MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Im Zeichen der Klimakonferenz

Gero Lücking, Geschäftsführung Energiewirtschaft bei LichtBlick, kommentiert regelmäßig aktuelle Energiethemen. Diese Woche geht es um vor allem um die anstehende Klimakonferenz in Marrakesch – der fehlende deutsche Klimaschutzplan und die Tour von LichtBlick und dem WWF mit einem Elektromotorrad zur Konferenz. Die Fragen stellt unser Medienpartner klimaretter.info.

Deutschland hat die Vorreiterrolle beim Klimaschutz verloren - zur Klimakonferenz geht es ohne Plan, Foto: PantherMedia
Deutschland hat die Vorreiterrolle beim Klimaschutz verloren – zur Klimakonferenz geht es ohne Plan, Foto: PantherMedia

Ohne Plan zur Klimakonferenz

Umweltministerin Barbara Hendricks hat am Montag verkündet, dass der „Klimaschutzplan 2050“ wohl erst im Dezember vom Kabinett verabschiedet werden kann. Selbst wenn es dazu kommt: Vom ursprünglichen Entwurf der Ministerin ist kaum noch etwas übrig, alle konkreten CO2-Minderungsziele der Sektoren wurden gestrichen. Ist der Plan noch etwas wert?
Die Bundesregierung fährt ohne Klimaschutzplan auf die internationale Klimakonferenz nach Marrakesch. Das ist schwach. Wie und was soll die deutsche Delegation verhandeln, wenn sie von ihrer Regierung keine Vorgeben und Ziele mit auf den Weg bekommen hat?

Klimaschutzpläne werden torpediert

Klimaschutz und Energiewende werden aus dem wirtschaftsnahen Umfeld von SPD und CDU massiv torpediert. Deshalb sind alle konkreten Ziele aus dem Plan entfernt worden und er ist noch nicht verabschiedet. Besser kann man Klimaschutzbemühungen nicht unterlaufen. Ob aber die Protagonisten dieser Politik der deutschen Wirtschaft damit einen Gefallen tun, darf bezweifelt werden.

Elektromobilität verschlafen?

Die Reaktion der deutschen Autoindustrie auf die Ankündigung der chinesischen Regierung, Quoten für Elektrofahrzeuge einzuführen, zeigt, wie gefährlich es ist, zu lange an alten Technologien festzuhalten. Kommen dann vorhersehbare politische Entscheidungen dazu, beispielsweise um die örtliche Bevölkerung vor Smog zu schützen, wirken diese wie disruptive Einschnitte, die dann – in der Logik der vermeintlichen Wirtschaftspolitiker – verhindert werden müssen.
Hätte man sich dagegen frühzeitig an die Spitze einer technologischen Entwicklung gesetzt und den Umstieg auf die Elektromobilität eingeleitet, wären die gleichen politischen Entscheidungen auf einmal eine Riesenchance, Marktanteile zu erobern und neues Wachstum für die heimische Wirtschaft zu generieren.

Energiewendeland Marokko

Marokko zeigt beim Ausbau der Erneuerbaren, wie der Wandel gelingen kann, Foto: PantherMedia
Marokko zeigt beim Ausbau der Erneuerbaren, wie der Wandel gelingen kann, Foto: PantherMedia

Marokko, Gastgeber des Klimagipfels, ist in Sachen Energiewende auf der Überholspur. Dort steht der größte Solarpark der Welt, das Land will langfristig Ökostrom nach Europa exportieren. Die Region hat viel Potenzial für Erneuerbare – jede Menge Wind und Sonne. Kann Marokko ein Vorbild für andere Länder sein?
Es wäre doch eine tolle Geschichte, wenn Marokko als ein Land, das anders als Iran, Irak und Saudi-Arabien nicht mit Öl- und Gasreserven gesegnet ist, aber ähnliche geografische Voraussetzungen für erneuerbare Energien mitbringt, nicht nur diesen drei Ländern, sondern der ganzen Welt zeigt, wie mit Zukunftsmärkten nachhaltig neue Geschäfte und wirtschaftliche Entwicklung angeschoben werden können. Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Wir drücken die Daumen.

Mit dem Elektro-Motorrad zur Klimakonferenz

LichtBlick und der WWF machen sich mit einem Elektro-Motorrad auf dem Weg zur Klimakonferenz, Foto: LichtBlick/WWF, Michael Schehl
LichtBlick und der WWF machen sich mit einem Elektro-Motorrad auf dem Weg zur Klimakonferenz, Foto: LichtBlick/WWF, Michael Schehl

Und was war Ihre Überraschung der Woche?
Da gestatten wir uns heute mal ein bisschen Werbung in eigener Sache: LichtBlick ist am 3. November, also an dem Tag bevor das Pariser Weltklimaabkommen offiziell in Kraft trat, zusammen mit unserem Kooperationspartner WWF zu einer E-Motorradtour von Berlin nach Marrakesch aufgebrochen. Vierzehn Tage werden wir mit dem Elektromotorrad unterwegs sein, um am Ende der Tour auf der Klimakonferenz Bundesumweltministerin Hendricks zu treffen. Unterwegs werden wir in Deutschland, Frankreich, Spanien und Marokko viele Energiewende-Stationen besuchen. Auf der Website energiewendebeschleunigen.de berichten wir täglich über die Tour. Es lohnt sich, reinzuklicken!


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