MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Vattenfall-Irrtum und Tesla-Revolution

Die vergangene Woche stand bei LichtBlick ganz im Zeichen der Tesla-Kooperation. Mit der Entwicklung preiswerter Solarbatterien und deren Einbindung in die Strommärkte stellen Tesla und LichtBlick die etablierte Energiewelt auf den Kopf. Hierzu passen auch die beiden weiteren Themen, die Gero Lücking, Geschäftsführung Energiewirtschaft bei LichtBlick, vergangene Woche beschäftigt haben: Der Irrtum Vattenfalls am konventionellen Energiemarkt festzuhalten, obwohl dieser sich längst gewandelt hat sowie die Ausschreibungen für Solaranlagen, deren Start eher als verhalten zu bezeichnen ist.

Energiewende ignoriert

Braunkohle Tagebau in der Lausitz, Foto: Christian Mang, Greenpeace
Braunkohle Tagebau in der Lausitz, Foto: Christian Mang, Greenpeace

Dass der schwedische Staatskonzern Vattenfall seine deutsche Braunkohlesparte verkauft, scheint sicher. Glauben Sie, dass sich tatsächlich ein Käufer finden wird?
Man möchte Vattenfalls Braunkohlesparte nicht einmal geschenkt bekommen. Vattenfall hat den Verkaufsprozess viel zu spät eingeleitet. Das Management glaubte in alter Tradition, dass es die Energiewende ignorieren oder verzögern und noch viele Jahre Geld mit Kohle verdienen kann. Jetzt sprechen die ökonomischen Daten eine so deutliche, andere Sprache, dass das Management die Energiewende und die dadurch ausgelöste Zeitenwende nicht länger leugnen kann.
Auch die am eigenen Leib erfahrenen Milliardenverluste aus dem gerade erst in Betrieb genommenen Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg beschleunigen diesen Lernprozess enorm. Auch so eine Entscheidung, bei der die Energiewende ignoriert wurde. Jetzt könnte es zu spät sein. Vattenfall kann froh sein, wenn sich noch ein Dummer findet, der heute in Braunkohle investiert und dafür einen Cent gibt.

Renaturierung gesichert?

Spannend wird es auch bei der Frage der Renaturierung. Denn wenn die Betreiber mit ihren Braunkohle-Gesellschaften – ob nun Vattenfall oder ein neuer Investor – früher oder später insolvent gehen werden, stellt sich die Frage, wer die Millionen- und Milliardenbeträge aufbringen soll, die zur Renaturierung der geschundenen und zerstörten Landschaften über Jahrzehnte notwendig sein werden. Hier gibt es eine enge Analogie zu den Atomrückstellungen. Nur wird das Problem hier öffentlich nicht so breit diskutiert.

Ausschreibungen teurer als Einspeisevergütung

Die erste Probe-Ausschreibungsrunde für neue Solaranlagen ist gelaufen. Das Ergebnis: Der Ausbau wird teurer, als es mit den alten garantierten Einspeisevergütungen der Fall gewesen wäre. Überrascht Sie das?
Nein, es überrascht nicht. Die im EEG für Freiflächenanlagen festgelegte Vergütung lag bei 8,4 Cent pro Kilowattstunde. Das Ergebnis der Ausschreibung lautet jetzt 9,02 Cent pro Kilowattstunde. Die Kosten haben sich also erhöht. Die Ziele, die der Gesetzgeber mit der Einführung des Ausschreibungsmodells verfolgt, konnten nur sehr eingeschränkt erreicht werden: bessere Planbarkeit beim Ausbau, Berücksichtigung von Aspekten der Netzkonformität beim Zubau und natürlich die Kostensenkung. Das letzte, das zentrale Ziel wurde sogar klar verfehlt. Die Kosten des Ausbaus und damit die Kostenbelastung auf die EEG-Umlage werden so nicht reduziert.

Sind Ausschreibungen zielführend?

Man wird sich also die Frage stellen müssen, ob das Instrument der Ausschreibungen wirklich zielführend ist. Hinzu kommen zwei weitere Aspekte:

In Deutschland haben die ersten Ausschreibungen für PV-Freiflächen statt gefunden, Foto: PantherMedia
In Deutschland haben die ersten Ausschreibungen für PV-Freiflächen statt gefunden, Foto: PantherMedia

Erstens ist im EEG ohnehin der „atmende Deckel“ eingeführt worden. Das heißt, geht der Ausbau über den im EEG definierten Ausbaukorridor hinaus, sinkt die Vergütung automatisch. So soll und wird Geschwindigkeit aus dem Zubau genommen. Es gibt also bereits ein Regularium gegen zu hohe Gesamtkosten.
Zweitens wird in dem jetzigen Ausschreibungsverfahren eine Bundesbehörde Teil des Prozesses und Fördersystems, die Bundesnetzagentur. Das erhöht die rechtlichen Risiken in der Diskussion mit der EU, ob es sich beim EEG um eine staatliche Beihilfe handelt oder nicht. Man geht also unnötigerweise zusätzliche Risiken ein, die man gerade in Hinblick auf die Einwände der EU eigentlich unbedingt vermeiden wollte.
Fazit: Gegen „ausufernde“ Kosten gibt es bereits heute das Instrument des „atmenden Deckels“. Warum dann zusätzlich das Ausschreibungsverfahren, das die selbstgesteckten Ziele nicht erreicht und sowohl die Kosten als auch die rechtlichen Risiken erhöht? Die politische Diskussion ist eröffnet.

Die Kooperation mit Tesla

Die Lilfestyle-Batterie wird in verschiedenen Farben angeboten. Foto: LichtBlick
Die Lilfestyle-Batterie wird in verschiedenen Farben angeboten. Foto: LichtBlick

Und was war Ihre Überraschung der Woche?
Für uns stand diese Woche die erfolgreiche Kooperation mit Tesla im Vordergrund. Die Nachfrage bei Haushalten, Gewerbe und Industrie nach stationären Batterien wird in den Zeiten der Energiewende enorm sein. Noch dazu, wenn die Preise weiter so sinken, wie wir es in der Vergangenheit erlebt haben und wie sie sich jetzt mit der Tesla Powerwall fortsetzt.
Unser Beitrag wird die Integration dieser dezentralen Speicher in die Energiemärkte sein. Das Wort „Revolution“ war nicht selten in den Medienberichten und Kommentaren zu unserer Kooperation zu lesen. So langsam scheint es auch den Letzten zu dämmern. Der Markt wird sich sehr schnell und sehr fundamental verändern. Er wird kippen. Das, was wir bisher gesehen haben, war erst der Anfang.

Gero Lücking antwortet regelmäßig auf Fragen unseres Medienpartners klimaretter.info.


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