MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: EEG-Umlage, Endlagersuche und das erste Megawatt SchwarmStrom

Auch für sie wird eine EEG-Umlage gezahlt: Wind- und Solarpark in der Energielandschaft Morbach, Rheinland-Pfalz, Foto: Agentur für Erneuerbare Energien
Auch für sie wird eine EEG-Umlage gezahlt: Wind- und Solarpark in der Energielandschaft Morbach, Rheinland-Pfalz, Foto: Agentur für Erneuerbare Energien

Alle fünf  Wochen stehe ich als Mitherausgeber dem unabhängigen Onlinemagazin www.klimaretter.info Frage und Antwort zu Energiepolitik und Klimawandel. Mit dazu gehört auch immer die Frage nach der “Überraschung der Woche”. Hier nun das Interview in voller Länge:

EEG-Umlage: Steigt oder sinkt sie

Wieder will die Regierung die EEG-Umlage weiter kappen. Der Einspeisevorrang soll zugunsten einer Marktprämie aufgeweicht werden. Was bedeutet das für die Ökostrom-Anbieter in Deutschland?

 

Die Marktprämie soll Wettbewerb in einen Markt bringen, der derzeit den vier Übertragungsnetzbetreibern vorbehalten ist. Das ist gut. Wer Windstrom in die Märkte über das Marktprämienmodell in die Märkte integrieren will, muss ihn aber auch als solchen ausweisen können. D.h. im Detail muss hier noch etwas nachgebessert werden.

Dass die Bundesregierung sich um die Höhe der EEG-Umlage Gedanken macht, gehört mit zu ihrer Aufgabe. Schließlich finanzieren die Verbraucher über diese Umlage den Ausbau der Erneuerbaren Energien und damit die Energiewende. Wir gehen aber davon aus, dass sie im nächsten Jahr eher sinken statt weiter steigen wird.

Mit den anstehenden energiepolitischen Beschlüssen werden die Weichen in Richtung Wende gestellt. Vor neun Monaten sah das noch ganz anders aus. Also Grund zum Optimismus und Chance für die jungen Unternehmen, die mit ihren Ansätzen für Wettbewerb und Innovationen sorgen werden.

Energiekonzerne müssen ihre strategische Ausrichtung überdenken

Wenn 2022 alle Atomkraftwerke vom Netz gehen – was wird dann aus den vier großen Atomkonzernen?
In der Tat müssen sich die vier Atomkonzerne die Frage gefallen lassen, ob ihre strategische Ausrichtung überlebensfähig und dauerhaft erfolgreich sein kann. Wir haben da unsere Zweifel. Aber das soll unser Problem nicht sein. Sie haben immer auf fossile, nukleare und zentrale Energieerzeugung gesetzt und dabei gehofft, dass die Trägheit der Verbraucher im liberalisierten Markt dazu führt, dass sie nicht zu viele Kunden verlieren. Jetzt müssen sie feststellen, dass die Rezepte der letzten hundert Jahre weder politisch noch wirtschaftlich dauerhaft verfangen. Die Märkte und die Gesellschaft entwickeln sich. CO2-Emissionen und damit die Klimazerstörung werden durch den Emissionshandel ab 2013 vollständig eingepreist und die Atomkraft wird endgültig zum Auslaufmodell. Jetzt rächt sich, dass das Engagement im Bereich der Erneuerbaren Energien jahrzehntelang nur Alibi war. Aber wie gesagt, nicht unser Problem bzw. positiv formuliert: unsere Chance!

Ausstiegskosten müssen mit denen einer Nuklearkatastrophe verglichen werden

Der Energiekonzern Eon will gegen die Brennelementesteuer klagen und für den Gewinnausfall der gekürzten Laufzeiten Entschädigungen vom Staat. Kommt den Verbrauchern der Atomausstieg teuer zu stehen?
Die Entscheidung von E.ON ist ein Zeichen der Verzweifelung. Der jetzt hoffentlich letzte Ausstiegsbeschluss ist längst überfällig. Die Kosten des Ausstiegs müssen immer verglichen werden mit den etwaigen Kosten einer Nuklearkatastrophe à la Fukushima in Deutschland. Damit ist die Diskussion beendet. Zu Recht stellt die Ethikkommission die Chancen des Gemeinschaftswerks Energiewende in den Vordergrund. Bei allen Anstrengungen, die erforderlich sind und die auch mit kurzfristigen Kostenbelastungen verbunden sein können, überwiegen die Chancen von Innovation, gesellschaftlicher, technologischer und wirtschaftlicher Entwicklung deutlich.

Gesinnungswandel bei CDU und CSU: Plötzlich soll im gesamten Bundesgebiet nach Endlagern gesucht werden. Gorleben ade?
Ja, Gorleben ade. Der neue baden-württembergische Ministerpräsident und die grün-rote Landesregierung hat mit ihrer Koalitionsvereinbarung den Weg für eine Endlagersuche auch in Baden-Württemberg und damit bundesweit frei gemacht. Die CSU ist inzwischen nachgezogen, so dass es jetzt möglich erscheint, aufgrund wissenschaftlicher Kriterien den bestgeeignetsten Standort zu suchen. Gorleben wurde von Ernst Albrecht & CO ja ausschließlich aus politischen Gründen ausgewählt, nicht weil der dortige Salzstock geologisch geeignet wäre. Es wird zwar noch was dauern, aber irgendwann werden die Castoren aus dem Wendland verschwunden sein.

Die ZuhauseKraftwerke haben das erste Megawatt SchwarmStrom produziert

Und was war für Sie – aus energie- oder klimapolitischer Sicht – die Überraschung der Woche?
LichtBlick hat diese Woche gefeiert. Wir haben mit unseren ZuhauseKraftwerken das erste Megawatt (!) elektrische Leistung in Betrieb genommen. Am Ende des Jahres werden wir 10 MW installiert haben. Der Zug beginnt sich in Bewegung zu setzen, jetzt nehmen wir Fahrt auf.


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2 Kommentare

  • Ralph Kampwirth sagt:

    @ Ole
    Leider werden die ZuhauseKraftwerke in Schleswig-Holstein frühestens ab 2013 verfügbar sein (abgesehen von einigen an Hamburg angrenzenden Regionen). Wir konzentrieren uns in der Anfangsphase auf dichter besiedelte Ballungsräume (z.B. Hamburg, Berlin, Bremen, Teile Ruhrgebiet und Rheinland, Rhein-Main-Gebiet, Stuttgart, München, Leipzig/Dresden).


  • Ole sagt:

    Wann wird das Zuhause-Kraftwerk in Schleswig-Holstein verfügbar sein bzw. von Lichtblick angeboten werden?


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