MEINUNG & POSITION

Kohlekommission, Kohle-Demo, COP24

2018 ist noch nicht vorbei, doch wir können schon festhalten, dass es ein sehr Kohle-intensives Jahr war: Die Proteste rund um den Hambacher Wald und seine vorläufige Rettung. Der Start der Kohlekommission und deren Erkenntnisse zum Kohleausstieg in Deutschland, die nun voraussichtlich erst 2019 präsentiert werden. Der Rekordsommer, der den Klimawandel hierzulande begreifbar gemacht hat, – und der eine Folge der CO2-Emissionen ist, verursacht auch durch Kohlekraftwerke. Und Anfang Dezember folgen noch zwei große Ereignisse: Eine Kohle-Demo am 1. Dezember in Berlin und Köln sowie die Klimakonferenz COP24 in Katowice ab dem 3. Dezember.

Was bleibt vom Kohle-Jahr 2018?

Fangen wir mit der Kohlekommission an. Sie hat Anfang Juni ihre Arbeit aufgenommen. Auch wenn sie offiziell Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung heißt, war klar, dass der Hauptfokus in der allgemeinen Wahrnehmung und Erwartung auf dem Kohleausstieg liegt. Wir bei LichtBlick konnten uns nicht vorstellen, dass tatsächlich bis Ende des Jahres ein Fahrplan oder eine Empfehlung stehen soll, wie es mit der Kohle in Deutschland weitergeht. Gero Lücking, einer unserer Geschäftsführer, meinte: „Mein Gefühl: Das wird nix, kostet nur Zeit. Am Ende werden wir auch nicht schlauer sein. Was getan werden müsste, ist ja bekannt.“ Und scheinbar hatten wir recht. Es wird dieses Jahr keine Ergebnisse geben. Die Entscheidungen sind auf Januar 2019 verschoben worden.

LichtBlicker haben eine klare Meinung zum Hambach Wald: Hambi muss bleiben!, Foto: LichtBlick
LichtBlicker haben eine klare Meinung zum Hambacher Wald: Hambi muss bleiben!, Foto: LichtBlick

Hambacher Wald

Dass ein Weiter-so für viele nicht geht, zeigten über Wochen die Demonstrationen rund um den Hambacher Wald. Der Energiekonzern RWE will den uralten Wald roden, um seinen Tagebau Hambach zu erweitern. Und das vor dem Hintergrund der Kohlekommission und den Klimazielen! Je näher der Rodungstermin rückte, umso mehr Menschen zeigten ihre Solidarität und forderten den Erhalt des Waldes. Zur großen Demo Anfang Oktober kamen mehr als 50.000 Unterstützer – unter ihnen auch einige LichtBlicker –, die gemeinsam und friedlich protestierten. Die Stimmung war auch daher sehr gut, da einen Tag vorher ein Gerichtsurteil den Rodungsstopp verordnet hat.

Nur echter Ökostrom

Wir müssen aus der Kohle raus - als Stromkunde und als Staat, Foto: PantherMedia
Wir müssen aus der Kohle raus – als Stromkunde und als Staat, Foto: PantherMedia

Das vehemente Festhalten RWEs an den Rodungsplänen hat viele nicht nur auf die Straße gebracht, sondern über ihren Stromanbieter nachdenken lassen. Dabei ging es zum einen um die vielen Beteiligungen der Kohlekonzerne an vermeintlich kleinen und eventuell grünen Energieversorgern. Zum anderen schauten die Menschen genauer hin, wie der Strommix ihres Anbieters ist. Ein echter Ökostromanbieter hat keinerlei Verflechtungen mit Kohle- und Atomkraftwerksbetreibern. Eine Übersicht über die 50 größten Energieversorger und ihren Strommix haben wir von LichtBlick zusammengestellt. Wenn Ihr Stromanbieter nicht dabei ist, melden Sie sich gerne direkt bei uns (presse@lichtblick.de) und wir errechnen Ihnen den Strommix.

