MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Netzentgelte und EEG

Mitte Oktober wurden die vorläufigen Netzentgelte sowie die EEG-Umlage für 2016 bekanntgegeben. Geschäftsführung Energiewirtschaft bei LichtBlick ist der Meinung, dass sich die Kostendebatte weg von der EEG-Umlage und hin zu den jährlich steigenden Netzentgelten bewegen muss. Dieses und weitere Energiethemen fasst Gero Lücking für Klimaretter.info  zusammen.

Smart Meter von LichtBlick?

Die Energiewelt wird digital - Smart Meter sind Voraussetzung für künftige intelligente Stromprodukte, Kosten EEG, NetzentgelteFoto: Fotolia
Die Energiewelt wird digital – Smart Meter sind Voraussetzung für künftige intelligente Stromprodukte, Foto: Fotolia

Auf Lichtblicks „Ideenplattform“ steht, dass Sie bald Smart Meter anbieten wollen – intelligente Stromzähler also, die ständig Daten von den Nutzern zu Ihnen übertragen. Die Idee: Die Zähler sollen elektronische Geräte effizient „fernsteuern“ und so der Energiewende dienen. Datenschützer sind allerdings empört. Sind die Smart Meter wirklich unsichere Datenkraken? Welches Feedback bekommen Sie von Kunden?

Wir werden zukünftig nicht nur Smart Meter anbieten, sondern beispielsweise auch stationäre Batterien von Tesla und Sonnenbatterie. So wie die Telekommunikationsgesellschaften nicht nur Tarife anbieten, sondern eben auch Handys, Smartphones und andere Kommunikations-Hardware. Im ersten Schritt beschränken wir uns auf die Vermittlung von Geräten und Komponenten. Im zweiten Schritt werden wir diese Infrastruktur, für die sich der Kunde interessiert und entscheidet, in unsere Tariflandschaft einbinden, in den Schwarm integrieren und energiewirtschaftliche Optimierungen durchführen.

Die Entscheidungen für Smart Meter sind also hier individuelle Entscheidungen. Der Gesetzgeber macht in Bezug auf den Datenschutz mit dem neuen Digitalisierungsgesetz sehr strenge Vorgaben. Die Nutzung von sensiblen Kundendaten zu Werbezwecken beispielsweise ist ausgeschlossen.

In dem hier beschrieben Umfeld bieten Smart Meter den Vorteil über Apps, den eigenen Stromverbrauch über den Tag, die Woche, den Monat analysieren und bspw. mit Vorjahreszeiträumen vergleichen zu können. Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, kann über die Apps so die Eigenerzeugung, den Eigenverbrauch und den Restbezug aus dem Netz beobachten. Smart Meter sind die Voraussetzung für künftige intelligente Stromprodukte.

Netzentgelte steigen deutlicher als EEG-Umlage

Die EEG-Umlage steigt im kommenden Jahr, wenn auch nur um 0,176 Eurocent pro Kilowattstunde. Müssen wir eine neue Grundsatzdebatte um die Kosten der Energiewende befürchten?

Die Kostendebatte wird uns immer begleiten. Sie wird sich aber verlagern müssen. Längst ist das EEG nicht mehr der Kostentreiber der Stromrechnungen. Die steilen Anstiege der EEG-Umlage der letzten Jahre sind vorbei. Hier hat die Politik reagiert, Fördersätze angepasst und dynamische Mechanismen eingeführt, die die Förderhöhe mit den Ausbauzielen koppelt. Der Fokus der Kostendiskussion muss sich jetzt auf die Netzentgelte richten. Wir sehen hier Jahr für Jahr stetige Anstiege zwischen einstelligen und hohen zweistelligen Prozentsätzen. Mittlerweile zahlt jeder Haushalt mehr für das Stromnetz als für die EEG-Anlagenförderung. Die Netzentgelte machen mittlerweile knapp 30 Prozent der Stromrechnung aus. Sie sind der größte Einzelposten einer jeden Stromrechnung. Die Monopolisten greifen den Verbrauchern – und hier müssen wir nicht nur an die Haushalte, sondern auch an die Gewerbe- und Industriekunden denken – so tief in die Tasche wie noch nie.

Die Konsequenz ist klar: Ein Monopol wie das der Netzbetreiber muss konsequenter reguliert werden, sonst werden weiter Kosten auf die Verbraucher abgewälzt, die nichts mit einem sicheren Netzbetrieb zu tun haben. Die Politik muss erkennen, dass sie hier strukturell und inhaltlich dringend nachbessern muss. Im Strom- wie auch im Gasnetz. So wie sie das beim EEG vor zwei Jahren auch getan hat.

Kosten auf Verbraucher abwälzen

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Der Netzbetreiber in Baden-Württemberg, die Netze BW, begründet die Anhebung der Netzentgelte um 15 Prozent (!) wie folgt (Zitat aus der Pressemeldung der Netz BW): „Eine weitere Ursache sei, „dass wir wie viele andere Unternehmen in der aktuellen Niedrigzinsphase unsere Pensionsrückstellungen erhöhen müssen“, sagte Christoph Müller, Geschäftsführer der Netze BW.“

Es ist die alte Masche der Monopolisten: Kosten, die nichts mit dem Netzbetrieb zu tun haben und eigentlich aus den Gewinnen zu finanzieren wären, werden als Kosten deklariert und auf die Verbraucher abgewälzt. Damit werden die Verbraucher für diese Kostenpositionen mindestens zum zweiten Mal zur Kasse gebeten. Weil die Netze ein natürliches Monopol sind, können die Netzbetreiber machen was sie wollen. Kein Stromkunde kann sich dieser Kostenspirale entziehen. So macht es, nach Aussage des Geschäftsführers von Netze BW – er muss es wissen – die gesamte Branche. Es dokumentiert eindrücklich das Versagen der Politik und der Regulierung. Jeder Stromkunde in Baden-Württemberg zahlt dafür im nächsten Jahr zusätzliche 40 Euro.

Und noch ein Aspekt: das „Problem“ der Niedrigzinsphase trifft nicht nur die Pensionsfonds sondern auch die AKW-Rückstellungen. Was ist hierzu der Vorschlag der Energie Baden-Württemberg (EnBW)? Was sagen die Gesellschafter, die Kommunen und das Land Baden-Württemberg?

 

 

 


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