MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Das Zwei-Grad-Ziel und weniger Kohlekraftwerke

Vom 2-Grad-Ziel dürfen wir nicht mehr abrücken, wenn der Klimawandel gestoppt werden soll, Foto: PantherMedia
Vom 2-Grad-Ziel dürfen wir nicht mehr abrücken, wenn der Klimawandel gestoppt werden soll, Foto: PantherMedia

Laut dem fünften Gesamtbericht des Weltklimarats (IPCC) müssten die Staaten die Treibhausgase bis 2050 um 60 Prozent reduzieren, um das Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen. Nur einen Tag nach der offiziellen Vorstellung des IPCC  kündigte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks an deutsche Kohlekraftwerke stilllegen zu wollen. Das sind die aktuellen Themen im Interview mit Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft bei LichtBlick.

Zwei-Grad-Ziel braucht politischen Willen und Leidensdruck

Der fünfte Gesamtbericht des Weltklimarats kommt zum Schluss: Bis 2050 müssten die Staaten die Treibhausgase um 60 Prozent reduzieren, um das Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen. Der Umstieg auf Erneuerbare sei aber durchaus bezahlbar. Glauben Sie noch daran, dass das Zwei-Grad-Ziel erreicht werden kann?

Die USA und China tun sich gerade in Vorbereitung auf den Weltklimagipfel in Paris im nächsten Jahr zusammen, um gemeinsame Strategien zur CO2-Reduktion zu entwickeln. Sie wollen auf der Konferenz nicht als die internationalen Buh-Männer dastehen, sondern Vorschläge unterbreiten, Lösungskonzepte anbieten. Das lässt hoffen, dass sich zumindest ein wenig in die richtige Richtung bewegt. Ob es ausreichen wird, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, bleibt abzuwarten. Dass es theoretisch, technisch-administrativ erreichbar wäre, das haben viele Studien und Untersuchungen nachgewiesen. Es ist also eine Frage des politischen Willens – und des Leidensdrucks. Die Kooperationsansätze der zwei weltweit größten CO2-Emittenten sind zumindest ein hoffnungsvolles Signal.

Deutscher Widerspruch: Energiewende und steigende CO2-Emissionen

Als Reaktion auf den IPCC-Bericht hat Dänemark angekündigt, schon 2025 aus der Kohle auszusteigen. Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks will die Kohlekraftwerks-Kapazität abbauen – aber mit Augenmaß und Rücksicht auf die Betreiber. Nimmt Deutschland zuviel Rücksicht?

Das Positive an der Nachricht ist: die deutsche Bundesregierung will sich des Themas annehmen. Das ist nur zu begrüßen. Acht Braunkohle-Großkraftwerke mit insgesamt 8.000 Megawatt Leistung sollen vom Netz genommen werden. Das ist die richtige Richtung. Hoffentlich bleibt es nicht nur bei den Ankündigungen. Die Bundesregierung kommt international zunehmend unter Druck. Denn einerseits unternimmt sie – wie weltweit keine andere Regierung – unglaubliche Anstrengungen, um die Energiewende zu forcieren. Sie wirbt mit diesem Projekt weltweit und die ganze Welt schaut auf Deutschland. Mit der Energiewende macht sich Deutschland aber nicht nur Freunde. Nicht nur die Nachbarstaaten wie Polen und Frankreich opponieren. Den Gegnern kommt da natürlich das Argument steigender CO2-Emissionen in Deutschland gerade recht. Das passt auch nicht zur Energiewende. Diese Entwicklung konterkariert die eigenen Bemühungen und lässt die eigenen Anstrengungen in einem falschen Licht erscheinen. Diese Entwicklung wird Deutschland, der deutschen Regierung und den deutschen Delegationen bei jeder Gelegenheit vorgehalten. Nicht nur auf der Weltklimakonferenz in Paris im nächsten Jahr wird dies so sein sondern auch Frau Merkel muss sich immer wieder rechtfertigen. In Paris und bei anderen Gelegenheiten. Und da sie im nächsten Jahr auch noch den Vorsitz der G 7-Staaten übernehmen wird, würde sie diese Diskussionen und diesen Konflikt gerne vermeiden. Deshalb geht die Regierung jetzt in die Offensive. Und sie hat Recht damit. Denn es ist in der Tat ein unhaltbarer Zustand, dass bedingt durch niedrige CO2-Emissionszertifikatspreise und das Abschalten der Atomkraftwerke immer mehr Braunkohlekraftwerke mit extrem schlechten Wirkungsgraden Strom erzeugen und die CO2-Bilanz von Deutschland stetig verschlechtern. Die Bundesregierung tut gut daran, diesen Klimakillern den Kampf anzusagen. RWE und Vattenfall, die Betreiber dieser CO2-Schleudern, wird es nicht passen. Das Rücksicht nehmen wird bei Frau Merkel in dem Maße auf Grenzen stoßen, wie sie international mit diesem Thema konfrontiert und unter Druck gesetzt wird.

Die Überraschung der Woche

Und was war ihre Überraschung der Woche?

Der tschechische Energiekonzern EPH hat Interesse an der Braunkohlesparte von Vattenfall Kund getan. Er ist heute schon tief in die Braunkohleindustrie im Osten Deutschlands involviert und hält Anteile an der deutschen Mibrag. Für Vattenfall wäre es ein Glücksfall. Denn wer ist denn heute noch bereit, Geld für ein sterbendes Geschäft auszugeben? Meine Bitte: stellt der EPH und der Mibrag doch bitte schnellstmöglich einen Zugang zu www.klimaretter.info zur Verfügung, damit die Verantwortlichen dort die Zeichen der Zeit erkennen und das Thema endlich begraben. Es hat keine Zukunft!

Gero Lücking antwortet regelmäßig auf Fragen unseres Medienpartners klimaretter.info.


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