MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Kein Weiter-so beim Klimaschutz

Regelmäßig kommentiert Gero Lücking aus der Geschäftsführung bei LichtBlick aktuelle Energiethemen. Diese Woche dreht es sich erneut hauptsächlich um das Thema Wahlen – und den Klimawandel. Die Fragen stellt unser Medienpartner klimaretter.

Beim Klimaschutz gilt es, keine Zeit zu verlieren, Foto: PantherMedia
Beim Klimaschutz gilt es, keine Zeit zu verlieren, Foto: PantherMedia

Beim Klimaschutz Ziele verfehlt

klimaretter.info hat mit dem Recherchebüro Correctiv eine Serie gestartet, warum Deutschland seine Klimaziele verfehlen wird. Die Klimabilanz der Großen Koalition fällt nicht gut aus. Haben Sie noch Hoffnung, dass sich das bei der nächsten Regierung ändert?

Es muss sich etwas ändern. So kann es nicht weitergehen. Das ist weder den Menschen hier in Deutschland noch international zu vermitteln. Klimaschutz und Energiewende ist ein Dauerthema in der öffentlichen Diskussion. Die Bevölkerung steht mit großer Mehrheit hinter den Anstrengungen zum Klimaschutz und für die Energiewende und sie wird auch – auch das ist ein Teil der Wahrheit – für diese Anstrengungen ordentlich zur Kasse gebeten.

Andere Länder überholen uns in Sachen Klimaschutz

Nur die CO2-Bilanz der Bundesrepublik spiegelt all diese Anstrengungen nicht wider. Es gibt keine Reduktion der klimarelevanten Emissionen, die Klimaschutzziele werden verfehlt. Andere Länder, die sich in Bezug auf den Weltklimavertrag von Paris nicht so weit aus dem Fenster hängen wie die Bundesrepublik – man denke nur an die Äußerungen der Kanzlerin während des G20-Gipfels in Hamburg – kommen ihren internationalen vertraglichen Verpflichtungen und Zusagen nach. Sie erfüllen ihre Klimaschutzziele. Deutschland, das angebliche Musterland und Vorbild im Klimaschutz, schafft es nicht. Das geht nicht, das ist nicht länger durchhaltbar. Der Handlungsdruck nimmt also enorm zu. Die neue Bundesregierung muss liefern. Sie steht politisch massiv unter Druck – national wie international.

Mehrheit sieht Zusammenhang von Wetterextremen und Klimawandel

Erstmals erleben die US-Amerikaner in einer Saison zwei Hurrikane der Kategorie Vier, die schwere Verwüstungen hinterlassen. US-Präsident Trump und sein Umweltchef Scott Pruitt wollen keinen Zusammenhang zum Klimawandel erkennen. Auch in Deutschland nimmt die Zahl der Klimaskeptiker zu – möglicherweise auch durch die AfD. Macht Ihnen das Sorgen?

Nein, das macht mir keine Sorge. Dass Trump unbelehrbar ist, dass die AfD unbelehrbar ist, ist bekannt und nicht überraschend.

Die breite Mehrheit der Bevölkerung – in Deutschland, aber auch in den anderen Staaten – sieht doch immer deutlicher die Zusammenhänge. Es bedarf dazu auch nicht des letzten wissenschaftlichen Beweises. Die Häufung der Wetterextreme und das stetig zunehmende Ausmaß der Katastrophen geht so eindeutig in eine Richtung, dass die Mehrheit der Menschen weltweit ahnt, was die Stunde geschlagen hat.

Das muss sich jetzt noch in konkretes Handeln umwandeln. Und das nimmt eben hier und da etwas mehr Zeit in Anspruch, als wir uns das oftmals wünschen und erhoffen.

Bundestagswahl könnte interessante Koalitionen bringen

Noch eine Woche bis zur Bundestagswahl. Die Koalitionsoptionen Schwarz-Grün oder „Jamaika“ scheinen möglich. Was halten Sie davon? Verbiegen sich die Grünen zu sehr, um als Koalitionspartner zu passen?

Schwarz-Grün halte ich persönlich für eine interessante Konstellation. Das wäre meiner Meinung nach einen Versuch wert. Jamaika wiederum kann ich mir persönlich nicht vorstellen. Ich glaube auch nicht, dass dies den Grünen guttäte. Wie man als Juniorpartner in einer Regierung mit CDU, CSU und FDP sein Profil wahren kann, ist mir schleierhaft. Da kann man eigentlich nur an Identität verlieren. Wir werden sehen. Es ist zu früh darüber zu reden. Spekulieren bringt nichts.

Auf der IAA sind auch in diesem Jahr trotz Diesel-Skandal kaum alltagstaugliche E-Autos zu sehen, Foto: LichtBlick
Auf der IAA sind auch in diesem Jahr trotz Diesel-Skandal kaum alltagstaugliche E-Autos zu sehen, Foto: LichtBlick

Grün reden, konventionell handeln

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Die Automesse IAA scheint symptomatisch zu sein: Man redet „grün“ und handelt, als wäre nichts gewesen. Das Thema Elektromobilität und die Fragen um die Zukunft der Mobilität sind zwar omnipräsent – präsentiert werden aber wieder nur Konzepte, Ideen und Studien. Nichts Konkretes, nichts Belastbares. Alles Dinge, die auch wieder in der Schublade verschwinden können. Konkret sind nur die neuen Modelle der konventionellen Fahrzeuge, der SUVs, der Boliden mit über tausend PS.

An diesem Auseinanderklaffen von Ankündigungen und anfassbaren Ergebnissen sieht man sehr schön, mit welchen Themen sich die Automobilbauer in den letzten Jahren hinter den „grünen“ Konzernfassaden wirklich beschäftigt haben.


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