MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Obamas Klimapolitik, Energiegipfel und Reservekraftwerke in Deutschland

Vielleicht schärfen Naturkatastrophen, wie Sturm Sandy in den USA die Sensibilität für Klimaschutz, Foto: PublicDomain Pixabay, Hans
Vielleicht schärfen Naturkatastrophen, wie Sturm Sandy in den USA die Sensibilität für Klimaschutz, Foto: PublicDomain Pixabay, Hans

Gero Lücking antwortet regelmäßig auf Fragen unseres Medienpartners klimaretter.info

Nach einem US-Wahlkampf, in dem der Klimawandel durch den Jahrhundertsturm „Sandy“zuletzt doch noch zum Thema wurde , zieht Barack Obama für eine weitere Amtszeit ins Weiße Haus ein. Dürfen wir hoffen, dass sich nun endlich auch die USA am internationalen Klimaschutz beteiligen?

Auch wenn die Wiederwahl von Barack Obama im Vergleich zu einem Wahlsieg von Mitt Romney die Chance sicher erhöht, dass sich die USA den internationalen Klimaschutzbemühungen verbindlich anschließen, so bin ich doch skeptisch. Die Initiativen von Barack Obama in seiner letzten Amtszeit in diese Richtung waren auch leider vernachlässigbar. Der große Durchbruch ist nicht zu erwarten. Vielleicht steigen durch den Jahrhundertsturm und die dadurch entstandenen Kosten Sensibilität und Bewusstsein.

Ob das reicht, um die dringend notwendige Kehrtwende in der US-Politik zu bewirken, bleibt abzuwarten. Hinzu kommt, dass die Energiepreise in den USA gerade deutlich sinken. Grund hierfür ist die Erschließung der großen shale-gas-Vorkommen in Kanada und den USA. Die USA erleben dadurch eine Gasschwemme, die sogar dazu führt, dass mittlerweile Kohle aus den USA nach Europa exportiert wird. Billige Energiepreise sind sicher nicht die beste Voraussetzung dafür zu sparen, auf Energieeffizienz zu setzen und den Klimaschutz zu forcieren.

 Ausbau der Erneuerbaren: Schwierige Koordination von Bundesländern

Auf dem „Energiegipfel“ am vergangenen Freitag im Kanzleramt spürte  Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zwar schon einen positiven „Geist“, dass sich Bundesregierung und Bundesländer auf einen Masterplan für die Energiewende einigen können. Tatsächlich verfolgt aber jedes Bundesland seine eigenen Pläne zum Ausbau der Erneuerbaren. Warum fällt die Koordinierung so schwer?

Die Koordination fällt schwer, weil für viele Bundesländer wie z.B. Schleswig-Holstein, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern die Energiewende ein wichtiges Element in der Wirtschaftspolitik des Landes darstellt. Ein Einbremsen dieser Investitionsdynamik wollen sie unbedingt vermeiden. Es geht um Milliardeninvestitionen, Steuereinnahmen und viele Tausend Arbeitsplätze. Wenn Herr Altmaier die Geschwindigkeit der Energiewende an die Dynamik der Netzbetreiber koppeln will, begeht er einen entscheidenden Fehler. So käme alles zum Erliegen. Er sollte aus der Geschichte der Liberalisierung der Energiemärkte lernen. Den Liberalisierungsprozess hatte man 1998 im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtungserklärung in die Hand der etablierten Energiewirtschaft gelegt. Das war zum Scheitern verurteilt, weil sie kein Interesse an Wettbewerb hatten. Die Bundenetzagentur, als Regulierungsbehörde, musste etabliert werden. Seitdem verbessern sich die Rahmenbedingungen. Der Markt muss die Geschwindigkeit der Energiewende bestimmen, nicht das Netzmonopol, dass auf Konzerninteressen im Erzeugungsmarkt Rücksicht nehmen wird.

Power-to-Gas und Reservekraftwerke

Immer mehr Energieanbieter (zum Beispiel Greenpeace Energy , Eon und RWE) setzen auf die sogenannte „Power-to-Gas-Technologie“, mit der sich überschüssiger Strom aus Erneuerbaren in Form von Gas speichern lässt. Wird diese Technologie künftig teure Reservekraftwerke in Deutschland überflüssig machen?

Wir decken mit unseren ZuhauseKraftwerke Lücken bei der regenerativen Erzeugung. Wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, müssen andere Kraftwerke kurzfristig einspringen, um die Nachfrage decken zu können. Unsere ZuhauseKraftwerke können dies sehr flexibel und hocheffizient sicherstellen. Power to gas setzt dort an, wo wir mehr regenerative Erzeugung haben als Nachfrage. Dann soll Wind- und Sonnenstrom im Rahmen von Elektrolyseprozessen Gas erzeugen, das im Gasnetz ein- oder zwischengespeichert wird. Zu anderen Zeiten kann es dann zur Wärme- oder Stromerzeugung genutzt werden. Dies ist selbstverständlich besser, als die Windräder abzuschalten. Wir brauchen beide Ansätze. Reservekraftwerke können wir dadurch aber nicht ersetzen.

 Die Diskussion um den sehr teuren Ausbau der Offshore-Windenergie kommt nicht zur Ruhe. Nun zeigt der Abschlussbericht zum Windpark Alpha Ventus auch noch, dass Schweinswale durch den Baulärm schwer geschädigt und aus der Deutschen Bucht vertrieben werden. Brauchen wir die Stromerzeugung auf hoher See wirklich, um Deutschland erneuerbar versorgen zu können?

Die Nutzung der Offshore-Windkraft steht auch deshalb in der Kritik, weil sie so teuer ist. Sowohl die Windenergienutzung an Land als auch die Fotovoltaik auf den Dächern unserer Häuser ist mittlerweile billiger als die Nutzung der Windkraft auf See. Da die Potentiale an Land auch groß genug sind, stellt sich immer mehr die Frage des Warum. Die Offshore-Windenergienutzung ist auch ein Geschenk der Politik an die großen Stromoligopolisten. Sie sehen hier ihre Chance, die zentrale Stromerzeugung, die sie bisher in Atom- und Kohlekraftwerken durchgeführt haben, in die Zeit der Energiewende zu retten. Ich denke schon, dass man auch die Technologie der Offshore-Windenergie entwickeln und nutzen sollte. Auch wegen der Exportfähigkeit der Technologie. Weltweit sind die Offshore-Potentiale gigantisch. Deshalb wird die globale Energiewende auch nicht ohne Offshore-Wind auskommen. In Deutschland sollte man sie aber nur in Maßen ausbauen, um die Kosten nicht weiter unnötig zu treiben. Nicht nur die Schweinswale werden es uns danken.

Überraschung der Woche

 Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Überraschend ist, dass die Bundesregierung beabsichtigt, im Frühjahr Vorschläge zur Neuregelung des EEG vorzulegen. Es geht dann in den Wahlkampf bzw. wir werden im Frühjahr schon mitten im Wahlkampf sein. Egal also, was sie vorlegen wird, parlamentarische Mehrheiten wird es nicht mehr geben. Insofern muss man es wohl als reine Ankündigung nach dem Energiegipfel ansehen. Irgendetwas musste man der interessierten Öffentlichkeit ja präsentieren …


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1 Kommentar

  • Andreas sagt:

    Obama wird das tun, was alle Politiker (Staatsdiener der Oberen) tun:
    Er wird SCHÖN reden und SCHLECHT handeln.


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