MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Vattenfalls Fehlplanung

Die Terroranschläge von Paris sind diese Woche auch bei Gero Lücking ein Thema – welche Auswirkungen werden sie bei den Verhandlungen auf der Klimakonferenz haben, die am 30. November startet? Ein weiteres Ereignis steht im direkten Zusammenhang mit der Klimakonferenz: In Hamburg wurde das Kohlekraftwerk von Vattenfall offiziell eröffnet – ein Kraftwerk, das wie aus der Zeit gefallen scheint.

Die Klimakonferenz in Paris steht im Schatten der Terroranschläge von Paris, Foto: PantherMedia
Die Klimakonferenz in Paris steht im Schatten der Terroranschläge von Paris, Foto: PantherMedia

Terror und Klimawandel

Herr Lücking, nach dem Terror und vor der Klimakonferenz – Paris ist gerade das Zentrum der politischen Wahrnehmung. Beides – Terror wie Erderwärmung – bedroht unsere westliche Vorstellung vom modernen, freien Leben. Was kommt auf uns zu?

Der Terror ist ein Angriff auf unsere Kultur. Aber selbst vor der eigenen Kultur macht der Terror keinen Halt. Historische Stätten in den Ländern, in denen Krieg geführt wird, werden genauso rücksichtslos angegriffen und zerstört. Ganz abgesehen natürlich von den Tausenden Menschenleben.
Im Ergebnis sehen wir eine weltweit noch nie dagewesene Einigkeit und Entschlossenheit, dem Terror ein Ende zu setzen: China, Russland, die westliche Welt und weite Teile der arabischen Welt gemeinsam mit der islamischen Führungselite.

Einigkeit erreichen

Natürlich hängt alles mit allem zusammen. Vielleicht bringt diese Einigkeit in der einen Frage – ungeachtet der großen Pluralität und der weiterhin bestehenden Differenzen – auch für die Weltklimakonferenz eine besondere Fokussierung auf Werte, wie beispielsweise Klimaschutz und ökologisch intakte Lebensräume.
Zumindest an diesen Rahmenbedingungen müssen alle Menschen ungeachtet ihrer Nationalität, Hautfarbe, Religion und ihrem Verständnis und ihrer Interpretation von Kultur und Freiheit ein uneingeschränktes Interesse haben.

(Un-)Perfektes Timing

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Das Kohlekraftwerk von Vattenfall ist nun offiziell in Betrieb - eine Woche vor der Klimakonferenz, Foto: Bengt Lange, Vattenfall GmbH
Das Kohlekraftwerk von Vattenfall ist nun offiziell in Betrieb – eine Woche vor der Klimakonferenz, Foto: Bengt Lange, Vattenfall GmbH

Das 1.600-Megawatt-Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg ist diese Woche offiziell in Betrieb gegangen. Pünktlich zum Weltklimagipfel. Perfektes Timing von Vattenfall!
Anders als die Schweden wollen die Briten ganz auf Kohlekraftwerke verzichten. Dazu wollen sie allerdings den Wiedereinstieg in die Atomkraft. Damit das gelingt, müssen die britischen Steuerzahler tief in die Tasche greifen. Insgesamt sollen mit Zustimmung der EU 26 Milliarden(!) Euro Subventionen gewährt werden. Die französische EDF als zukünftiger Betreiber der zwei Atomkraftwerke soll dazu über 35 Jahre eine garantierte Einspeisevergütung von mindestens 110 Euro pro Megawattstunde erhalten.

Schlüssige Strategien gefragt

Das liegt sowohl der Höhe als auch der Zeitdauer nach deutlich über dem, was die Erneuerbaren bräuchten. Gleichzeitig will sich die EU auf dem Weltklimagipfel für CO2-Reduktion und Klimaschutz einsetzen. Vielleicht denken die Europäer vorher nochmal über eine schlüssige Strategie nach, die man auch dem Rest der Welt erklären kann. Das wäre etwas, das der eigenen Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft sicherlich gut zu Gesicht stünde.

Gero Lücking antwortet regelmäßig auf Fragen unseres Medienpartners klimaretter.info.


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