MEINUNG & POSITION

Gastkommentar: Mein Haus, meine Solaranlage, mein Ökostrom

„Mein Haus – mein Auto – mein Boot“. Im vergangenen Jahrzehnt schufen die Sparkassen mit diesem Dreiklang ein Stück Kultwerbung. Denn der dazu gehörende TV-Spot hinterfragte in witziger Aufmachung der Deutschen liebste Statussymbole.

Der Wechsel zu einem Ökostromanbieter sollte im Land der Energiewende eine Selbstverständlichkeit sein

Ein Gastkommentrar von Ralf Köpke, Redakteur des Magazins Energie & Management, Foto: Evi Ludwig
Ein Gastkommentrar von Ralf Köpke, Redakteur des Magazins Energie & Management, Foto: Evi Ludwig

Es wäre fatal, wenn hierzulande der Bezug von Ökostrom ein reines, finanziell motiviertes Statussymbol wäre. Der Wechsel zu einem Grünstromanbieter sollte im Geburtsland der Energiewende aber eine Selbstverständlichkeit sein. Das ist es nach wie vor mitnichten. Auch wenn die Datenlage der diesjährigen E&M-Ökostromumfrage etwas ausgedünnt ist, ändert das nichts an einer betrüblichen Tatsache: Der Ökostrommarkt dümpelt hierzulande vor sich hin – und das bereits seit drei Jahren. Gab es noch vor wenigen Jahren richtige Wechselparties im privaten Umfeld (vergleichbar mit den legendären Tupperware-Verkaufsshows) oder Aufrufe von Verbänden oder Verbraucherschützern, ein grünes Stromprodukt zu bestellen, ist davon im Jahr fünf der Energiewende nichts mehr zu spüren. Gar nichts.

Glaubwürdiger Ökostrom kommt von Anbietern, die sich aktiv für die Energiewende einsetzen

Dabei ist die Wahlfreiheit des Stromtarifs nach wie vor eine der wenigen Möglichkeiten für die Verbraucher, sich mit wenig Aufwand aktiv an der Energiewende zu beteiligen. Allerdings speist sich die Glaubwürdigkeit der Ökostromprodukte immer weniger aus dem Strommix des jeweiligen Tarifs, sondern vom allen aus den Aktivitäten des Anbieters für Energiewende. Da müssen viele Energieversorger, insbesondere Stadtwerke, noch dazulernen. Erfreulich ist zumindest, dass sich die meisten Ökostrom-Siegel bei ihrer Bewertung der Grünstromstromprodukte in diesem Sinne weiterentwickelt haben.

Statt Billigstrom anzupreisen, müssen Verbraucherschützer die Stromqualität thematisieren

LichtBlick ist mit 561.000 Ökostrom-Kunden auch 2016 die Nummer 1 in Deutschland. Grafik: E&M
LichtBlick ist mit 561.000 Ökostrom-Kunden auch 2016 die Nummer 1 der Grünstromanbieter. Grafik: E&M

Dazulernen müssen auch die Verbraucher: Selbst wenn in gut sechs Jahren hierzulande die letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen, ist der allgemeine Strommix zwar atomstromfrei, aber eben nicht zu 100 Prozent erneuerbar. Es liegt auch an den Stromkunden, das Tempo zu forcieren, um die 100 Prozent zu erreichen. Wichtig wäre da eine entsprechende Verbraucheraufklärung. Was beispielsweise eine Aufgabe für die Verbraucherschützer wäre. Statt sich auf Preise und Wechselprozesse zu konzentrieren, ist eine Qualitätsdebatte um die derzeitigen Stromprodukte längst wieder überfällig.

Von der Regierung ist keine Unterstützung zu erwarten

Auf Impulse von der derzeitigen Bundesregierung für den Ökostrommarkt zu hoffen, ist vergeblich. Wer wie Bundeswirtschaftsminister Gabriel bei der jüngsten EEG-Novelle die Bürgerenergie ausgebremst und mit der regionalen Grünstromkennzeichnung einen Parlamentsbeschluss zur EEG-Novelle 2014 unterlaufen hat, ist alles andere als ein glaubwürdiger Unterstützer für das Gelingen der Energiewende.

Die Werbe-Millionen einiger Ökostromanbieter wären in den letzten Jahren besser für eine Kampagne genutzt worden, die da lauten könnte: „Mein Haus – meine Solaranlage – mein Ökostrom“. Erst wenn Ökostrom zur Selbstverständlichkeit wird, ist hierzulande der Durchbruch geschafft.

Lesen Sie auch den LichtBlick-Kommentar zum Ökostrom-Markt: „Immer mehr Verbraucher wechsel zu Ökostrom“


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