MEINUNG & POSITION

Mehrheit der Bevölkerung will Kohleausstieg

Verfehlte Klimaziele, bislang elf Industrienationen, die den Kohleausstieg planen, sechs Länder, die sich vom Verbrennungsmotor verabschieden. Wenn Deutschland weiterhin zu den Klimaschutz-Ländern gehören möchte, dann muss die neue Regierung klar Stellung beziehen. Dazu gehört ein klarer Maßnahmenplan, wie CO2 eingespart und wie die Energiewende weiter vorangetrieben werden soll.

LichtBlick und der WWF haben im Rahmen der Sondierungsgespräche von Union, FDP und Grünen die Menschen in Deutschland befragt. Was sind ihre Wünsche an die neue Regierung im Hinblick auf Energie- und Klimathemen. Die Ergebnisse sind eindeutig.

Eindeutige Meinung: Mehrheit der Bevölkerung spricht sich für Kohleausstieg aus, Grafik: LichtBlick/WWF
Eindeutige Meinung: Mehrheit der Bevölkerung spricht sich für Kohleausstieg aus, Grafik: LichtBlick/WWF

Ja zum Kohleausstieg

In der repräsentativen Umfrage gaben 72 Prozent der Befragten an, dass die Regierung den Kohleausstieg beschließen soll – 41 Prozent von ihnen möchten sogar, dass das Ausstieg so schnell wie möglich beschlossen wird. Auch der Umweltrat fordert von der neuen Regierung, dass bis 2020 zunächst die dreckigsten Kohlekraftwerke abgeschaltet werden und die restlichen bis 2030. Auch 62 Prozent der Teilnehmer unserer Umfrage wollen spätestens 2035 in einem kohlefreien Deutschland leben. Für 11 Prozent ist auch ein Ausstieg bis 2050 akzeptabel.

Klimaziele erreichen

Auch wenn es um die dringendste Frage dieser Zeit geht – wie können wir den Klimawandel noch bremsen – gibt die Bevölkerung den möglichen Koalitionspartnern klare Arbeitsaufträge mit auf den Weg. Vorab: Bemerkenswert ist, dass nur sieben Prozent die aktuellen Maßnahmen für ausreichend finden. 56 Prozent der Befragten sehen den schnellen Ausbau der Erneuerbaren als wichtigste Klimaschutzmaßnahme, gefolgt von klimafreundlichen Verkehrsmaßnahmen (47%) und dem Kohleausstieg (39%). Jeder vierte Befragte möchte mehr E-Autos auf der Straße sehen.

E-Mobilität braucht noch Unterstützung

Mehr Erneuerbare, mehr klimafreundlicher Verkehr - Tipps für die Jamaika-Gespräche, Grafik: LichtBlick/WWF
Mehr Erneuerbare, mehr klimafreundlicher Verkehr – Tipps für die Jamaika-Gespräche, Grafik: LichtBlick/WWF

Damit die E-Mobilität Fahrt aufnimmt, spricht sich die Mehrheit der Befragten dafür aus, dass die neue Bundesregierung weitere Fördermaßnahmen initiiert. 40 Prozent fordern einen Ausbau der Ladeinfrastruktur. Dass die Hersteller mehr in die Verantwortung genommen werden und mehr E-Autos in allen Preiskategorien auf den Markt bringen sollen, befürworten 30 Prozent. Allerdings befürchtet die Mehrheit, dass die Autos dann nicht aus Deutschland kommen werden – 69 Prozent aller Befragten denken, dass die deutsche Autoindustrie beim Thema klimafreundliche Antriebe nicht gut aufgestellt ist. Doch vielleicht geben die Autobauer nun Gas – nach Dieselskandal und immer mehr Ländern, die sich von Diesel und Benzinern verabschieden, wird das auch höchste Zeit. Denn auch in Deutschland fordern immerhin rund 14 Prozent, dass der Verkauf von Verbrennungsmotoren endlich ist.

Unsere Umfrage zeigt zwei wesentliche Punkte sehr deutlich: Die Menschen in Deutschland wollen sich ihre und die Zukunft der nachfolgenden Generationen nicht von klimaschädlicher Kohle zerstören lassen. Und eine Deckelung der Erneuerbaren kommt für sie nicht in Frage. Stattdessen wollen sie mehr Wind- und Sonnenenergie.


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