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Lückings Woche: Dienliche Batteriespeicher

Batterien können mehr als nur Sonnenstrom vom Dach speichern - sie sind relevant für die Energiewende, Foto: LichtBlick
Batterien können mehr als nur Sonnenstrom vom Dach speichern – sie sind relevant für die Energiewende, Foto: LichtBlick

Mit der EEG-Reform soll der Ausbau der Erneuerbaren gedeckelt werden – doch gleichzeitig müssen die Klimaziele von Paris erreicht werden. Paradox und kontraproduktiv, findet Gero Lücking, Geschäftsführung Energiewirtschaft bei LichtBlick. Doch das ist nicht die einzige Baustelle. Auch beim Thema Batteriespeicher sieht Gero Lücking erheblichen Verbesserungsbedarf.

Erneuerbare nicht deckeln und Batteriespeicher anerkennen

Herr Lücking, Politiker aller Bundestags-Parteien haben in dieser Woche appelliert, die Energiewende zu beschlenigen. Was halten Sie in dem Zusammenhang von der kommenden EEG-Reform?
Auch viele Umweltverbände fordern, den EEG-Ausbau nicht zu deckeln. Sonst sind die gerade in Paris beschlossenen Klimaziele nicht zu erreichen – das sehe ich genauso. Wir müssen in Deutschland den Ökostrom-Ausbau so zügig wie möglich vorantreiben. Eine Ausbaugrenze bei 45 Prozent erneuerbarem Strom bis 2025 einzuziehen ist kontraproduktiv.

Wir haben bei Lichtblick zudem eine Initiative gestartet, die sich ein anderes Thema der aktuellen EEG-Reform vornimmt. Mit den Unternehmen SMA Sonnen, Varta und Fronius setzen wir uns für Änderungen der gesetzlichen Regelungen für Stromspeicher und Batterien ein.

Batteriespeicher werden bei einem system- und netzdienlichen Einsatz zu einer tragenden Säule der Energiewende. Sie gleichen die schwankende Einspeisung der Erneuerbaren aus. Sie stabilisieren die Netze und senken die Kosten des Netzausbaus. Und sie erbringen wichtige Systemdienstleistungen wie etwa die Bereitstellung von Regelenergie, um Schwankungen im Stromsystem auszugleichen. So tragen sie zur Versorgungssicherheit bei.

Speicher dürfen, wenn sie netz- beziehungsweise systemdienlich eingesetzt werden, deshalb nicht länger mit Entgelten, Umlagen und Abgaben belastet werden. Um das zu ändern, dürfen sie gesetzlich nicht mehr als Letztverbrauch eingeordnet werden.

Mit Speichern 90 Mio. Euro einsparen

Intelligente und vernetzte Batteriespeicher können – wie das Forschungsinstitut Prognos gerade nachgewiesen hat – allein in Süddeutschland die Kosten des Netzausbaus um mehr als 90 Millionen Euro pro Jahr senken. Werden zudem die Batterien von Elektromobilen in den Strommarkt integriert, kann das die Wirtschaftlichkeit der E-Fahrzeuge deutlich erhöhen. So werden zusätzliche Kaufanreize geschaffen, ohne dass milliardenschwere Förderprogramme aufgesetzt werden müssen.

Auch Bundesrat, Bundestag und die großen Energieverbände wollen, dass Speicher zu einer eigenständigen Säule im Energiesystem werden. Deshalb erwarten wir, dass die Bundesregierung bis zum Sommer in den aktuell diskutierten Gesetzen – vor allem jetzt im EEG 2016 – die nötigen Änderungen vornimmt.

Vattenfall-Verkauf kein Kohleausstieg

Der Verkauf der Lausitz-Kohle an EPH - ein Rückschlag beim Kohleausstieg?, Foto: PantherMedia
Der Verkauf der Lausitz-Kohle an EPH – ein Rückschlag beim Kohleausstieg?, Foto: PantherMedia

Nach wochenlangen Spekulationen ist nun klar: Vattenfall verkauft sein Braunkohlegeschäft an die tschechische EPH. Befürchten Sie auch, dass das den Kohleausstieg weiter verhindert?
Ein Eigentümerwechsel verhindert nicht den Kohleausstieg. Dieser muss von der Politik und der Gesellschaft vorangetrieben und durchgesetzt werden. Betreiber von Tagebauen und Kohlekraftwerken werden sich naturgemäß gegen solche Pläne wehren – unabhängig davon, ob sie Vattenfall mit dem schwedischen Staat als Gesellschafter heißen oder EPH mit einer vermögenden tschechischen Privatperson als Eigentümer.

Trotzdem verschlechtert der jetzige Eigentümerwechsel die Situation. Denn beim schwedischen Staat hatte man in Bezug auf die Rekultivierung und die Übernahme der dabei entstehenden Kosten noch die berechtigte Hoffnung, dass er sich seiner Verantwortung bewusst ist und sich an diesen Folgekosten zumindest anteilig beteiligt. Das kann man bei EPH so sicher nicht feststellen.

Vattenfall zieht sich aus der Verantwortung

Ganz im Gegenteil: In dem Moment, in dem die betroffenen Bundesländer oder die Bundesregierung Kostenbeteiligungen und finanzielle Beiträge zur Rekultivierung aufrufen und geltend machen, werden die Tochtergesellschaften der EPH, die die Tagebaue in Deutschland betreiben werden, Insolvenz anmelden. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Ein Rückgriff auf das Vermögen des tschechischen Milliardärs und Eigners wird ausgeschlossen sein. Darauf werden Anwälte achten, die jetzt die Firmenkonstruktionen zu gestalten haben. Dafür werden sie bezahlt.

Insofern verteuert der jetzige Deal von Vattenfall die Kosten des Kohleausstiegs für die deutschen Steuerzahler. Die müssen am Ende die Zeche zahlen. Vattenfall kann froh sein, sich in letzter Minute noch aus der Verantwortung stehlen zu können. Denn noch mal wird man wohl keinen Käufer für ein solches Auslaufgeschäft finden.

Den Landesregierungen wiederum ging es im Rahmen des jetzigen Verkaufsprozesses in erster Linie um den kurzfristigen Arbeitsplatzerhalt, der nun gesichert scheint. Finanzierungsfragen der Rekultivierung, die erst ein paar Landtagswahlen später relevant werden, genießen keine politische Priorität.

Gero Lücking antwortet regelmäßig auf Fragen unseres Medienpartners klimaretter.info.


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