MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Erfolg der Batteriespeicher

Der Batteriespeicher-Markt nimmt an Fahrt auf. Inzwischen sind in deutschen Haushalten rund 34.000 Speicher installiert. Für Gero Lücking, Geschäftsführung Energiewirtschaft bei LichtBlick, allemal ein Grund zu jubeln. Die weiteren Themen der Woche sind die geplante EEG-Reform und die Gefahr der Ent- statt Beschleunigung der Energiewende sowie der Roll-out der Smart Meter.

Markt für Batteriespeicher entwickelt sich rasant, Foto: LichtBlick
Markt für Batteriespeicher entwickelt sich rasant, Foto: LichtBlick

Erfolgsmeldung für Batteriespeicher

Herr Lücking, die Zahl der Solarstrom-Speicher in Deutschland ist auf 34.000 gestiegen. Nicht viel für das Energiewendeland Deutschland – oder sehen Sie das anders?
Die Zahl ist eine einzige Erfolgsmeldung. 34.000 Batteriespeicher in weniger als drei Jahren – das ist ein tolles Wachstum. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir ganz am Anfang eines noch sehr jungen Marktes stehen. Deshalb sind die Zahlen positiv. 18 Prozent durchschnittliche Kostendegression pro Jahr, fast jede zweite Photovoltaikanlage wird mittlerweile mit einer stationären Batterie ausgestattet. Zudem darf man nicht vergessen, dass jede Batterie immerhin rund 10.000 Euro kostet. Das ist sehr viel Geld.

In einer SchwarmBatterie verbunden

Insofern ist es ein sehr ermutigendes Zeichen, wenn es schon so frühzeitig zu Beginn einer neuen Ära so viele private Enthusiasten gibt, die in Speicher und damit in die dezentrale Energiewende investieren. Lichtblick arbeitet zudem intensiv daran, diese Vielzahl an Batterien zu einer großen SchwarmBatterie virtuell zusammenzuschalten, um sie so noch effizienter in die Energiemärkte integrieren zu können. Deutschland ist hier sicherlich auch wieder Vorreiter für die Welt.
Regulatorisch ist wichtig, dass Speicherbatterien – egal ob sie stationär sind oder in E-Fahrzeugen „mobil“ – nicht als Letztverbrauch im Sinne von Paragraf 5 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und Paragraf 3 des Energiewirtschaftsgesetzes eingeordnet werden. Sie dürfen, wenn sie netz- und systemdienlich eingesetzt werden, nicht mit Entgelten, Umlagen und Abgaben belastet werden.

Öffentlicher Druck für mehr Energiewende

Energiewende darf nicht ausgebremst werden, Foto: PantherMedia
Energiewende darf nicht ausgebremst werden, Foto: PantherMedia

Für den 2. Juni planen die Verbände der Erneuerbaren-Branche eine Großdemonstration gegen die EEG-Reform. Zugleich werden Pläne aus dem Finanzministerium bekannt, nach denen etwa Supermärkte und Wohnungsbau-Genossenschaften rückwirkend Stromsteuer zahlen sollen. Ein Grund mehr, auf die Straße zu gehen?
Ja, die Großdemo ist offenbar dringend notwendig. Die Signale aus der Regierung gehen doch sehr gegen die Energiewende. Öffentlicher Druck muss her. Die Regierung konterkariert ihre eigenen Ziele. Es scheint mehr Phantasie darauf verschwendet zu werden, zu überlegen, wie die Energiewende ausgebremst und verlangsamt werden kann, als diese zu befördern und zu beschleunigen. Der Denkansatz, die Herangehensweise scheinen grundsätzlich falsch zu sein.
Es kann nicht angehen, dass immer neue Regelungen erfunden werden, um denjenigen, die die Energiewende durch ihr eigenes Handeln und ihre eigenen Investitionen voranbringen und ihr zum Erfolg verhelfen, Steine in den Weg zu legen und Investitionen immer unattraktiver und teurer zu machen.

Zielsetzungen neu justieren

Das Gegenteil müsste der Fall sein: Diejenigen, die helfen, die regierungseigenen Ziele zu erreichen, müssen aktiv unterstützt werden. Diesen Akteuren muss der Weg bereitet werden, müssen Steine aus dem Weg geräumt werden. Und denjenigen, die durch das Festhalten an alten Geschäftsmodellen wie Kohleverstromung die Ziele von Klimaschutz und Energiewende torpedieren, müssen besteuert und bestraft werden. Eine machtvolle Demonstration kann hier sicher helfen, die Zielsetzungen und Denkansätze nochmal neu zu justieren.

Optimal für die Energiewende - Batterien in E-Autos, Foto: LichtBlick
Optimal für die Energiewende – Batterien in E-Autos, Foto: LichtBlick

Smart Meter auch für E-Autos

Und was war Ihre Überraschung der Woche?
Im Digitalisierungs- und Messstellenbetriebsgesetz sind Elektrofahrzeuge vom Rollout intelligenter Zähler eigentlich bis Ende 2020 ausgeschlossen. Das Motiv für diese Regelung war, die Nutzer eines teuren, aber innovativen Elektrofahrzeugs nicht zusätzlich mit den Kosten für den Smart Meter zu belasten. Mit der jetzigen Verabschiedung des Förderprogramms für E-Fahrzeuge, mit dem jeder Käufer eines solchen reinen Elektroautos nun 4.000 Euro vom Staat geschenkt bekommt, sollte diese Ausnahmeregelung fallengelassen werden. Denn für diejenigen, die sich für ein solches Fahrzeug entscheiden können und jetzt noch einen stolzen Betrag vom Staat erhalten, fallen die Mehrkosten für einen intelligenten Zähler nun wirklich nicht mehr ins Gewicht.

Geld verdienen mit dem E-Auto

Energiewirtschaftlich hat die Ausnahmeregelung noch nie Sinn gemacht. Gerade E-Fahrzeuge mit ihren Batterien bieten ein wunderbares Optimierungspotenzial für die Integration erneuerbarer Energien in den Markt.
Wer hätte nicht gerne am Sonntag, dem 8. Mai, ein Elektroauto gehabt und damit für jede getankte Kilowattstunde noch bis zu 13 Cent geschenkt bekommen? Denn an diesem Sonntag hätte man Geld dafür erhalten, dass man gezielt und zusätzlich Strom den Netzen entnommen hätte. Um sich aber so systemdienlich für die Energiewende verhalten zu können, sind Smart Meter und intelligente Messsysteme eine Grundvoraussetzung. Sie sollten – wie auch für alle Haushalte ohne E-Fahrzeuge – verpflichtend eingeführt werden.


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