MEINUNG & POSITION

re:publica 2018: Klima-Fakten statt Klima-Fakes

„Ist doch schön für die Zugvögel, wenn die ab jetzt hierbleiben können“ oder „Sturmfluten sind an der Nordsee völlig normal.“ Wir von LichtBlick und WWF haben die Besucherinnen und Besucher der Digital-Konferenz re:publica mit ein paar provokanten Thesen zum Klimawandel konfrontiert. Denn sie begegnen uns immer wieder: Falschmeldungen, Lügen oder „Fake News“ rund um die Themen Erderhitzung und menschengemachter Klimawandel. Aus diesem Grund haben wir unseren gemeinsamen Auftritt auf der re:publica 2018 Anfang Mai unter das Motto „Fakt statt Fake“ gestellt.

Klima-Fakt oder Klima-Fake - LichtBlick und WWF prüften auf der re:publica das Wissen der Besucher, Bild: LichtBlick/WWF
Klima-Fakt oder Klima-Fake – LichtBlick und WWF prüften auf der re:publica das Wissen der Besucher, Bild: LichtBlick/WWF

Diskussionen zu Fakten und Fakes

An unserem Stand haben wir jeden Tag fünf Thesen rund um Klimaforschung und Umweltveränderungen veröffentlicht. Die Besucherinnen und Besucher der re:publica mussten dann entscheiden, ob es sich um wissenschaftlich erwiesene Fakten handelt oder ob die Aussagen haltlos sind und eher dem Duktus der Klimaskeptiker entsprechen.
Und wir haben gemerkt: Bei dem Thema besteht viel Redebedarf: Viele Besucherinnen und Besucher kamen vorbei und äußerten ihre Meinung. In vielen Fällen auch richtig – etwa zur Frage, ob der Einfluss des Menschen auf die Erderhitzung weder wissenschaftlich belegt noch widerlegt ist. Diese Aussage ist eine klassische These von Klimawandelskeptikern – das wurde von vielen auch klar als das erkannt, was sie ist: Quatsch.

Bei anderen Aussagen war es mitunter schwieriger. So zum Beispiel bei der These, dass schon im kommenden Jahr in den deutschen Mittelgebieten kein Schnee mehr liegen wird. Diese Aussage ist nicht korrekt – auch wenn die Tendenz in diese Richtung geht.

Volles Haus bei der re:publica bei Diskussion um Klima-Fakten oder Klima-Fake, Foto: Lara Kranz/LichtBlick
Volles Haus bei der re:publica bei Diskussion um Klima-Fakten oder Klima-Fake, Foto: Lara Kranz/LichtBlick

Großes Interesse bei re:publica

Die Besucherinnen und Besucher konnten sich jedoch nicht nur am Stand über Klimafakten aufklären lassen. Auch unsere Veranstaltung „Klima-Fakten statt Klima-Fake am zweiten Tag der re:publica stand ganz im Zeichen dieses Themas. Mit dabei waren die bekannte Journalistin Ingrid Brodnig („Lügen im Netz“) und Carel Mohn von klimafakten.de. Der Saal mit rund 400 Leuten war bis auf den letzten Platz gefüllt. Wir haben anscheinend den Nerv der re:publica voll getroffen.

Wie reagieren aus Klimawandelskeptiker?

Diskutiert haben die beiden die Fragen, wie Klimawandelskeptiker im Netz agieren, wie die Algorithmen der Social Media Kanäle die Verbreitung dieser Nachrichten unterstützen und wie wir dagegen vorgehen können. Das ist hochaktuell – gerade seitdem die Alternative für Deutschland (AfD) als bisher einzige klimaskeptische Partei in den Bundestag gezogen ist.
Die wichtigsten Ergebnisse aus der Debatte:

  • Fakten sind wichtig, überzeugen aber nicht von alleine
  • viele Lügen polarisieren und emotionalisieren viel stärker als trockene Fakten
  • NGOs und Zivilgesellschaft können einen Unterschied machen, wenn sie sich durch gutes Storytelling auszeichnen, d.h. wissenschaftliche Fakten passend benennen und in gute Geschichten verpacken

 

Die Verunsicherten erreichen

Beide Teilnehmer machten jedoch deutlich, dass die echten Klimaskeptiker nicht durch Diskussionen in Online-Foren überzeugt werden können.

