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Lückings Woche: Die Zahl der Ökostrom-Kunden

Gero Lücking aus der Geschäftsführung bei LichtBlick kommentiert diese Woche wieder wichtige Energiethemen – wie kam die sinkende Zahl der Ökostrom-Kunden zusammen, wenn sie denn überhaupt sinkt, und wie steht es um den Ausbau der Erneuerbaren, vor allem um die Windenergie, in den USA?

Windenergie erlebt in den USA jetzt erst einen Boom, Foto: Fotolia
Windenergie erlebt in den USA jetzt erst einen Boom, Foto: Fotolia

Energiewende in den USA angekommen

Den USA wird ein Windkraftboom vorausgesagt. Dort profitiert man jetzt von der Lernkurve der Erneuerbaren, die in Europa angetrieben wurde. Das sollte doch eigentlich auch die Bundesregierung wieder anspornen, oder?
Die USA sind ein riesiges Land, ein halber Kontinent. Der wird jetzt langsam aber sicher für die Windenergienutzung erschlossen. Weil es ein Geschäft ist, weil die Windstromerzeugung neben den unübersehbaren ökologischen Vorteilen auch ökonomisch vorteilhaft ist. Das ist der Beginn des Siegeszuges der regenerativen Stromerzeugung – nicht nur in den USA. Wir haben mit unserem Partner WWF im letzten Jahr eine Studie vorgelegt, die zeigt, dass die Energiewende schon ein globaler Megatrend ist. Das bestätigt sich nun einmal mehr.

Deutschland hat Grundstein gelegt

Deutschland hat mit der konsequenten Förderung über das EEG den Grundstein für die technologische Entwicklung und damit den ökonomischen Erfolg gelegt. Von dem weiteren Ausbau der Windenergie überall in der Welt wird auch Deutschland wiederum profitieren. Denn die technologische Entwicklung geht weiter und die Kosten werden bei weiter wachsenden Fertigungskapazitäten sinken. Das senkt auch die Kosten des Windenergieausbaus in Deutschland und beschleunigt damit die Energiewende – national wie international.

Anschluss nicht verlieren

Dass man im Ranking der Nationen dann nicht zurückfallen will, kann ein zusätzlicher Ansporn sein. Erst mal müssen aber die USA kräftig aufholen, denn Deutschland hat, zumindest was den prozentualen Windstromanteil angeht, derzeit noch die Nase vorn.
Auf Ihrer Unternehmenswebsite werben Sie dafür, beim Umzug an den Wechsel zum Ökostromanbieter zu denken, und geben Tipps für einen reibungslosen Ablauf.

Weniger Ökostrom-Kunden in Deutschland oder alles nur eine Frage der Statistik?, Foto: PantherMedia
Weniger Ökostrom-Kunden in Deutschland oder alles nur eine Frage der Statistik?, Foto: PantherMedia

Tatsächlich aber bestellen viele ab, weil sie denken, dass die Energiewende keinen Extratarif mehr braucht. Was sagen Sie diesen Kunden?
Die deutschen Stromkunden wenden sich nicht vom Ökostrom ab. Das ist schlichtweg falsch. Grundlage dieses Missverständnisses ist eine Umfrage unter Stromfirmen, die regelmäßig durchgeführt wird. In den letzten Jahren stieg demnach die Zahl der Grünstrom-Haushalte stetig an. Allerdings hatte sich das Wachstum bereits in den Vorjahren gegenüber der Zeit nach der Fukushima-Katastrophe 2011 verlangsamt.

Wirklich weniger Ökostrom-Kunden?

In diesem Jahr wurde nun überraschend ein starker Rückgang der privaten Ökostromkunden vermeldet. Ihre Zahl sei binnen zwei Jahren von 5,75 auf 4,4 Millionen Haushalte gesunken. Haben also tatsächlich über 1,2 Millionen Deutsche ihren Ökostromtarif gekündigt und sind wieder zu Atom- und Kohlestrom gewechselt? Die Antwort lautet ganz klar: Nein.
Wie immer lohnt ein genauer Blick auf die Zahlen. 2013 erfasste die Erhebung noch die Grünstrom-Kunden von 267 Stromfirmen, diesmal sind nur noch die Daten von 150 Versorgern eingeflossen – fast eine Halbierung des Teilnehmerfeldes. Fazit: Nicht die Zahl der Ökostrom-Haushalte ist gesunken, sondern die Energieanbieter sind intransparenter geworden.

Zahlen nicht vergleichbar

Besonders deutlich wird die Verzerrung am Beispiel eines Discountanbieters. Dieser war 2013 erstmals in der Statistik aufgetaucht – und das gleich mit angeblich einer Million Ökostromkunden. Bei der jüngsten Umfrage fiel diese große Zahl nun komplett aus der Statistik, denn der Anbieter lieferte auf einmal keine Daten mehr. Allein die fragwürdige Informationspolitik eines Unternehmens ist also für den Löwenanteil des angeblichen Kundenrückgangs verantwortlich.

Immer mehr Menschen sagen ja zu Ökostrom, Foto: PantherMedia
Immer mehr Menschen sagen ja zu Ökostrom, Foto: PantherMedia

Ökostrom-Markt wächst

Tatsächlich ist der Ökostrom-Markt größer, als die Umfrage nahelegt: Laut dem Monitoringbericht der für den Strommarkt zuständigen Bundesnetzagentur bezogen schon vor drei Jahren mehr als 7,4 Millionen Haushalte grünen Strom. Und vieles spricht dafür, dass die Nachfrage weiterhin zunimmt. Nach einer Verbraucherumfrage hat sich die Zahl der Ökostrom-Bezieher von 2013 bis 2015 von acht Millionen auf 8,5 Millionen erhöht. Auch wir als Ökostrom-Marktführer verzeichnen steigende Kundenzahlen.
Klar ist aber auch: Obwohl die Mehrzahl der Deutschen Ökostrom befürwortet, beziehen erst etwa 20 Prozent der Haushalte überhaupt einen grünen Stromtarif. Viele sind noch immer zu bequem zum Wechsel, obwohl der Wechsel über drei Klicks im Internet schnell und komfortabel erledigt werden kann. Da ist also noch viel Luft nach oben.
Und da gerade bei einem Wohnungswechsel im allgemeinen Umzugsstress die Info über die neue Adresse und damit die neue Zählernummer an den Ökostromanbieter oftmals unterbleibt, richten sich unsere Tipps besonders an diese Umzugs-Kunden. Denn wie gesagt: Nicht die Unzufriedenheit mit dem Ökostromanbieter führt zu dem Verlust des Ökostromvertrags, sondern schlichtweg eine fehlende Information.

Gero Lücking antwortet regelmäßig auf Fragen unseres Medienpartners klimaretter.info.


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