MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Stromtarife, Stefan Mappus und Australien

Neue Stromtarife sollen Energiekosten senken, Foto: AlexanderStein
Neue Stromtarife sollen Energiekosten senken, Foto: AlexanderStein

Alle fünf  Wochen stehe ich dem unabhängigen Onlinemagazin www.klimaretter.info Frage und Antwort zu Energiepolitik und Klimawandel. Mit dazu gehört auch immer die Frage nach der “Überraschung der Woche”. Hier nun das Interview vom 6.  Januar 2011 in voller Länge:

 Neue Stromtarife geplant

Erstmals müssen Stromlieferanten in diesem Jahr zeitabhängige Tarife anbieten. Zu Spitzenzeiten wäre Strom dann teurer. Sparen Lichtblick-Kunden nun, wenn sie nachts ihre Wäsche waschen?

Wir bieten einen „Weniger-ist-mehr“-Bonus. Damit belohnen wir das Energie sparen. Wer gegenüber seinem Vorjahresverbrauch 10 Prozent Strom einspart, wird von uns mit 20 Euro belohnt. Zusätzlich zu dem Vorteil, der sich aus der geringeren Rechnung ergibt.

Für echte zeitabhängige Tarife fehlt derzeit leider der regulatorische Rahmen. Die Netzbetreiber verpflichten uns, Strom nach einem bestimmten Profil in die Netze einzuspeisen – unabhängig davon, wann der Kunde wieviel verbraucht. D.h. ein Mehrverbrauch in der Nacht und eine Entlastung zu Spitzenzeiten wird nicht belohnt. Die Netzbetreiber vereinnahmen diese Effizienzgewinne und geben sie nicht weiter. Deshalb haben wir uns für den einfachen und pauschalen „Weniger-ist-mehr“-Bonus entschieden. Damit sind wir schon viel weiter als diejenigen, die nach wie vor an der Energieverschwendung verdienen.

Ein Großteil der Energieunternehmen hat zum 1. Januar die Strompreise erhöht. Ist Lichtblick mitgezogen?

Unser Strompreis ist weniger stark gestiegen als die der anderen Anbieter. Wir haben unsere Marge nicht erhöht. Zudem haben wir sowohl Kostenpositionen, die gestiegen sind, als auch Kostenpositionen, die gefallen sind, gleichermaßen berücksichtigt. Das ist fair und transparent. LichtBlick-Strom ist wettbewerbsfähiger geworden.

Das italienische Plastiktütenverbot und der Dioxinskandal

In Italien sind seit dem 1. Januar Plastiktüten verboten, stattdessen soll nur noch Bio-Plastik, Papier oder Stoff über die Ladentheke gehen. Warum hat das Mülltrenn-Land Deutschland diesen Schritt noch nicht gewagt?

Vielleicht, weil Deutschland auch aus dem letzten „Dioxin in Futtermittel-Skandal“ keine Lehren gezogen hat?

Unternehmer rufen im Rahmen des neu gegründeten Klima-Bündnisses Baden-Württemberg zur Abwahl von Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) auf. Kommt die Renaissance des politischen Unternehmers?

Wir sind und waren schon immer ein politisches Unternehmen. Wir sind wertgetrieben und haben eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete unternehmerische Positionierung. Dafür haben wir im Dezember auch den Deutschen Nachhaltigkeitspreis erhalten. Wir bieten ausschließlich Produkte an, die die Energiewende voran bringen. Ökostrom, ein Gasprodukt, dem wir Biogas beimischen, und die ZuhauseKraftwerke, die hocheffizient Strom und Wärme erzeugen und regenerative Energie sinnvoll ergänzen. Wir schützen den Regenwald und engagieren uns für fairen Wettbewerb. Säßen wir in Baden-Württemberg würden wir jetzt sicher auch gegen die, die die Laufzeitverlängerung durchgesetzt haben, aufrufen. Jedes Unternehmen agiert in einem politischen Umfeld. Nicht nur für uns ist politisches Engagement eine Selbstverständlichkeit.

Die Überraschung der Woche

Und was war für Sie – aus klima- oder energiepolitischer Sicht – die Überraschung der Woche?

Überraschend ist für mich, wie genau die Prognosen der Klimaforscher eintreten. Extremwetterlagen in immer höherer Frequenz: letztes Jahr großflächige Waldbrände in Russland und extreme Dürren in Australien. Und jetzt mit dem „Jahrhunderthochwasser“ das gegenteilige Bild auf dem gleichen Kontinent. „Unsere“ CO2-Emissionen – Ursache für den Klimawandel – stammen zum großen Teil aus den Kohleminen Australiens.