Kommunikationsmaßnahmen rund um die Themen Lügen und Falschaussagen zur Klimakrise sollten auf die Menschen gerichtet sein, die durch die Skeptiker verunsichert werden und noch unentschieden sind. Ingrid Brodnig stellt aber auch klar, dass Klimaskeptiker nicht nur ein Problem im Netz sind, auch wenn sie dort mit ihren emotionalen Botschaften viele Menschen erreichen. Auch die konventionellen Medien sind aufgefordert, einem diffus argumentierenden Klimaskeptiker nicht den gleichen Raum zu geben, wie einem wissenschaftlich fundiert arbeitendem Klimaforscher. Diese Art der vermeintlichen Ausgewogenheit ist bei der Dringlichkeit des Themas fehl am Platz und wird dem Stand der Forschung in keiner Weise gerecht. Einen politischen und wissenschaftlichen Diskurs um die besten Lösungen muss es natürlich weiterhin geben – und zwar mit allen Beteiligten.

Immer informiert bleiben

Aus Sicht von WWF und LichtBlick war der Auftritt auf der re:publica ein voller Erfolg – die vielen Gespräche und die große Teilnehmerzahl an der Veranstaltung belegten eindrucksvoll, dass unsere Themen und Ideen aktueller denn je sind. Wir werden weiter gemeinsam aufklären und alles daran setzen, den menschengemachten Klimawandel zu bremsen. Ein wichtiger Beitrag, den Deutschland dazu leisten kann, ist übrigens der rasche Kohleausstieg.

Wer sich jetzt regelmäßig über Fakten rund um Erderhitzung und die Energiewende informieren möchte, hört am besten in unseren Podcast „Mission Energiewende“ bei detektor.fm rein. Hier gibt es kommende Woche einen Beitrag zur re:publica.


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7 Kommentare

  • Edmund Mangelsdorf sagt:

    Einwände und Argumente der „Klimaskeptiker“, wie sie hier genannt werden, rundum als „Quatsch“ zu bezeichnen, ist mir zu polemisch und zeugt nicht von abwägender Auseinandersetzung mit dem Problem. Argumente wären mir lieber, damit ich selbst abschätzen kann, was mir einleuchtender ist. Ich selbst bin mir trotz dieser von so vielen Leuten „einhellig“vertretenen Meinung nicht sicher, was wirklich Sache ist. Ich hörte schon vor sehr vielen Jahren von Fachleuten, die nach meiner Einschätzung durchaus seriös argumentierten, dass die Erderwärmung nicht wesentlich durch menschliches Handeln hervorgerufen wird. Trotzdem finde ich es gut, dass Dreckschleudern aus Industrie und Verkehr, die ja nicht nur CO² emittieren, abgeschaltet werden sollten um einer gesünderen Luftqualität willen.


    • Anke Blacha sagt:

      Hallo Herr Mangelsdorf,

      vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Die Klimawissenschaft ist, wie viele Wissenschaften, ein extrem komplexes Feld. Die Erkenntnisse werden immer wieder in Frage gestellt, überprüft und widerlegt oder bestätigt. Für Menschen, wie Sie und ich, die sich nicht tagtäglich und intensiv mit dem wissenschaftlichen Arbeiten befassen, mögen einige Erkenntnisse nicht immer verständlich sein.

      Bei der Frage, ob die Erhöhung der weltweiten mittleren Temperatur menschengemacht ist oder nicht, gibt es inzwischen jedoch auch innerhalb der Wissenschaft einen breiten Konsens. Dieser bestätigt, dass der Mensch durch die Emissionen von Treibhausgasen diese Klimaerwärmung bewirkt. Natürlich wurden und werden auch weiterhin alle möglichen Thesen dazu geprüft. Bisher hat sich diese Erkenntnis jedoch bestätigt. Argumente der Klimaskeptiker werden wissenschaftlich immer wieder widerlegt.

      Die Seite http://www.klimafakten.de setzt sich mit allen möglichen Argumenten auseinander und bietet jedem, sich selbst eine Meinung zu bilden. Denn wie heißt es dort so treffend: „Jeder Mensch hat ein Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten.“

      Viele Grüße
      Anke Blacha


  • Karl-Heinz Minks sagt:

    Wenn man die Umweltdaten im Zeitvergleich ansieht (z. B. CO2-Emissionen), dann kann man zu keinem anderen Schluss kommen, als dass die bisher ergriffenen Maßnahmen weltweit und auch in Deutschland nicht einmal das Niveau der Belastung halten geschweige denn senken konnten.
    Die Kohle ist ein Energieträger der letzten zwei Jahrhunderte, das Automobil ein Fortbewegungsmittel des letzten Jahrhunderts. Fangen wir endlich an, das 21. Jahrhundert zu gestalten. Von der gegenwärtigen Regierung ist absolut nichts zu erwarten.
    Sonnige Grüße
    Karl-Heinz Minks


