MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Teslas Riesen-Batterie

Regelmäßig kommentiert Gero Lücking aus der Geschäftsführung von LichtBlick aktuelle Energiethemen. Diese Woche geht es unter anderem um die Pläne von Elon Musk für die Riesen-Batterie in Australien.

Tesla Riesen-Batterie für Australien

Tesla-Chef Elon Musk ist wieder in aller Munde, diesmal wegen einer Wette mit Südaustralien. In nur 100 Tagen will Tesla dort einen riesigen Batteriespeicher aufbauen, um die häufigen Stromausfälle abzumildern – schafft er es nicht, kriegt der Bundesstaat die Batterie geschenkt. Herr Lücking, braucht die Energiewende jetzt schon große Speicher?
Wahrscheinlich ist die Situation in Südaustralien nicht unbedingt mit der Situation hier zu vergleichen. Aufgrund der großen Hitze wird es dort kaum ohne Klimatisierung gehen. Das treibt den Energiebedarf weiter in die Höhe. Durch die Klimatisierung entstehen zudem enorme Verbrauchsspitzen. Der Einsatz von Großbatterien stellt zur Vermeidung dieser Spitzen eine adäquate technische Lösung dar. So können Netze entlastet werden. Und der Zubau steuerbarer, hochflexibler fossiler Kraftwerke wird auch vermieden.

In Deutschland eher kleine Batterien

In Deutschland kommen die Batterien vor allem durch private Investitionen in den Markt. Es handelt sich um kleine Batterien mit einer Kapazität von bis zu zehn Kilowattstunden – eine andere Größenordnung als die 129.000-Kilowattstunden-Batterien von Tesla in Australien. Bei uns werden sie in Kombination mit Photovoltaikanlagen installiert und erhöhen den Eigenerzeugungs- beziehungsweise -verbrauchsanteil. Schon jede zweite neu errichtete Solarstromanlage wird mit einer Batterie kombiniert. Und da sich die Batteriepreise bis 2020 nahezu halbieren werden, werden Investitionen in diese Lösungen immer interessanter.

Die Motivation für die Investitionen in Batterien ist also eine andere. Während in Australien die Energiewirtschaft in große Batterielösungen investieren muss, um die Versorgungssicherheit aufrechterhalten zu können, investieren hier in Deutschland private Haushalte aus sehr individuellen Gründen.

PV-Ausschreibungen in Deutschland lassen die Preise fallen, Foto: PantherMedia
PV-Ausschreibungen in Deutschland lassen die Preise fallen, Foto: PantherMedia

Positiver Effekt der PV-Ausschreibungen

Die Förderung von Solarenergie über Ausschreibungen ist ein europa- und weltweiter Trend. Ist das sinnvoll?
Die Vorteile sind so deutlich, dass man sich fragt, warum man das nicht schon viel früher gemacht hat. Das Bundeswirtschaftsministerium hat hierzu eine schöne Auswertung veröffentlicht. 2015 gab es demnach die erste Photovoltaik-Ausschreibung in Deutschland. Die durchschnittliche Förderhöhe lag bei 9,17 Cent pro Kilowattstunde. Nach inzwischen sechs Ausschreibungen bis Ende 2016 ist diese durchschnittliche Förderhöhe auf 6,9 Cent pro Kilowattstunde gesunken. Also innerhalb von knapp zwei Jahren ein Kostenvorteil von rund 25 Prozent – ein Erfolg, der sich sehen lassen kann.

Wenn die Energiewende erfolgreich sein soll, muss sie auch bezahlbar bleiben. Alles, was die Kosten senkt, eröffnet Spielraum für einen schnelleren Zubau.

Energiewende nach der Wahl

Im Zukunftsplan von Martin Schulz und der SPD kommen Klimaschutz und Energiewende nur als Unterpunkte von anderen Themen vor. Die Bundestagswahl rückt näher – wer kümmert sich eigentlich im Wahlkampf um die Energiewende?
Gute Frage. Das Thema scheint keine Priorität zu haben.

Der Blick nach Nordrhein-Westfalen lässt erahnen, was in Sachen Klimaschutz und Energiepolitik passieren wird, wenn CDU und FDP nach der Bundestagswahl die Regierung stellen. Die Energiewende würde zwar nicht zum Erliegen kommen, dafür ist sie schon zu weit fortgeschritten. Aber die Gegner bekämen Oberwasser. Sie würden wahrscheinlich mit dem Verweis auf die bereits erreichten Fortschritte und Erfolge auf die Bremse treten. Das ist natürlich genau das Gegenteil von dem, was wir brauchen.

Keine klare Positionierung

Und die SPD bleibt das ewige Sorgenkind. Es war schon bei der letzten Bundestagswahl so, dass auch die SPD den Klimaschutz nicht nach vorn stellte. Zu groß scheint die Angst zu sein, dass die Kohlekumpels ihr Kreuz woanders machen. Eine irrationale Befürchtung, denn „die Kohlekumpels“ gibt es ja im Grunde gar nicht mehr. Zumindest sind sie – was die reine Analyse der Zahlen angeht – keine für den Ausgang eines Bundestagswahlkampfs entscheidende Wählergruppe mehr. Aber emotional gibt es nach wie vor eine enge Bindung. Außerdem macht der IG-BCE-Chef mächtig Druck und Angst.

Also ist und bleibt die SPD ein absoluter Wackelkandidat, was den Klimaschutz angeht. Warum sie sich nicht modernisiert und sich den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern dieser neuen Energiewirtschaft aktiv öffnet – und damit auf ein absolutes Zukunftsthema setzt –, bleibt ihr Geheimnis.

Gleichzeitig kann man ja auch den Betroffenen, wenn im Einzelnen notwendig und geboten, faire Abfindungsregelungen in Aussicht stellen und versprechen. Etwas anderes will sowieso keiner und bezahlbar ist es auch. Kandidat Schulz kennt eigentlich aus seiner Heimat Würselen die Probleme allzu gut – und auch die Lösungen. Aber das alles passiert nicht.

Die Grünen haben den Klimaschutz natürlich weiterhin auf ihrer Agenda, scheinen aber wegen anderer Probleme nicht so richtig durchstarten zu können.

Leichen im Keller?

Wie hoch sind die Folgekosten des Kohleabbaus? Die Energiekonzerne schweigen, Foto: PantherMedia
Wie hoch sind die Folgekosten des Kohleabbaus? Die Energiekonzerne schweigen, Foto: PantherMedia

Und was war Ihre Überraschung der Woche?
Die Verantwortlichen des RWE-Konzerns gehen gerichtlich dagegen vor, dass Dokumente über das wahre Kostenausmaß bei der Beseitigung der Schäden aus dem Braunkohletagebau im rheinischen Revier veröffentlicht werden. Sie haben etwas zu verbergen. Die Wahrheit darf nicht ans Licht.

Die RWE-Tochter Innogy – RWE selbst spricht von einer „Ökostrom-Tochter“ – wirbt auf ihrer Homepage mit dem Slogan: „Gute Kommunikation ist gegeben, wenn einer den anderen versteht, auch ohne viele Worte zu verlieren.“ Jetzt wissen wir, was damit gemeint ist: „Über unsere Leichen im Keller reden wir nicht.“


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