MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: „Weniger-ist-mehr-Bonus“

Weniger-ist-mehr-Bonus von LichtBlick, Foto: AlexanderStein, pixabay
Weniger-ist-mehr-Bonus von LichtBlick, Foto: AlexanderStein, pixabay

Alle fünf  Wochen stehe ich als Mitherausgeber dem unabhängigen Onlinemagazin www.klimaretter.info Frage und Antwort zu Energiepolitik und Klimawandel. Mit dazu gehört auch immer die Frage nach der “Überraschung der Woche”. Hier nun das Interview in voller Länge:

Unsere Philosophie heisst weniger ist mehr

Die Internationale Energieagentur hat weltweite Stromengpässe vorausgesagt: Die Staaten sollen sich um Energieeffizienz bemühen. Kann ein Ökostrom-Anbieter wie Lichtblick Energieeffizienzmaßnahmen propagieren?

Wir verfolgen nicht die Philosophie „viel hilft viel“. Wir möchten Kunden gewinnen, die bewusst, effizient und sparsam mit Energie umgehen. Jeder Kunde, der bei uns gegenüber seinem Vorjahresverbrauch 10 Prozent Energie einspart, wird nicht nur mit einer gesunkenen Energierechnung sondern auch mit zusätzlich 20 Euro belohnt. Wir nennen das den „Weniger- ist- mehr- Bonus“.

Die Bahn hat noch nicht bei uns angefragt

Die Bahn will 100 Prozent Erneuerbare Energien. Könnte Lichtblick überhaupt so viel liefern, wie die Bahn verbraucht?

Das Staatsunternehmen Bahn unterstützt mit diesen Zielen die neuen energiepolitischen Ziele der Bundesregierung. Das ist positiv. Im Herbst haben die großen Konzerne in Deutschland in bundesweiten Anzeigen die Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke gefordert. Jetzt stehen sie wie der Ochs vorm Berg. Die Bahn ist an Atomkraftwerken beteiligt und sucht jetzt die Flucht nach vorn.

LichtBlick und die Bahn kooperieren zwar im Rahmen des Prämienprogramms für BahnCard-Benutzer. Jeder BahnCard-Benutzer kann so bei einem Wechsel zu LichtBlick seine Prämien in attraktive Startguthaben tauschen. Bei der Strategie, den Anteil des regenerativen Stroms zu erhöhen, hat die Bahn LichtBlick aber noch nicht gefragt.

In Berlin trafen sich am vergangenen Wochenende Minister aus 35 Ländern, um den Klimaverhandlungen neuen Auftrieb zu geben. Geschafft haben sie das aus Beobachtersicht nicht – können wir den Klimagipfel im Dezember in Südafrika getrost ignorieren, oder sind einschneidende Ergebnisse zu erwarten?

Es ist ein langer und zäher Weg. Wir alle wünschten uns schnellere Fortschritte. Leider bleiben sie bisher aus. Trotzdem sollte man weiter reden und verhandeln. Zu diesem Weg gibt es keine Alternative.

Wenn man die Klimaverhandlungen mit dem Prozess des Atomausstiegs vergleicht, dann fragt man sich, ob auch hier erst eine Riesenkatastrophe vergleichbar des Dreifach-GAU’s in Fukushima passieren muss, bis sich Entscheidendes bewegt. Hoffen wir, dass es nicht erst so weit kommen muss.

Durch dezentrale Stromerzeugung kann Netzausbau vermieden werden

Die Regierung schwört uns ein: Wir brauchen neue Stromnetze, um die Energiewende zu bewältigen. Was sagen Sie Landschaftsschützern, die gegen Hochspannungsleitungen sind?

Das was die Regierung sagt, muss erst einmal von unabhängiger Seite geprüft werden. Die Bundesregierung bezieht sich im Wesentlichen auf ein Gutachten der Deutschen Energieagentur (dena). Das Gutachten hat die dena zusammen mit den Übertragungsnetzbetreibern erstellt. Die zugrunde gelegten Szenarien und Annahmen sind bis heute nicht veröffentlicht.

