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Kostentreiber Netzentgelte

Netzentgelte sind wie eine Blackbox - viele Verbraucher wissen nicht, wie hoch die Kosten sind, Bild: LichtBlick
Netzentgelte sind wie eine Blackbox – viele Verbraucher wissen nicht, wie hoch die Kosten sind, Bild: LichtBlick

Wissen Sie, wie hoch der Anteil der Netzentgelte an Ihrer jährlichen Stromrechnung ist? 100 Euro, 200 Euro, 300 Euro oder vielleicht noch mehr. Bei einer Umfrage, die wir vor kurzem durchgeführt haben, sagten 26 Prozent, dass der Anteil unter 100 Euro liegt, 33 Prozent sind der Meinung, dass sie zwischen 100 und 200 Euro zahlen müssen. 16 Prozent meinen, die Kosten für die Netzentgelte liegen zwischen 200 und 300 Euro und 9 Prozent sagen, dass sie mehr als 300 Euro zahlen müssen. Die durchschnittlichen Netzkosten bei einem Verbrauch von jährlich rund 3.500 Kilowattstunden liegen tatsächlich bei 240 Euro im Jahr.

Netzentgelte höher als EEG-Umlage

Während sich die Medien jedes Jahr auf die steigende EEG-Umlage stürzen und hier den Grund für die steigenden Strompreise sehen, erhöhen die Netzbetreiber fast unbemerkt regelmäßig die Kosten. Die Netzkosten sind damit inzwischen mit rund 25 Prozent der größte Einzelposten der Stromrechnung. Wobei es ein wenig davon abhängt, wo der Verbraucher wohnt. So zahlen Stromkunden in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern 341 Euro im Jahr, in Bremen 166 Euro. LichtBlick listet seit Jahren die Entwicklung der Netzentgelte auf und zeigt die Missstände und die Intransparenz auf. Doch die Netzentgelte bleiben eine Blackbox.

Nachfragen nicht erwünscht

Wer nachfragt, wie sich die Netzentgelte zusammensetzen, bekommt nur geschwärzte Papiere zu sehen. Die Verteilnetzbetreiber weigern sich, die von ihnen für die Berechnung der Netzentgelte angesetzten Kosten zu veröffentlichen. Sie berufen sich dabei auf das Geschäftsgeheimnis. Dieses Argument ist jedoch fragwürdig. Denn Netzbetreiber stehen mit niemandem im Wettbewerb. Und was macht die Bundesregierung, um Licht ins Dunkel zu bringen? Auf eine Kleine Anfrage der Grünen zu Transparenz bei Netzentgelten heißt es: „Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass mehr Transparenz im Netzbereich notwendig ist, um Entscheidungen nachvollziehbarer zu machen und letztlich mehr Akzeptanz der Regulierungsentscheidungen und der Entwicklungen im Netzbereich zu ermöglichen. Die Bundesregierung plant deshalb die Transparenz im Netzbereich, unter Beachtung der Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Netzbetreiber, zu erhöhen.“ Ein klares Statement sieht anders aus.

Gründe für die hohen Netzentgelte

Wie sich die Netzentgelte wirklich zusammensetzen, wollen die Netzbetreiber ungern bekanntgeben, Foto: PantherMedia
Wie sich die Netzentgelte wirklich zusammensetzen, wollen die Netzbetreiber ungern bekanntgeben, Foto: PantherMedia

Es steht außer Frage, dass die Stromnetze für das Gelingen der Energiewende gerüstet sein müssen. Doch die sind bei weitem nicht der eigentliche Kostentreiber. Die Netze sind ein Goldesel für Stadtwerke und Konzerne. Das liegt an den hohen Zinsen, die den Netzentgelten zugrunde liegen. Die Verteilnetzbetreiber erhalten einen Garantiezins von über 9 Prozent für ihr eingesetztes Kapital. In der Praxis liegen die Renditen oft sogar noch viel höher. Solche Gewinngarantien sind in einem risikofreien Monopolgeschäft nicht gerechtfertigt. Der Garantiezins für den aktuellen Regulierungszeitraum 2013 bis 2018 hätte von der Bundesnetzagentur niedriger angesetzt werden müssen. Damit wären den Stromkunden Kosten in Höhe von zwei Milliarden Euro erspart geblieben.
Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale, dem Bundesverband Neue Energiewirtschaft hat LichtBlick Vorschläge für mehr Transparenz und sinkenden Kosten vorgestellt. Nun liegt es an der Politik, die Verbraucher zu entlasten. Wir bleiben an dem Thema auf jeden Fall dran.


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