MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Nach der Klimakonferenz

Die Ergebnisse der Klimakonferenz überzeugen – auch mit mehr als einer Woche Abstand können sie durchaus als historisch betrachtet werden. Gero Lücking befasst sich diese Woche komplett dem Klimavertrag und der Bedeutung für die Politik, aber auch für LichtBlick.

Klimakonferenz – Ein historisches Ergebnis

Es gibt noch viel zu tun - doch die Klimakonferenz war ein wichtiger Schritt, Foto: PantherMedia
Es gibt noch viel zu tun – doch die Klimakonferenz war ein wichtiger Schritt, Foto: PantherMedia

Hält eine Woche nach der Klimakonferenz das „Paris Agreement“ immer noch Begriffen wie „historisch“ stand?

Aus meiner Sicht: Ja. Die Einigung und die Geschlossenheit sind ein klares Signal der Staatengemeinschaft an die Wirtschaft – besonders die Energiewirtschaft –, an den Finanzsektor, an alle Investoren, an uns alle. Die Erderwärmung soll, erstmalig von 195 Staaten völkerrechtlich verbindlich beschlossen, auf maximal zwei Grad, wenn möglich auf 1,5 Grad eingegrenzt werden. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts soll die CO2-Belastung der Atmosphäre auf Null reduziert werden. Falls also noch Treibhausgase emittiert werden, müssten sie an anderer Stelle kompensiert werden.

Weichenstellung zur Dekarbonisierung

Vielen geht das alles nicht weit genug. Nicht nur die Umweltverbände, sogar weite Teile der deutschen Wirtschaft und Industrie fordern mehr Klarheit und Verbindlichkeit. Für die deutsche Umweltministerin ist es – trotz aller Kritik – die entscheidende Weichenstellung zur dekarbonisierten Weltwirtschaft und ein Sieg der Diplomatie.

Ende des fossilen Zeitalters

Sie haben ausgedient - es wird Zeit für den Kohleausstieg, Foto: PantherMedia
Sie haben ausgedient – es wird Zeit für den Kohleausstieg, Foto: PantherMedia

In Paris wurde aber mehr erreicht, als alle erwartet haben. Vor ein paar Wochen noch erschien ein solcher globaler Konsens undenkbar. Die Signalwirkung wird immens sein. Wer will und kann jetzt noch in die Exploration von fossilen Rohstoffen, in fossile Kraftwerke investieren? Diese Investitionen finden mittelfristig keine Unterstützung mehr. Das ist das Signal aus Paris. Das Ende des fossilen Zeitalters wurde eingeläutet. Das ist in der Tat historisch.

Energiewende-Vision von Anfang an

Was bedeutet der Vertrag für Ihr Unternehmen LichtBlick?

Wir sind vor 17 Jahren als Startup mit einer klaren Energiewende-Vision in den gerade liberalisierten Strom- und Gasmarkt gegangen. Mittlerweile sind wir Marktführer im Bereich Ökostrom und Ökogas. Vor 17 Jahren waren Atomausstieg und Energiewende lediglich eine Hoffnung. Erst durch Fukushima wurde die Energiewende von einem Tag auf den anderen in Deutschland Regierungspolitik. Wir diskutieren heute nur noch über das „Wie“ der Energiewende, nicht mehr über das „Ob“. Dahinter stehen ökonomische Trends wie der Preisverfall für Photovoltaik, Wind und Speicher, die weltweit die Energiemärkte umkrempeln. Die Digitalisierung beschleunigt diesen Wandel.

LichtBlick beschäftigt sich sehr intensiv mit diesen fundamentalen Veränderungen. Unsere Unternehmensziele haben sich mit und durch diese Entwicklungen erweitert. Wir wandeln uns von einem Versorger, der zur Zeit der Gründung ausschließlich Endkunden versorgen wollte, zu einem IT- und Energieunternehmen, das immer noch Endkunden versorgt, zunehmend aber auch Dienstleistungen für die Energiewende anbietet. Ein Viertel unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind mittlerweile Softwareentwickler – für einen Energieversorger eine überaus hohe und bemerkenswerte Quote.

Digitalisierung und Vernetzung prägen die Energiewende. LichtBlick ist mit SchwarmEnergie® dabei, Foto: PantherMedia
Digitalisierung und Vernetzung prägen die Energiewende. LichtBlick ist mit SchwarmEnergie® dabei, Foto: PantherMedia

SchwarmEnergie® ist unsere Lösung

Inzwischen vernetzen wir dezentrale Erzeugungsanlagen und steuern sie so, dass sie nur dann Strom erzeugen, wenn kein oder zu wenig Sonnen- und Windstrom erzeugt wird. Wir binden Stromspeicher und Elektrofahrzeuge in den Energiemarkt ein. Wir entwickeln IT-Lösungen, die das dezentrale System der Energiewende kompatibel machen und es in die Lage versetzen, den Stromhunger einer Industrienation wie Deutschland sicher und zuverlässig jederzeit zu decken. Wir nennen das SchwarmEnergie®.

Starke Partner

Interessant ist – und das zeigt auch die Klimakonferenz in Paris –, dass all diese Entwicklungen kein deutsches Phänomen sind, sondern eine weltweite Entwicklung. Auch darauf haben wir uns eingestellt und internationalisieren unser SchwarmEnergie®-Geschäft. Unsere Kooperation mit Tesla ist dafür nur ein Beispiel.

Die Rahmenbedingungen entwickeln sich sowohl national als auch international in eine Richtung, die uns und unsere Ansätze und Ideen stärken. Auch deshalb haben wir unsere Vision bereits im Herbst letzten Jahres neu formuliert. Sie lautet jetzt: „Unser Ziel ist, dass saubere Energie immer, überall und für jeden da ist.“ Dieses Motto passt sehr gut zu den Ergebnissen des Weltklimagipfels von Paris.

Kohleausstieg jetzt!

Jetzt geht es zurück in den klimapolitischen Alltag. Was muss die Politik sofort anpacken?

Sofort angepackt werden muss der Kohleausstieg. Der steht jetzt auf der Agenda. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. 1,6 Milliarden Euro sollen in den nächsten vier Jahren an die Betreiber der Braunkohlekraftwerke – vor allem an RWE – ausgeschüttet werden, um 2,7 Gigawatt Leistung abzuschalten. Das liefert jedenfalls nicht die Blaupause, mit der jetzt schrittweise bis zu 48 Gigawatt fossile Kraftwerksleistung in Deutschland vom Netz genommen werden müssen.


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