Als es um den Bau neuer Kohlekraftwerke und die Laufzeitverlängerung ging, propagierte die dena im Auftrag der Konzerne die Stromlücke. Jetzt sind acht Atomkraftwerke endgültig stillgelegt und von der Stromlücke redet, obwohl die neuen Kraftwerke längst nicht in Betrieb sind, kein Mensch mehr. Die dena hat massiv an Glaubwürdigkeit verloren. Deshalb sind die Aussagen zur Erweiterung der Stromnetze zu hinterfragen.

LichtBlick wird in Kürze ein Gutachten vorlegen, in dem wir darstellen, wie durch den gezielten Aufbau von dezentraler Erzeugung, zum Beispiel in ZuhauseKraftwerken, Netzausbau vermieden werden kann. Diese Möglichkeiten müssen systematisch erschlossen werden, bevor man Tausende Kilometer neue Stromtrassen durchs Land ziehen will.

Trotz allem ist unbestritten, dass Offshore-Windparks an die bestehenden Netze angeschlossen werden müssen. Dafür müssen Netze ausgebaut werden. Da der Ausstieg jetzt beschlossen ist, ist auch die Befürchtung, dass die Netze doch nur zum Abtransport von Atomstrom dienen, ein Stück weit nicht mehr aufrecht zu erhalten. Da jetzt das Langfristziel stimmt, steigt auch die Akzeptanz der Maßnahmen zum Netzausbau.

Die Überraschung der Woche

Und was war für Sie – aus klima- oder energiepolitischer Sicht – die Überraschung der Woche?

E.ON hat diese Woche eine Presseerklärung veröffentlicht, dass sie bis zum Jahr 2020 360 Blockheizkraftwerke (BHKW) in Betrieb nehmen wollen. Das sind 40 pro Jahr oder weniger als ein BHKW pro Woche. Es ließe sich anmerken, dass E.ON derzeit mehr Atomkraftwerke pro Woche außer Betrieb nimmt, als sie beabsichtigen, zukünftig BHKW’s in Betrieb zu nehmen.

Nur zum Vergleich: LichtBlick nimmt derzeit 40 ZuhauseKraftwerke pro Monat in Betrieb. Schon bald werden es 40 pro Woche sein. Mit E.ON  werden wir also die Energiewende nicht schaffen – aber das ist natürlich keine Überraschung.


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2 Kommentare

  • Ronald sagt:

    Naja, da kommt dann aber noch die Frage der Leistung der EON-BHKW in Frage. Aber nehmen wir mal an, es sind keine 30kW (wie die Zuhause-KW) sondern mal 200kW, dann wäre die installierte Leistung immer noch nur rund 12% der „Lichtblicke“.
    Zumal sich derzeit durch den „BHKW-Bonus“ im EEG eine hohe Anzahl „Trittbrettfahrer“ unter den BHKW´s rumtreibt, die Ihren Strom einfach nur einspeisen. Mit bedarfsgerechter Versorgung hat das alles nichts zu tun.
    Die nächste Frage ist, wenn bei Auftreten einer Stromlücke diese BHKW´s angeworfen werden, was passiert mit den rund 600kW Wärme? Werden dann auch tatsächlich soviel Pufferspeicher aufgeheizt oder ist es wieder nur eine energieverschwenderische Farce mit Öko-Stempel? Ich vermute daher wohl nicht zu unrecht, daß sich hinter dieser Ankündigung kein Konzept (schon gar kein umweltfreundliches) oder gar Businessplan, sondern zunächst einmal blanker Aktionismus (irgendwas müssen wir ankündigen) und ansonsten eher Ratlosigkeit verbirgt – für einen Energieversorger dieser Größe lächerlich!


  • Florian sagt:

    Über die E.ON-Ankündigung habe ich mich auch schon amüsiert. 360 BHKW in neun Jahren sind für den größten Energiekonzern Deutschlands ein Witz. http://www.eon-abschalten.de


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