MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Fossiles Ende und Meilenstein

Vom 7. bis 8. Juni tagten im Schloß Elmau die führenden Regierungschefs. Wichtige Themen waren unter anderem Klimawandel und Energiewende. Und die G7 kamen hierbei tatsächlich auch zu einem Entschluss – bis 2100 soll der Ausstieg aus fossilen Brennstroffen gelingen. Gero Lücking, Geschäftsführung Energiewirtschaft bei LichtBlick, ist sich sicher, dass das schneller gehen wird. Weitere Themen diese Woche waren der Ausbau der Erneuerbaren und ein Gerichtsurteil als Meilenstein für die Energiewende.

Ausstieg aus fossilen Energien – schneller als wir denken

Ausbau der Erneuerbaren muss vorangetrieben werden, damit die Energiewende gelingt, Foto: PantherMedia
G7-Regierungschefs setzen auf Erneuerbare statt fossile Energieträger, Foto: PantherMedia

Die G7-Staaten haben angekündigt, bis zum Ende des Jahrhunderts aus der Kohle aussteigen zu wollen. Ein historisches Ereignis?
Der Beschluss der G7, bis zum Jahr 2100 eine CO2-freie Weltwirtschaft erreichen zu wollen, ist in vielerlei Hinsicht interessant. Er erinnert einerseits an das Versprechen im aktuellen Schuldenstreit mit Griechenland, in 100 Jahren alle Schulden beglichen zu haben. Wir würden das Einlösen nicht mehr prüfen können. Ob wir in 85 Jahren die fossile Energiewirtschaft hinter uns gelassen haben, werden alle, die den Beschluss jetzt auf Schloss Elmau getroffen haben, auch nicht mehr verifizieren können.
Ich bin aber fest davon überzeugt, dass die heutigen Regierungschefs ihr für 2100 angepeiltes Ziel doch noch erleben werden. Warum? Weil im Markt die Entwicklungen so rasant voranschreiten, dass der Wechsel zu einer global vollständig regenerativen Weltwirtschaft viel schneller gehen wird. Es wird keine 85 Jahre mehr dauern.

Kosten bei PV und Batterien sinken – zum Vorteil der Energiewende

Ob es wie gerade jetzt die Unternehmensberatung Roland Berger oder die Schweizer Großbank UBS sind: Alle sind sich einig, dass die Kostendegression bei der Photovoltaik und bei Batteriesystemen gerade erst begonnen hat und sich fortsetzen wird. Die UBS geht in ihrem Dream Scenario – was für ein Name! – von 50 Prozent Solarstrom weltweit im Jahr 2050 aus. Bisher haben ausnahmslos alle Szenarien die Ausbaugeschwindigkeit der erneuerbaren Energien unterschätzt.

Kampagnen der alten Energiewelt gegen verbindliche Klimaziele

Und noch ein Aspekt scheint mir bei der Beurteilung von Elmau wichtig: Alle Konzerne der fossilen, alten Energiewelt bereiten gerade mit aller Macht ihre Kampagnen für die Weltklimakonferenz im Dezember in Paris vor. Sie wollen verbindliche Klimaziele unter allen Umständen verhindern. Mit dem jetzigen Beschluss haben die Regierungschefs ihnen den Wind aus den Segeln genommen. Die Richtungsentscheidung ist schon weit vor Paris gefallen. Politisch ein kluger Schachzug, der die Kampagnen, die wir trotzdem erleben werden, ins Leere laufen lassen lässt.

Ausbau der Erneuerbaren aus dem Markt heraus

Batteriespeicher werden künftig in Millonen Häusern zur Anwendung kommen. (c) Sonnenbatterie
Batteriespeicher werden künftig in Millonen Häusern zur Anwendung kommen, Foto Sonnenbatterie GmbH

Die meisten Länder der Erde haben Ausbauziele für Ökoenergien, heißt es in einer Studie der IRENA. Die Weltorganisation betont aber, dass die Ziele durch klare politische Strategien ergänzt werden müssen. Was fällt Ihnen dazu ein?
Ohne es inhaltlich prüfen zu können: Die IRENA wird gute Gründe haben, wenn sie die Zahlen so kritisch kommentiert. Natürlich hoffen wir auch auf klare politische Strategien und Maßnahmen. Aber wenn sich eine solche Entwicklung nicht aus dem Markt heraus bildet, wird auch die Politik es langfristig kaum erzwingen können.
Deshalb sind die jetzigen technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen so entscheidend. Solar- und Windstromerzeugung werden kurzfristig günstiger sein als das Verbrennen und Verstromen fossiler Energieträger. Batteriespeicher werden Sonnenenergie nachts verfügbar machen. Und die Informationstechnik wird durch das Internet of Things die Lösungen bereitstellen, um alles intelligent vernetzen und steuern zu können. Mit diesen Entwicklungen werden die Ökonomie und damit die Märkte dafür sorgen, dass wir die fossilen Energieträger zukünftig in der Erde lassen werden.

Fossile Energien werden uns bald nicht mehr interessieren

Ein schöner Vergleich zur Veranschaulichung: Die Steinzeit ist auch nicht zu Ende gegangen, weil es keine Steine mehr gab, sondern weil die Menschheit sich weiterentwickelt und anderen Aufgaben und Strategien zugewandt hat. So wird es der Menschheit auch mit den fossilen Energieträgern gehen: Sie werden uns schon bald nicht mehr interessieren.

Wegweisendes Urteil für die Energiewende

Und was war Ihre Überraschung der Woche?
Keine wirkliche Überraschung, aber ein Meilenstein für die Energiewende: Lichtblick hat vor dem Bundesgerichtshof höchstrichterlich erreichen können, dass Stromzähler künftig nicht mehr am zentralen Zählerplatz installiert werden müssen, sondern auch dezentral beispielsweise an oder in einem Blockheizkraftwerk, an einer Ladesäule für ein Elektrofahrzeug oder an einer Photovoltaikanlage. Ein jahrelanger Rechtsstreit, in dem uns EWE als einer der größten deutscher Netzbetreiber mit Schützenhilfe des BDEW den Anschluss von dezentralen Blockheizkraftwerken verweigern wollte, geht mit einer schallenden Ohrfeige für die Energiewende-Bremser der alten Energiewirtschaft zu Ende.

Gero Lücking antwortet regelmäßig auf Fragen unseres Medienpartners klimaretter.info.

 


Zurück zur Übersicht »

Artikel kommentieren