  • Jan Eustergerling sagt:

    Mit Verlaub: das sind doch diese unwissenden Allgemeinplätze, die schlicht zeigen: man braucht nur ein paar hübsche Sündenböcke, damit der kleine intellektuelle Gartenzaun wieder gestrichen ist.
    Natürlich tut die Politik etwas, in manchen Ländern mehr, in manchen weniger. Aber die Behauptung, das wäre nur geschwätz und die Klimakonferenzen alle Wirkungslos – die ist schlicht Geschwätz.
    Im Gegenteil. Es wird immer mehr erkannt, wie wichtig Klimaschutz und Ökologie ist.
    Also bevor man meint, solche Thesen verbreiten zu müssen, sollte sich vielleicht erst einmal erkundigen. Informationen gibt es reichlich von Umweltschutzverbänden, von den Umweltschutzministerien der Länder, von der UN, etc. pp.

    Es ist keine Frage, das immer mehr getan werden kann und muss. Von allen. Aber zu behaupten, in der Politik würde nicht gehandelt, ist schlicht Lüge.


    • Anke Blacha sagt:

      Hallo Herr Eustergerling,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie haben Recht, es gibt Ländern, in denen die Regierung sehr bemüht ist, die Klimaschutzziele umzusetzen. Aber bei unserer aktuellen Regierung sehe ich das etwas anders. Der Ausbau der Erneuerbaren wird gebremst, die Klimaziele für 2020 werden aufgegeben und die ersten Infos zur Kohlekommission klingen nicht so als würde der Klimaschutz an erster Stelle stehen.

      Es gibt jedoch auch hier in Deutschland viele Kommunen und Städt,e die den Klimaschutz ernst nehmen und sich engagieren. Das soll natürlich nicht außer Acht gelassen werden.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


  • Albert Unbekannt sagt:

    Der Begriff KLIMASCHUTZ an sich ist bereits die Größte Lüge im Begriff an sich .
    Klimaschutz u. Datenschutz gibt es auf der ganzen Welt nicht.
    Diese Begriffe haben die herrschenden Kasten u. Klassen nur zur Vertuschung, zur Verblödung u.
    zum Ablenken von diesen Begrifflichkeiten erfunden ;
    d. h. im umgekehrten Sinne :
    Kein Interesse am Klimaschutz, Umweltschutz, Datenschutz !!!!!
    Die Welt macht weiter wie bisher !!! D die internationalen verstricken Multikonzerne.
    Diese CEO s u. Konsorten die bei den CEO s durch die Arschlöcher gekrochen sind um nach oben zu kommen, wollen nichts verändern. Es herrscht dort Goldgräberstimmung auf Kosten der natürlichen
    Recourcen der Erde und der Restbevölkerung ca. 99.9 %.
    Diese 99,9 % der Erdbevölkerung haben aber die Macht, den für Sie so wichtigen Umweltschutz,
    Datenschutz, Demokratie, Klimaschutz u.s.w. einzufordern.
    Ich habe keine Lust mehr diesen Blödsinn zu kommentieren.


    • Anke Blacha sagt:

      Hallo,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Wenn ich das richtig sehe, sind Sie schon für den Schutz der Umwelt und des Klimas, nur sehen Sie nicht, dass wirklich etwas seitens der Regierungen bzw. Konzerne gemacht wird. Und dass wir es in der Macht haben, etwas zu bewegen.

      Das sehe ich genauso. Es bringen die Klimakonferenzen mit den vielen (sicherlich guten) Klimaschutzversprechen nichts, wenn diesen Worten dann weder von den Regierungen noch von der Industrie Taten folgen. Es gibt jedoch weltweit Bewegungen – von NGO, aber auch einzelnen Bürgern –, die sich erfolgreich für den Klimaschutz engagieren. Oft stehen sie auf verlorenem Posten, da sie gegen die Mächtigen kaum eine Stimme haben. Aber wie beispielsweise die Klage des Peruaners gegen RWE zeigte, ist das Engagement nicht vergebens.

      Über Begrifflichkeiten lässt sich streiten, aber dass wir gemeinsam etwas machen müssen, um die Erderwärmung zu bremsen, ist unumstritten.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


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