MEINUNG & POSITION

Lückings Woche: Attacken auf das EEG, Rekordjahr für Solarbranche & Förderung kleiner KWK-Anlagen

Gero Lücking im Gespräch mit Klimaretter.info
 

Herr Lücking, in der letzten Woche nehmen die Angriffe nicht nur auf die Solarförderung, sondern auf das gesamte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu. Überrascht es Sie, wie schnell die Gegner einer Energiewende wieder in der Offensive sind?

Überraschend ist, dass diejenigen, die die Energiewende beschlossen haben, jetzt nicht mit Lösungskonzepten kommen. Im Gegenteil sie kommen mit den alten Vorschlägen und Themen, die sie schon vor Beschluss der Energiewende gegen das EEG angeführt haben. Die Branche scheint sich zudem nach dem Schock des politischen U-Turns langsam wieder gesammelt zu haben und die Truppen in Stellung zu bringen.

Erneuerbare Energien nicht zerreden, sondern konzeptionell über neues EEG nachdenken, Foto: Agentur für Erneuerbare Energien
Erneuerbare Energien nicht zerreden, sondern konzeptionell über neues EEG nachdenken, Foto: Agentur für Erneuerbare Energien

EEG konzeptionell erneuern

Auch hier wird nur von Problemen gesprochen, die angeblich nur durch einen deutlich verlangsamten Ausbau der Erneuerbaren gelöst werden können. Es ist aber kein Lösungskonzept zur Erreichung eines Zieles, als Lösung der auftretenden Probleme die Abschaffung des Ziels vorzuschlagen. So kommen wir nicht weiter. Es muss jetzt grundsätzlich konzeptionell nachgedacht und neue Wege beschritten werden. Das geht offensichtlich weder mit großen Teilen der etablierten Energiewirtschaft noch mit veralteten energiepolitischen Lösungsansätzen. Um die Energiewende erreichen zu können, brauchen wir neue Akteure und eine deutliche Stärkung des Wettbewerbs im Energiemarkt.

Ausbau der Erneuerbaren beschleunigen und nicht abwürgen

 Sowohl Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) als auch der Chef des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, befürworten ein Quotenmodell für Erneuerbare statt des EEG. Wäre das ein gangbarer Weg – oder ein Rückschlag für die regenerativen Energien?

Jetzt eine Diskussion über das Quotenmodell zu führen, greift viel zu kurz. Wir brauchen langfristige Gesamtkonzepte. Einerseits muss der Ausbau der Erneuerbaren Energien sichergestellt werden und andererseits ist die Integration dieser Mengen in den Markt zu gewährleisten. Fragen des Marktdesigns müssen diskutiert werden und in dem Zusammenhang, die Frage wie man das Subventionssystems des EEG marktwirtschaftlich umgestalten kann. Dazu brauchen wir Konzepte, die den Ausbau weiter beschleunigen (nicht abwürgen) und gleichzeitig eine Marktintegration sicherstellen. Anforderungen, die das Quotenmodell nicht leistet. Die Diskussion ums Quotenmodell ist hinreichend geführt. Es wird nicht dazu beitragen, die beschlossene Energiewende zu erreichen. Herrn Rösler ist konzeptionslos und ihm fällt offensichtlich nichts ein. Professor Klaus Töpfer, Leiter der Ethikkommission, hat aus diesem Grunde diese Woche Herrn Rösler als Hindernis der Energiewende tituliert.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) schlägt kleinere Kürzungsschritte statt halbjährliche Förderreduzierungen für die Photovoltaik vor. Damit, so hofft der BSW, könnten sogenannte Endrallyes vermieden werden, bei der potenzielle Käufer unmittelbar vor der nächsten großen Kürzungsrunde noch hektisch ans Netz anschließen. Glauben Sie, dass damit der Solarausbau zukünftig in der vom Bundesumweltministerium gewünschten Größenordnung von drei Gigawatt jährlich bleibt?

