MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Wegbereiter für Mieterstrom

Regelmäßig kommentiert Gero Lücking, Geschäftsführung Energiewirtschaft bei LichtBlick, aktuelle Energiethemen. Diese Woche geht es unter anderem um das Mieterstrom-Gesetz und welche Rolle LichtBlick dabei gespielt hat.

Mieter wollen Mieterstrom

Im Gelben Viertel in Berlin hat LichtBlick erstmals ein Mieterstrom-Projekt umgesetzt, Foto: STADT&LAND Berlin
Im Gelben Viertel in Berlin hat LichtBlick erstmals ein Mieterstrom-Projekt umgesetzt, Foto: STADT&LAND Berlin

Herr Lücking, Lichtblick hat kürzlich eine Studie zum Mieterstrom vorgestellt. Ergebnis: Die meisten Bürger würden sich darüber freuen, wenn sie Strom vom eigenen Dach beziehen könnten. Welches Potenzial hat Mieterstrom?
Unsere Umfrage zeigt, dass zwei Drittel der Mieter gerne selbst erzeugten Strom beziehen würden. Dazu müssen Wohnungswirtschaft und Immobilienbesitzer die vorhandenen Dächer mit Photovoltaik ausrüsten oder aber Blockheizkraftwerke zur effizienten Strom- und Wärmeerzeugung in den Kellern der Gebäude installieren.

Schub für die Energiewende

Mit dem jetzt vom Bundeskabinett verabschiedeten Mieterstromgesetz werden für diese Investitionen und Modelle die rechtlichen Grundlagen geschaffen. Das bringt Planungssicherheit, die es so bisher nicht gab. Mieterstrom kommt für rund 3,8 Millionen Mietwohnungen in Deutschland infrage. Insgesamt geht es um rund 370.000 zusätzliche Photovoltaikanlagen. Das kann sich zu einem richtigen Schub für die Energiewende entwickeln.

Pionier von Mieterstrom

Ohne unbescheiden wirken zu wollen, können wir wohl sagen, dass Lichtblick Pionier dieser Entwicklung ist. Wir haben vor fünf Jahren in Berlin-Hellersdorf die größte Photovoltaik-Dachanlage in Deutschland mit 1.900 Kilowatt Nennleistung in ein Mieterstrommodell integriert. Ein riesiges Plattenbauviertel gepflastert mit Photovoltaik. Das Foto von den Solar-Dächern im sogenannten Gelben Viertel ist zum Symbolbild für den Mieterstrom geworden. Wir haben damit der Energie- und Immobilienwirtschaft und der Politik gezeigt, wie es geht. Ohne diesen Anschub würde es das Mieterstromgesetz wohl nicht gegeben.

Fragwürdige Kritik

Der Energiewirtschaftsverband BDEW meint, dass der Gesetzentwurf zum Mieterstrom sozial Schwache benachteiligt. Die müssten, sofern sie nicht selbst vom Mieterstrom profitieren, dann höhere Netzentgelte zahlen. Stimmt das?
Der BDEW warnt vor allem, was mit Energiewende zu tun hat. Jetzt schlägt er sich scheinbar auf die Seite der sozial Schwachen. Das ist pure Heuchelei und maximal unglaubwürdig. Dem Verband geht es nicht um die Schwachen, sondern um die durch Mieterstrommodelle wegbrechenden Einnahmen bei den Netzentgelten. Da drückt die Mitgliedsunternehmen des BDEW der Schuh.
Wer sich für die sozial Schwachen engagieren will, muss sich gerade für Mieterstrommodelle aussprechen. Denn so profitieren sie über niedrigere Strompreise von der Energiewende.
Der BDEW ist nur gut darin, Pfründen und liebgewonnene Annehmlichkeiten aus der Vergangenheit zu verteidigen. Konzeptionell nach vorne, in Richtung Energiewende, geht beim BDEW nichts.

Mehr Schein als Sein bei Innogy

Nicht überall, wo Ökostrom draufsteht, ist auch 100% Ökostrom drin, Foto: PantherMedia
Nicht überall, wo Ökostrom draufsteht, ist auch 100% Ökostrom drin, Foto: PantherMedia

Die „grüne“ RWE-Tochter Innogy hat ihre allererste Hauptversammlung abgehalten. Es scheint ganz solide zu laufen: Das Unternehmen meldete 1,5 Milliarden Nettogewinn. Bereitet Ihnen die Konkurrenz der großen Konzerne im Geschäft mit der Energiewende Sorge?
Der Schein trügt. Rund zwei Drittel des Konzernergebnisses kommen aus dem regulierten Geschäft der Strom- und Gasnetze. Das sind Monopole. Dort werden Fehler nicht bestraft. Aber die staatlich garantierten Monopolrenditen werden sinken. Das ist bereits beschlossen. Im zukunftsträchtigen Geschäft der Energiewende läuft dagegen nicht viel. Zudem drücken extreme Kostenbelastungen das Ergebnis.

Keine grüne Zukunft für RWE

Auch der Innogy-Mutterkonzern RWE hatte vergangene Woche seine Hauptversammlung. Die Aktionäre bekamen die schlimmste Bilanz aller Zeiten präsentiert. Angenommen, Sie steckten in der Haut von RWE-Chef Rolf Martin Schmitz: Sehen Sie einen Weg, auf dem RWE einen ökologisch und wirtschaftlich nachhaltigen Platz finden kann?
Nein, den sehe ich leider nicht. Für RWE ist die Perspektive düster. Wer heute noch an der Braunkohleverstromung im großen Umfang festhält, ganze Regionen im Städtedreieck Köln-Aachen-Düsseldorf mit Braunkohletagebauen in Wüsten verwandelt, die CO2-intensivsten Kohlekraftwerke in Europa betreibt und im eigenen Konzern erst ein Prozent seines Stroms regenerativ erzeugt, hat die Zukunft verschlafen.

Die Fragen stellte unser Medienpartner klimaretter.info.

 


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