Ein Zeichen fürs Klima

Zum Ende des Jahres wird in unserem Nachbarland Polen auf der Klimakonferenz COP24 erneut über die Klimaziele diskutiert. Geplant ist, dass sich die Staaten auf verbindliche Strategien für die Einhaltung des 1,5 Grad Zieles einigen. Nach dem hochgelobten Pariser Klimaabkommen stockt es aktuell an der Umsetzung der Ziele. Einige Staaten, wie die USA, ziehen sich aus dem Klimaabkommen zurück. Andere Staaten, wie Deutschland, schieben das Erreichen der nationalen Klimazielen nach hinten. Doch die Zeit drängt – das haben unter anderem der Hitzesommer und die Trockenheit in Deutschland gezeigt. Um ein Zeichen zu setzen, müssen Sie nicht nach Katowice fahren: Am 1. Dezember finden zeitgleich in Berlin und Köln Demonstrationen zum Kohleausstieg und Klimaschutz statt. Je mehr Menschen teilnehmen, desto größer ist das Signal an die Delegierten der Klimakonferenz.


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1 Kommentar

  • Siegfried Marquardt sagt:

    Es ist viel zu spät!
    Um es unverblümt und knallhart zu formulieren: Es ist einfach viel zu spät – die Klimakatastrophe ist bereits für jedermann sichtbar und spürbar eingetreten und irreversibel. Sinnbildlich gesprochen rast der Zug (Die Welt) mit ungeheurer Geschwindigkeit auf den Abhang zu und es gibt kein Entrinnen mehr. Neueste Horrormeldung: Der CO2-Ausstoß war pro Jahr noch nie so hoch (erlag sonst immer bei ca. 30 Gt- Giga =Milliarden Tonnen) und hat sich im vergangenen Jahr um rund 52 Gt erhöht und beträgt nunmehr insgesamt über 1,6 Tt (T-Tera- Billionen) seit der ersten industriellen Revolution mit der Verbrennung von fossilen Brennstoffen. Der mittlere Lufttemperaturanstieg in der Atmosphäre beträgt derzeit +2 K (Kelvin – siehe meteorologischer Dienst/DWFD) und wir bewegen uns auf 3 bis 4 Kelvin zu. Dies hat dann so seine unmittelbaren Konsequenzen direkt für die Infrastruktur und Versorgung der Menschen mit Wasser und Kraftstoffe (…), wie die Situation am Rhein und an vielen Talsperren zu beobachten ist: Es herrscht nahezu Ebbe! Den Rhein kann man nun zu Fuß durchwaten und die Flussschiffahrt musste nicht nur dort eingestellt werden. Die Talsperren sind nur noch bis maximal ein Drittel mit Wasser gefüllt – an machen Talsperren liegt der Pegel sogar bei null. Andere Konsequenzen sollten hier nicht weiter diskutiert werden, weil sie einfach trivial nachvollziehbar sind (Intensitätszunahme und Zunahme der Anzahl von Stürmen, Hitzewellen, Sturmfluten, … ). Nun soll laut Medienmeldung (siehe beispielsweise die MAZ vom 30.11.2018) ein Klimakompetenz-Zentrum in der Lausitz bei Cottbus installiert werden, um die Folgen des Klimawandels zu erforschen und um CO2-arme Technologien zu entwickeln. Den Aufbau des Kompetenzzentrums für Klimaschutz in energieintensiven Industrien (kurz: KEI) hätte man bereits vor ca. 30 Jahren initiieren müssen, da hätte man noch effektive Wirkungen erzielen können! Und was sollen die 2 Millionen Euro, die laut der Umweltministerin, Svenja Schulze (SPD), im Bundeshaushalt einbestellt wurden? Quasi ein Tropfen auf dem heißen Stein! Da kann man sich gerade einmal eine Mobile Umweltmessstation leisten und ein paar Mitarbeiter finanzieren. Hier wurde wieder einmal mit der heißen Nadel genäht! Und es ist nicht unbedingt ein Kompetenz-Zentrum dazu notwendig, um den gesunden Menschverstand einzuschalten und effektive Sofortmaßnahmen zu ergreift: Sofortiges Abschalten aller CO2-Dreck-Schleudern und wieder Hochfahren der AKWs! Wenn es auch zynisch und makaber klingen mag: Mit der Kohle und der CO2-Emissionen sterben wir alle hundertprozentig! Mit der Kernkraft wird alle 30 Jahre, wenn überhaupt nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung und den empirischen Erfahrungen, nur ein AKW havarieren! Übrigens: In der DDR hatten Forscher bereits an CO2-arme und CO2-lose Technologien gearbeitet. Diese Technologie hätte man ohne ideologische Scheuklappen einfach übernehmen können!
    Siegfried Marquardt , Königs Wusterhausen


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