MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Erneuerbare nicht zu stoppen

2015 war für Erneuerbare weltweit ein Rekordjahr. Gero Lücking ist sich sicher, dass sich dieser Trend fortsetzen wird – allein aus Kostengründen werden die erneuerbaren Energien in den kommenden Jahren unschlagbar sein.

Erneuerbare - vor allem Windenergie - sind die Gewinner 2015, Foto: PantherMedia
Erneuerbare – vor allem Windenergie – sind die Gewinner 2015, Foto: PantherMedia

Goldene Zukunft für Erneuerbare

Herr Lücking, nicht nur in Deutschland, auch europaweit hat sich die Windkraft als die erneuerbare Wachstumsenergie Nummer eins etabliert. Ist das nur ein kurzlebiger, nachholender Boom oder hat die Windkraft das Potenzial, auch den fossilen Kraftwerken im Wettbewerb ganz ohne Förderung auf den Leib zu rücken?
Die Windenergie und auch die Photovoltaik sind die Gewinner der Energiewende. Sie werden die günstigsten Technologien zur Stromerzeugung sein. Ihnen steht weltweit eine goldene Zukunft bevor. Sie werden schon bald billiger Strom erzeugen können als die fossilen Technologien. Die Atomkraftwerke haben schon heute keine ökonomische Chance mehr. Allein dieser ökonomische Trend hat das Zeug dazu, die Klimaveränderung auf das Maß einzugrenzen, das in Paris Ende letzten Jahres als globales Ziel vereinbart wurde.

Technologische Entwicklung der Erneuerbaren vorantreiben

Wenn es billiger ist, Wind- und Sonnenstrom zu erzeugen, wird keiner mehr ein Interesse daran haben, die fossilen Energievorräte zu fördern, zu verbrennen und zu verstromen. Das macht dann ökonomisch einfach keinen Sinn mehr. Es kommt also darauf an, die technologischen Entwicklungen voranzutreiben, um die Kostendegression weiter zu beschleunigen: Wissenschaftler sagen voraus, dass die Kosten der Solarstromerzeugung durch weitere Wirkungsgradsteigerungen, billigere Fertigung und größere Fertigungskapazitäten in den nächsten Jahren nochmals um den Faktor vier sinken werden. Dagegen wird kein fossiles Kraftwerk mehr konkurrieren können. Trotz des weltweit steigenden Energiebedarfs haben wir die Chance, diesen schon bald vollständig regenerativ und billiger als bisher decken zu können.

Reform des EEG

Was muss bei der kommenden Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes geschehen?
Die Bundesnetzagentur, das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesregierung tun derzeit alles dafür, Erfolgsmodelle der Energiewende – Eigenerzeugung und Eigenverbrauchslösungen wie Mieterstrommodelle – mit maximalen Kosten zu belasten. Jeder, der selber Strom erzeugt, soll auch weiterhin die Kosten der Netze und des EEG mittragen, so die Philosophie. Mit diesen finanziellen Auflagen werden gezielt die derzeitigen ökonomischen Anreize genommen, in Eigenerzeugung zu investieren. Das bremst die Energiewende, sichert andererseits aber die Finanzierung von Netzen und EEG-Kosten. Die Stromwirtschaft und die Bundesregierung müssen sich Lösungen überlegen, wie die Netzinfrastruktur und die EEG-Förderung zukünftig bezahlt werden können, ohne die Energiewende auszubremsen.

Stromnetze: Lösung dringend gesucht

Bei der Novellierung des EEG sind nachhaltige Lösungen gefragt - vor allem in Bezug auf die Stromnetze, Foto: PantherMedia
Bei der Novellierung des EEG sind nachhaltige Lösungen gefragt – vor allem in Bezug auf die Stromnetze, Foto: PantherMedia

Zu der Frage, wie Netze finanziert werden können, wenn immer mehr Verbraucher Anteile ihres eigenen Stroms selber erzeugen – wenn also weniger Kilowattstunden über das Netz zu den Endkunden transportiert werden –, sind bisher keine Vorschläge gekommen. Die Netzbetreiber sollten das größte Interesse daran haben und diese Vorschläge vorstellen. Der Gesetzgeber versucht durch immer mehr und immer kompliziertere Auflagen, die Kontrolle zu behalten und so die Finanzierbarkeit der Infrastruktur zu gewährleisten. Er arbeitet dabei einem Trend entgegen, den er ohnehin nicht aufhalten kann. Er stellt die richtigen Fragen, packt das Problem aber am falschen Ende an und gibt damit die falschen Antworten.
Dieses Herangehen muss mit der kommenden EEG-Novelle geändert werden. Es stehen aber auch andere Gesetze und Verordnungen zur Überarbeitung an, nicht nur das EEG. Die Lösung der Finanzierungsfragen ist eine zentrale Aufgabe in allen diesen Gesetzgebungsverfahren. Das zu verabschiedende Strommarktgesetz bietet hierfür auch Ansatzpunkte.

Strompreis: Er fällt und fällt und fällt

Und was war Ihre Überraschung der Woche?
Der Großhandelspreis für Strom fiel unter die magische Grenze von 20 Euro pro Megawattstunde. Vor gut drei Monaten waren wir noch bei über 30 Euro pro Megawattstunde. Schon die 30 Euro wurden als magische Grenze, als Schallmauer, bezeichnet. Jetzt fällt innerhalb von nur zehn Wochen die nächste Schallmauer.


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