 Trotz Förderkürzung Rekordjahr für Solarbranche

Es ist bemerkenswert, das im letzten Jahr trotz deutlich gekürzter Fördersätze mit 7,4 Gigawatt Zubau wiederum ein Rekordjahr erreicht wurde. Das ist sicherlich einerseits der Vertriebsleistung der Solarunternehmen zu zurechnen. Andererseits zeigt es aber den ungebrochenen Wunsch der Kunden und tausender Investoren, selber sauberen Strom erzeugen und damit die Energiewende vorantreiben zu wollen. Dass sie damit auch weiterhin Geld verdienen, ist nicht verwerflich. Damit wurde innerhalb eines Jahres eine Kraftwerksleistung aufgebaut, die so viel Strom erzeugt, wie ein Kernkraftwerk. D.h. von den acht im März letzten Jahres stillgelegten Atomkraftwerken ist eins bereits ersetzt. Das was hochbezahlten Projektingenieuren in zehn Jahren nur schwer gelingt, nämlich ein Großkraftwerk zu planen und ans Netz zu bringen, gelingt vielen Tausend Menschen mit der Installation von PV-Anlagen auf ihren Garagen-, Scheunen- und Hausdächern in einem Jahr. Dieses Beispiel zeigt sehr anschaulich, die Dynamik des Umbruchs im Energiemarkt. E.On, RWE und Vattenfall finden hier nicht mehr statt. Da der erzeugte Solarstrom bereits billiger erzeugt werden kann, als Strom von seinem Stromanbieter zu beziehen, tritt auch die Bedeutung der EEG-Vergütung in den Hintergrund. Die Wirtschaftlichkeit aus dem Markt heraus ist aus Kundensicht gegeben, weiteren Rekordjahren steht nichts im Weg. Denn der Kunde wird auch in Zukunft seine Vorstellungen von der Energiewende auch ohne Rösler & Co. wirtschaftlich umsetzen können. Und deshalb greift auch die Diskussion um Netzausbau und Quotenmodell etc. zu kurz. Wir brauchen Konzepte, wie wir bei einer solchen Ausbaudynamik Netzstabilität und Versorgungssicherheit weiterhin gewährleisten können.

 Strafzölle für chinesische Solarmodule?

Hubert Aulich, Vorsitzender des Forschungsverbundes Solarvalley Mitteldeutschland, fordert die Erhebung von Strafzöllen für chinesische Solarmodule wegen Wettbewerbsverzerrungen. Was halten Sie davon?

Davon halte ich nichts. Allgemein gesprochen: wer im Wettbewerb nicht besteht, macht etwas falsch. Er muss entweder besser werden oder sich umorientieren und schauen, wo er seine Stärke wettbewerbsfähig und gewinnbringend platzieren kann. Wenn es so ist, dass chinesische Module günstiger sind und wir hier nicht mithalten können, dann müssen wir eben mit anderen Dingen zur Erreichung der Energiewende beitragen. Das Themenfeld ist so riesig, dass genügend Potential für den Standort Deutschland und die hiesige Industrie vorhanden ist. So wie wir auch keine Grundig-Fernseher oder Kodak-Filme mehr kaufen, so kaufen wir vermutlich bald auch keine deutschen Solarmodule mehr. Trotzdem werden die Ingenieure, Physiker und Techniker, die vor zwanzig Jahren die Fotovoltaik – auch Dank des EEG – aus Deutschland heraus erforscht und weltweit massenmarktreif gemacht haben, dringend gebraucht werden.

 Förderung kleiner Kraft-Wärme-Kopplungsanlage

Und was war für Sie die Überraschung der Woche?

Die Bundesregierung hat diese Woche ein Programm zur Förderung von kleinen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen aufgelegt. Damit erhalten Kunden und Investoren nochmals eine dringende Unterstützung. Das ist gut für die Erhöhung der Energieeffizienz und für das Erreichen der Energiewende. Das was Herr Röttgen unmittelbar nach seinem Amtseintritt abgeschafft hat, hat er jetzt wieder neu aufgelegt. Das sind doch mal ermutigende Erkenntnisse und Nachrichten.

Alle fünf  Wochen steht Gero Lücking als Mitherausgeber dem unabhängigen Onlinemagazin www.klimaretter.info Frage und Antwort zu Energiepolitik und Klimawandel.

Gero Lücking, Vorstand Energiewirtschaft im Interview mit dem Onlinemagazin Klimaretter.info


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