MEINUNG & POSITION

Hinterher statt vorneweg: Report zur Elektromobilität

Heute schon ein E-Auto gesehen? In Deutschland ist der Anteil der rein elektrisch fahrenden Autos immer noch verschwindet gering: Von rund 46 Millionen Pkw waren zum 1. Januar 2017 nur 34.000 Elektroautos registriert. Auch wenn im Februar doppelt so viele E-Autos wie im Vorjahresmonat zugelassen wurden – genau 1.546 – sind wir in Deutschland noch weit von einer Million abgasfreier Pkw entfernt.

Weltweit steigt der Anteil der E-Autos - nur Deutshcland fährt hinterher, Grafik: LichtBlick/WWF
Weltweit steigt der Anteil der E-Autos – nur Deutschland fährt hinterher, Grafik: LichtBlick/WWF

Norwegen in der EU vorne

Ein aktueller Report von uns und unserem Partner WWF zeigt, dass andere Länder Deutschland deutlich voraus sind. Spitzenreiter in Europa ist nach wie vor Norwegen: Für das Jahr 2016 meldet der skandinavische Vorreiter einen Marktanteil der E-Autos von 29,3 Prozent. Der Grund: In Norwegen wird Elektromobilität seit Jahren mit einem umfangreichen Förderprogramm politisch unterstützt. Neben enormen Steuervergünstigungen – die Mehrwertsteuer fällt komplett weg – und der Befreiung von den Zulassungskosten sind Elektroautos in Norwegen auch von der Autobahngebühr befreit, sie dürfen auf Busspuren fahren, gratis parken und ihre Batterien an vielen öffentlichen Ladestationen umsonst aufladen.

China setzt sich weltweit an die Spitze

Ganz weit vorne ist jedoch China – zumindest was die reine Anzahl an E-Autos betrifft. Bis Ende 2016 waren hier rund 650.000 Elektroautos zugelassen – allein im vergangenen Jahr hat sich ihr Anteil mehr als verdoppelt. Da China den Strom (bislang) überwiegend in Kohlekraftwerken erzeugt, sind E-Autos hier noch nicht wirklich eine Entlassung fürs Klima. Jedoch legt das Land auch beim Thema Erneuerbare ein rasantes Tempo vor.

Elektromobilität für die Energiewende

Elektromobilität hilft der Energiewende - LichtBlicks Forschungsprojekt INEES zeigt wie, Foto: LichtBlick
Elektromobilität hilft der Energiewende – LichtBlicks Forschungsprojekt INEES zeigt wie, Foto: LichtBlick

E-Autos mit Ökostrom sind jedoch nicht nur gut für unser Klima, sondern ihre Batterien leisten auch einen wichtigen Beitrag für die Energiewende. ein Pool von Elektrofahrzeugen lässt sich auch als Speicher für überschüssigen erneuerbaren Strom nutzen. Damit könnten sie eine Pufferfunktion im Stromnetz einnehmen, das bei einem steigenden Anteil regenerativ erzeugten Stroms auf zusätzliche Speicheroptionen angewiesen ist. Je stärker die erneuerbaren Energien ausgebaut werden – Ende 2016 sicherten sie in Deutschland bereits rund 35 Prozent der Stromerzeugung –, desto mehr schwankt die eingespeiste Leistung und umso wichtiger ist eine relevante Anzahl an Speichern. Lichtblick hat bereits mit dem Forschungsprojekt INEES gezeigt, dass E-Autos sich ideal dafür eignen. So hätten eine Million Fahrzeuge mit Batterieantrieb eine Speicherkapazität von rund 16 Gigawatt.
Es ist in Deutschland noch viel zu tun, damit der Anteil der Elektroautos steigt, doch es lohnt sich – für saubere Luft in den Städten, für das Klima und für die Energiewende.


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2 Kommentare

  • Thomas Wagner sagt:

    16 Gigawatt gilt für die VW e-UP!, der noch nicht einmal bei Erscheinen
    als ein Akkuwunder betrachtet werden konnte., weshalb er auch nicht besonders gefragt ist.
    Das in Deutschland und Europa meistverkaufte Elektroauto, der Renault ZOE hat inzwischen
    einen Akku mit 41 kWh Kapazität, der Opel Ampera e 60 kWh, der neue e-Golf 33 kWh usw.
    So ergeben sich bei aktuellen Eletroautos ganz andere Speichersummen.
    Bis die Million Elektroautos in Deutchland ca 2022 auf den Straßen sind, werden sie eine Akkugesamt-Kapazität von nahezu 50 GWh darstellen.
    Das ist dann eine Hausnummer, mit der im Schwarm eine Regelleistung erbracht werden kann,
    die sich sehen lassen kann.
    Es wäre allerdings interessant zu erfahren, wie weit Lichtblick inzwischen damit vorangekommen ist, dies auch den Kunden/Elektroautofahrern anzubieten ?


    • Anke Blacha | LichtBlick Autorin antwortet:

      Hallo Herr Wagner,

      Sie haben Recht, die Kapazität steigt und wird auch weiter steigen. Was für die Batterie als mobiler Zwischenspeicher nur positiv ist. Wir bei LichtBlick haben das Forschungsprojekt INEES Ende 2015 erfolgreich abgeschlossen: https://www.lichtblickblog.de/schwarmenergie/elektroautos-im-schwarm/. Der einzige Haken momentan: Die Batterien müssten bidirektional be- und entladen werden. Das heißt, dass der Strom in beide Richtungen fließen müsste, um die E-Autos wirklich sinnvoll in den Strommarkt einzubinden. So visionär sind viele Autohersteller leider nicht. So weit ich weiß, arbeiten aktuell vor allem Mitsubishi und Nissan daran. Sobald wir Produkte für unsere Kunden haben, erfahren Sie es natürlich direkt bei uns.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


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