MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Wettbewerb am Strommarkt, E.ONs Bespitzelungen und ein Pilotprojekt in Brandenburg

Der Strommarkt verträgt Wettbewerb - vor allem wenn die Kunden davon profitieren, Foto: PAntherMedia
Der Strommarkt verträgt Wettbewerb – vor allem wenn die Kunden davon profitieren, Foto: PantherMedia

Alle fünf  Wochen stehe ich dem unabhängigen Onlinemagazin www.klimaretter.info Frage und Antwort zu Energiepolitik und Klimawandel. Mit dazu gehört auch immer die Frage nach der “Überraschung der Woche”. Hier nun das Interview vom 17. Februar 2011 in voller Länge:

Auf Klimaretter.info wirbt zur Zeit der Oldenburger Ökostromanbieter Naturwatt – an dem zu 80 Prozent das Energieunternehmen EWE beteiligt ist. Fürchtet Licktblick die neue Konkurrenz im Norden?

LichtBlick hat den Wettbewerb maßgeblich mitgestaltet

Nein. Wir sind im Wettbewerb groß geworden und haben den Wettbewerb maßgeblich mit gestaltet. Im Oktober 1999 haben wir mit der Versorgung von acht Haushaltskunden die Konkurrenz zu neunhundert Stromversorgern aufgenommen. Inzwischen versorgen wir über 550.000 Haushalte mit Ökostrom und Gas. So haben wir uns zum größten Öko-Energieanbieter in Deutschland entwickelt. Allein letztes Jahr sind wir im Umsatz um 26 Prozent gewachsen. Naturwatt kennen wir schon lange.

Und im übrigen: Lassen Sie mich doch auf diesem Wege den Mitherausgeber von Klimaretter.info und Vorstandskollegen der EWE, Herrn Dr. Brinker, herzlich grüßen.

Die Bespitzelung von Umweltaktivisten in Großbritannien

E.ON hat in Großbritannien Umweltaktivisten bespitzeln lassen. Wie wäre es, wenn LichtBlick, Naturstrom und Co. auch mal die Kohlelobby durchwandern würden?

Nein, das kommt nicht in Frage. Wir sind doch seriös!

Dem Ölunternehmen Chevron könnte es an den Kragen gehen: Wegen Umweltverschmutzungen soll der Konzern in Ecuador sechs Milliarden Euro zahlen. Der Streit wird allerdings schon seit Jahren vor den Gerichten ausgetragen. Wie wird er ausgehen?

Es wird einen Vergleich geben. Chevron wird irgendeinen Betrag kleiner sechs Milliarden Euro zahlen und im Gegenzug eine Zusage erhalten, um – natürlich mit Auflagen – im wesentlichen so weiter machen zu können wie bisher.

Intelligente und ökologische Nutzung von Lärmschutzwänden

Brandenburg plant als Pilotprojekt, Photovoltaikanlagen als Lärmschutzwände an Autobahnen einzusetzen. Fördert die Solarindustrie damit nicht die Auto- und Ölindustrie?

Nein. Bitte nicht Ursache und Wirkung verdrehen. Der Lärmschutz muss wegen der Verkehrsbelastung so oder so gebaut werden. Statt weitere Flächen zu versiegeln, macht es natürlich Sinn, ohnehin notwendige Bauwerke intelligent zu nutzen. Und schöner werden die Lärmschutzwände damit vermutlich auch.

Brandenburg hat sich übrigens zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 20 Prozent seines Primärenergieverbrauchs regenerativ zu decken. Stolze 17 Prozent sind heute schon erreicht. Der bundesdurchschnittliche Vergleichswert liegt bei etwa acht Prozent. Biomasse trägt mit zwei Drittel und Wind mit über einem Viertel bei. Nur bei der Fotovoltaik hinkt das Land ordentlich zurück. Von den 2.800 Megawatt Solaranlagen (Zielwert für 2020) sind erst rund 200 Megawatt installiert. Da kann das Land noch ordentlich nachholen. Aber – nicht damit wir uns missverstehen – deswegen brauchen wir keine neuen Autobahnen in Brandenburg. Dächer gibt’s genug!

Die Überraschung der Woche

Und was war für Sie – aus energie- oder klimapolitischer Sicht – die Überraschung der Woche?

Ich bin mir sicher, dass desertec aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten die politischen Risiken des Megaprojektes nochmals völlig neu bewerten wird. Und in dem Zusammenhang stellt sich die Frage nach dem richtigen Konzept: dezentral oder zentral? Wir haben uns mit unseren ZuhauseKraftwerken für die dezentralen Lösungen inkl. Wertschöpfung und beeinflussbarerer Stabilität in Deutschland entschieden. desertec, die bis zu 17 Prozent des Strombedarfs in Europa aus den Wüstenregionen des Nahen Ostens decken wollen, werden bestehende Abhängigkeiten durch Neue ersetzen. Mit allen langfristigen politischen und wirtschaftlichen Risiken. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen stellen sich viele Fragen neu.

Und noch etwas finde ich interessant: die Elbflut in diesem Jahr hat sogar die Rekordmarke des Jahrhunderthochwassers im Jahr 2006 eingestellt. Damit hatten wir an der Elbe nach 2002 und 2003 schon das vierte Jahrhunderthochwasser in diesem noch jungen Jahrtausend. Interessant.


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