MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Kohle-Werbekampagne, Start des Klimagipfels und widersprüchliche Meldungen zur Atompolitik

Regierung spricht sich im Wahlkampf für Kohle aus, Foto: PantherMedia
Regierung spricht sich im Wahlkampf für Kohle aus, Foto: PantherMedia

Alle fünf  Wochen stehe ich als Mitherausgeber dem unabhängigen Onlinemagazin www.klimaretter.info Frage und Antwort zu Energiepolitik und Klimawandel. Mit dazu gehört auch immer die Frage nach der “Überraschung der Woche”. Hier das aktuelle Interview.

Elektromobilität in Frankreich und Deutschland

Die französische Regierung hat diese Woche mit einer Großbestellung von (einheimischen) Elektroautos Industriepolitik gemacht. Hielten Sie einen solchen Anschub auch in Deutschland für sinnvoll?

 

Eine solche Entscheidung käme derzeit in Deutschland zu früh. Den deutschen Autoherstellern – so unsere Einschätzung – geht Qualität in der Entwicklung und im Produkt vor Schnelligkeit. Deshalb haben sie noch keine alltagstauglichen E-Fahrzeuge im Angebot. Bisher sind nur Prototypen im Einsatz, die unverhältnismäßig teuer sind. Diese Entwicklungsstrategie kostet Zeit, die auch durch eine Großbestellung zum jetzigen Zeitpunkt nicht maßgeblich verkürzt werden könnte. Die Bundesregierung sollte dann Fahrzeuge im großen Stil bestellen, wenn Fahrzeuge deutscher Hersteller verfügbar sind.

Um Umweltvorteile gegenüber effizienten Dieselfahrzeugen erreichen zu können, bedarf es zudem glaubwürdiger Konzepte und Geschäftsmodelle, die die E-Fahrzeuge so in den Strommarkt integrieren, dass sie regenerativ betankt und zudem die Batterien nicht nur zur Mobilität sondern auch zum Last- und Netzmanagement intelligent genutzt werden.

Die Werbekampagne des Wirtschaftsministeriums für Kohlekraftwerke

Das Bundeswirtschaftsministerium hat eine Werbekampagne gestartet, die Akzeptanz auch für Kohlekraftwerke schaffen soll. Haben die sie noch alle?

Ich habe von dieser Kampagne noch nichts mitbekommen. D.h. sie scheint nicht sehr präsent zu sein und ihre Zielgruppen nicht zu erreichen. Bei einer falschen Werbebotschaft ist das also eine gute Nachricht. In der Tat fragt man sich aber, ob denen nichts Besseres einfällt. Wer ist nochmals Wirtschaftsminister?

Startschuss für Schlichtungsstelle Strom und Gas

Diese Woche startete eine unabhängige Schlichtungsstelle für Streitfälle zwischen Energieversorgern und Kunden? Wie oft kommt es zu solchen Konflikten? Und warum gab es solch eine Schlichtungsstelle nicht längst?

Da LichtBlick das Strom- und Gasunternehmen mit den zufriedensten Kunden ist, können wir davon ausgehen, dass wir bzw. unsere Kunden die Schlichtungsstelle nicht oft werden kontaktieren müssen. Gerade letzte Woche hat Focus Money LichtBlick als StromFAIRsorger ausgezeichnet. Bei keinem Versorger klappt der Kundenwechsel so reibungslos und kundenfreundlich wie bei LichtBlick.

Die Schlichtungsstelle ist für die Kunden, die bei den Billigstrom- und -Gasanbietern wie TelDaFax Schiffbruch erleiden. Sowohl weil der Wechsel nicht klappt als auch weil Abrechnungen unverständlich, intransparent und mangelhaft sind und gezahlte Kautionen nicht zurückerstattet werden.

Mit der Schlichtungsstelle macht man im Strom- und Gasmarkt das, was es für Versicherungen, den Nah- und Fernverkehr, den Reisemarkt etc. schon lange gibt. Auch diese Maßnahme geht wiederum auf die EU zurück, die nach wie vor Motor der Liberalisierung der Energiemärkte ist und dabei die Verbraucher nie aus den Augen verliert. Eine weitere Vorgabe der EU im Interesse der Verbraucher ist, dass der Anbieterwechsel jetzt nur noch drei (statt bisher vier) Wochen in Anspruch nehmen soll. Auch dies wird jetzt in Deutschland umgesetzt – übrigens gegenüber der Vorgabe der EU mit mehr als einem Jahr Verzögerung.

Start des UN-Klimagipfels in Durban

Ende des Monats startet in Durban der diesjährige UN-Klimagipfel. Was erwarten Sie von der Veranstaltung?

Angesichts der internationalen Schulden-, Währungs- und Finanzmarktprobleme scheint der Klimagipfel nicht nur medial unter zu gehen. Die Regierungen beschäftigen sich mit anderen Themen als dem Klimawandel. Vielleicht ist das die Chance, auf der Arbeitsebene in der Sache konstruktiv und fernab von politischen Schaukämpfen ein paar Schritte weiter zu kommen. Allerdings wird ohne öffentlichen Druck auch nichts passieren. Der internationale Klimaschutz ist mittel- und langfristig jedenfalls das deutlich wichtigste Thema im Vergleich zu dem, was derzeit Politik und Medien beschäftigt. Traurig eigentlich, dass es so ist wie es ist, insbesondere wenn man sich vor Augen führt, welchen Energiehunger sieben Milliarden Menschen haben werden.

Das Atomthema wird uns noch sehr lange beschäftigen

Und was für Sie die Überraschung der Woche?

Die Widersprüchlichkeit der Meldungen zur Atompolitik ist immer wieder überraschend. Japan forciert international die Gespräche, um japanische Atomtechnologie zu exportieren. Des Weiteren hat Tepco die Situation in Fukushima nach wie vor nicht im Griff. Weit mehr radioaktives Material ist durch die Katastrophe entwichen, als bisher zugegeben. Tepco weiß nicht, was im Inneren der havarierten Reaktoren passiert, weitere Kernschmelzen sind im Gang oder drohen. Das zeigt, dass noch immer keine kontinuierliche Kühlung der zerstörten Meiler aufgebaut werden konnte. Weitere Meldungen: Belgien denkt über den Atomausstieg nach, Frankreich isoliert sich in der EU zusehends angesichts seiner Atompolitik, die Atomdiskussion wird in Frankreich Wahlkampfthema. Und am ersten Advent rollt ein weiterer Castortransport ins Wendland. Das Atomthema wird uns noch sehr lange in sehr widersprüchlicher Art und Weise beschäftigen.


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1 Kommentar

  • wunderbar1024 sagt:

    Hallo Herr Lücking,
    Sie schreiben, dass uns das Atomthema noch lange beschäftigen wird. Die ZEIT befürchtet das auch, aber noch ganz anders als sie. Sie titelt im Wirtschaftsteil der aktuellen Ausgabe „Kehrt die Atomkraft zurück?“. Angeblich läuft es mit der Energiewende nicht, und darum könnte es in wenigen Jahren doch wieder zu einer Laufzeitverlängerung kommen. Was meint Lichtblick dazu? Ist das Schwarzmalerei? Oder versemmelt die Politik die Energiewende? Ich bin gespannt auf Ihre Meinung…


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