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9 Kommentare

  • Gero Lücking sagt:

    Guten Morgen Herr Karusseit,

    im Haushaltskundenbereich sind die steuerbaren und beeinflussbaren Einsparpotentiale zu niedrig. Die Tiefkühltruhe in der Wohnung oder im Haus ist schon fast das einzige, was man in Stunden von Flaute und Bewölkung vom Netz nehmen könnte. Fernseher, Computer, und Beleuchtung sind nicht flexibel steuerbar, weil man natürlich nicht das Nutzerverhalten über die Strompreise steuern kann und will. Wenn die Sportschau oder der Tatort läuft, hat man keine Einspar- oder Steuermöglichkeiten. Das würden die Kunden nicht mitmachen. Und bei der Tiefkühltruhe steht der Aufwand der Steuerung in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zum erzielbaren Nutzen (Einsparung). Hinzu kommt, dass der reine Energiepreis des Strompreises nur rund 25 – 30 % ausmacht. Die Verluste der Standby-Schaltungen müsste der Kunde durch aktives Abschalten (die berühmte abschaltbare Steckerleiste) selber reduzieren. Anders sieht es im Gewerbe- und Industriebereich aus. Hier gibt es erhebliche Potentiale, die auch sinnvoll in Betriebsprozess integriert werden können und wirtschaftlich zu optimieren sind.

    Beste Grüße Gero Lücking


  • Gero Lücking sagt:

    Guten Morgen,

    das muss eine Fehlinformation oder ein Missverständnis sein. Wer erzählt so etwas? LichtBlick stellt weder die Strom- noch die Gasversorgung im Raum Köln oder anderswo ein. Wir versorgen weiterhin bundesweit. Von Sylt bis Garmisch und Aachen bis Zwickau. Sie brauchen sich keinen anderen Anbieter zu suchen, bleiben Sie Kunde. Wir freuen uns.

    Beste Grüße Gero Lücking


  • A.C. sagt:

    Hallo,
    leider kann man hier im Blog keine Fragen stellen, daher ein Kommentar: Warum stellt Lichtblick im Raum Köln (rechtsrheinisch) die Energieversorgung ein, so dass man jetzt RheinEnergie als Anbieter wählen muss? Es wäre schön, wenn man hier eine transparente, ehrliche Antwort bekommen könnte.
    Gruß
    A.C.


  • Torsten Karusseit sagt:

    Hallo Lichtblicker,
    ist denn schon Bewegung in die Entwicklung hin zu Tarifen mit echten variablen Strompreisen gekommen, wie beurteilen Sie die Situation ?
    Die technischen Einsparpotenziale sind so überzeugend, dass es nur schwer verständlich ist, dass von einer Realisierung nichts zu hören ist.
    Die Steuerung auf Verbrauchsseite liesse sich doch auch gut in Ihr Schwarmkraftwerk einbauen, oder sehe ich das falsch ?
    viele Grüße


  • Lacarian sagt:

    ^^ Danke sehr! *freu* ^^


  • Gero Lücking sagt:

    Hallo Lacarian,

    9,55 % Einsparung verdienen natürlich auch den Weniger ist Mehr-Bonus. Die 20 € werden mit der nächsten Turnusabrechnung gutgeschrieben. Herzlichen Glückwunsch.

    Schönes Wochenende
    Gero Lücking


  • Katinka Königstein sagt:

    Hallo Lacarian,

    vielleicht helfen Ihnen unsere Stromspartipps auf unserer Internetseite dabei dieses Jahr noch mehr Energie einzusparen und so den „Weniger-ist-mehr-Bonus“ zu erhalten:

    http://www.lichtblick.de/h/stromspartipps_179.php

    Schöne Grüße
    Katinka Königstein


  • Lacarian sagt:

    Schade, wir haben im letzten Jahr 9,55% Strom im Vergleich zum Vorjahr eingespart. Da haben wir nicht aufgepasst, sonst hätten wir einen zusätzlichen Stromspartag im Dezember eingelegt. Jetzt noch mal 10% einzusparen wird nicht leicht. Aber es geht uns auch weniger um den Bonus von 20 Euro als um die Sache selbst.


  • Michael Hartmann sagt:

    Zu Ihrem Weniger-ist-mehr-Bonus muss ich negativ bemerken, dass hier die Verschwender für ihr wieder sparsam werden belohnt werden.

    Wer schon (Kosten-)sparsam nach Lichtblick kommt, hat gar keine Möglichkeit mehr davon einen Nutzen zu ziehen, es sei denn er geht mit der Kerze ins Bett. Dann verbraucht auch der sparsame Kunde noch weniger. Nur einen bestimmten Verbrauch muss man als Normalbürger schon haben um eben doch den Lichtschalter zu nutzen. Zumindest in den Räumen wo man sich aufhält.


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