MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Ethik-Komission, Stromanbieter-Wechsel und Fukushima

Bundesbürger setzen auf Ökostrom, Foto: PublicDomainPicture Pixabay, RalphGL
Bundesbürger setzen auf Ökostrom, Foto: PublicDomainPicture Pixabay, RalphGL

Alle fünf  Wochen stehe ich als Mitherausgeber dem unabhängigen Onlinemagazin www.klimaretter.info Frage und Antwort zu Energiepolitik und Klimawandel. Mit dazu gehört auch immer die Frage nach der “Überraschung der Woche”. Hier nun das Interview vom vergangenen Samstag in voller Länge:

Ein historischer Tag für Deutschland: Am Dienstag produzierten solare Kraftwerke zum ersten Mal mehr Strom als die Atomkraftwerke. Werden wir das jetzt häufiger erleben?
Das hoffen wir. Atomstrom ist unverantwortbar. Es ist unfassbar, dass es erst soweit kommen musste.

 Keine Spielräume für Taktierereien

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine Ethik-Kommission einberufen, die sich mit den gesellschaftlichen Risiken der Atomkraft befassen soll. Sitzen die richtigen Leute darin?
Da Herr Töpfer den Vorsitz der Kommission hat, mache ich mir um die Ergebnisse keine Sorge. Es ist ja keine Kommission, die die Atomkraftgegner mit noch besseren Argumenten ausrüsten soll, sondern eine Kommission, die vor allem Frau Merkel selbst braucht. Sie muss ja die Kritiker und Hardliner aus den eigenen Reihen besänftigen und überzeugen. Dafür ist es gut, wenn in der Kommission Menschen sitzen, die bisher nicht als Atomkraftkritiker aufgefallen sind und eine hohe Glaubwürdigkeit in den Reihen der CDU genießen.
Frau Merkel muss allerdings eins klar sein: für Wahlkampfspielchen und Taktierereien gibt es angesichts der Katastrophe in Japan keinerlei Spielräume. Deshalb muss sie auch ungeachtet der Ergebnisse des Moratoriums und der Experten- und Ethikkommissionen, das, was sie richtigerweise veranlasst hat, nämlich im ersten Schritt die ältesten sieben Atomkraftwerke abzuschalten, kurzfristig in ein Gesetz gießen. Sie muss die Stilllegung rechtsverbindlich machen. Damit es kein zurück geben kann. Daran werden wir sie messen.

Stromanbieter-Wechsel ist Signal für Energiewende

Immer mehr Deutsche sind bereit, mehr Geld zu zahlen, um den Abschied von der Atomkraft zu beschleunigen. Treibt es tatsächlich die Energiewende in Deutschland voran, wenn immer mehr Menschen zu Ökostromanbietern wechseln? Gibt es hier überhaupt genügend Ökostrom?
Wir sind im Strommarkt weit davon entfernt, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt. Das hat damit zu tun, dass ein Markt der hundert Jahre monopolistisch geprägt war, nicht von heute auf morgen umgekrempelt werden kann. Zu Monopolzeiten haben die Stromversorger gemacht, was sie wollten. Die Verbraucher mussten den Strom, den Strommix und die Preise bezahlen, den die Versorger geliefert hatten. Sie waren gefangen, ein Wechsel war ausgeschlossen. Wenn jetzt immer mehr Menschen Ökostrom beziehen, ist das ein klares Signal der Verbraucher an die etablierten Stromversorger und die Politik: „Wir wollen keinen Atomstrom, wir wollen die Energiewende.“ Damit das Signal verstanden wird, müssen die Verbraucher diese Wahlfreiheit aber auch massiv wahrnehmen. Hätten im Jahr 2007 nach den Störfällen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel nicht 200.000 sondern 500.000 Kunden Vattenfall den Rücken gekehrt, wären die Reaktoren längst stillgelegt.

LichtBlick hat heute täglich dreimal so viele Neuanmeldungen wie noch vor einem Monat. Welche Konsequenzen zieht das Unternehmen daraus? Kommt künftig mehr LichtBlick-Strom aus deutschen Anlagen?
Wir beziehen derzeit knapp 400 Millionen Kilowattstunden, rund 15 % unserer Gesamtmenge, aus regenerativ Anlagen, die in Deutschland erzeugen. Der Rest kommt aus Österreich und Norwegen. Wir wollen den Anteil sukzessive weiter steigern. Dazu hoffen wir auf notwendige Rahmenbedingungen im Erneuerbaren Energien Gesetz, das zu Beginn des Jahres 2012 novelliert werden soll. Unabhängig davon nehmen wir jede Woche weitere ZuhauseKraftwerke in Betrieb und vergrößern so den Anteil klimafreundlich erzeugten SchwarmStroms in unserem Portfolio. Jeder Kunde, der zu uns wechselt, stärkt die Energiewende.

Überraschung der Woche

Und was war für Sie – aus klima- oder energiepolitischer Sicht – die Überraschung der Woche?
Angesichts der dramatischen Nachrichten aus Japan fällt es schwer die Frage zu beantworten. Herr Söder, Umweltminister der CSU in Bayern, fordert ein neues Energiekonzept der Bundesregierung. Das, was vor sechs Monaten von Frau Merkel und Herrn Röttgen als „revolutionär“ gepriesen wurde, ist Makulatur. Das Schlagwort heißt jetzt wohl nicht mehr Brückentechnologie, sondern beschleunigte Energiewende. Der Anlass und die späte Einsicht sind schwer zu ertragen.


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