euro (8 Prozent), in Berlin sind es sogar 27 Euro (14 Prozent) mehr.

Mehr Erneuerbare daher steigen die Netzentgelte? - Ganz so einfach ist das nicht, Foto: Fotolia
Mehr Erneuerbare daher steigen die Netzentgelte? – Ganz so einfach ist das nicht, Foto: Fotolia

Ist die Energiewende schuld?

Die hohen Entgelte sind übrigens nicht allein durch den Netzausbau und die Energiewende zu erklären. Mit der Energiewende als gutes Argument im Rücken drehen die Netzbetreiber seit Jahren kräftig an der Preisschraube. Die Bundesnetzagentur und die Regulierungsbehörden der Länder üben ihre Kontrollfunktion nicht konsequent aus und garantieren den Betreibern überhöhte Gewinne. Denn die Netzentgelte werden von den Behörden immer geprüft und genehmigt. Mit einem Veto könnten sie einem Anstieg den Riegel vorschieben.

Erfolgreicher Konzernumbau dank Netzen

Wie wichtig die Renditen aus dem Netzbetrieb für die Konzerne sind, zeigen der Börsengang von Innogy und ein Blick auf die Konzernergebnisse von RWE und E.ON. Bei E.ON tragen die Netze rund die Hälfte zum gesamten Konzernergebnis bei, bei der RWE-Tochter Innogy sind es sogar zwei Drittel. Für uns ist damit klar: Hohe Netzentgelte mit staatlich garantierten Traumrenditen finanzieren den teuren Umbau der angeschlagenen Konzerne.


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