MEINUNG & POSITION

Kohleausstieg – wir werden weiter kämpfen

Wer, so wie ich, in Köln geboren ist und in Aachen studiert hat, kennt natürlich RWE, Rheinbraun, den Braunkohletagebau und die immer qualmenden Großkraftwerke. Sie sind einfach nicht zu übersehen – egal, ob man mit dem Zug oder dem Auto zwischen den Städten pendelt oder in der Region umherfährt. Als Maschinenbaustudent gingen die Exkursionen wie selbstverständlich ins Braunkohlekraftwerk Weisweiler und zum Tagebau Inden.

Bereits Mitte der 1990er Jahre machte sich Gero Lücking stark für eine Ende der Kohleenergie, Foto: PantherMedia
Bereits Mitte der 1990er Jahre machte sich Gero Lücking stark für eine Ende der Kohleenergie, Foto: PantherMedia

Größter Klimakiller Deutschlands

Als Umweltaktivist und ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Greenpeace-Gruppe Aachen hatten wir eine andere Sicht auf die Dinge. Wir haben kritische Führungen zu den Tagebauten veranstaltet und vor – inzwischen – über 30 Jahren über die mit den Tagebauten und der Braunkohleverstromung verbundenen Gefahren informiert. Damals am Rand des Tagebaus Garzweiler, der damals das größte Loch der Welt war. Nicht nur wegen der kilometerlangen Ausdehnung in der Fläche, sondern insbesondere auch wegen der Tiefe. Mehr als 500 Meter tief war das Loch. Je weiter sich die Bagger Richtung Norden vorfressen, um so tiefer liegen die Kohleflöze. Milliarden Kubikmeter Wasser mussten jährlich abgepumpt werden, um die Löcher trocken zu halten. RWE: der größte Wasserverschwender in Deutschland. Mittlerweile steht der Klimawandel im Fokus der Debatte. Rund 100 Millionen Tonnen CO2 stoßen die RWE-Braunkohlekraftwerke Jahr für Jahr in die Luft. RWE-Chef Schmitz: der größte Klimakiller in Deutschland.

Zeichen setzen – auf Kraftwerks-Schornstein

1995 habe ich als einer von drei Greenpeace-Aktivisten den Schornstein des Braunkohlekraftwerks Frimmersdorf besetzt gehalten. Anlass war die parallel in Berlin stattfindende UN-Klimakonferenz. Zwei Wochen lang haben wir auf dem 200 Meter hohen Schornstein ausgeharrt und gefordert: „Stop CO2 – Go Solar“. Wir haben damals nicht nur einen Räumungsversuch von RWE erfolgreich abgewehrt, sondern mit unserer Aktion die Verursacher in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gebracht. Hätte der Wind das Banner nicht zerstört, wir könnten es auf der großen Anti-Kohle-Demo in Hambach wieder nutzen.

Erfolge der Umweltbewegung

Auch LichtBlicker unterstützen den Hambi bleibt-Protest, Foto: LichtBlick
Auch LichtBlicker unterstützen den Hambi bleibt-Protest, Foto: LichtBlick

Damals hatte ich – zugegebenermaßen – nicht gedacht, dass wir jemals über das Abschalten der Kohlekraftwerke öffentlich diskutieren würden. RWE war in der Region immer gesetzt – eine Macht. Doch inzwischen steht sogar das Abschalten des Kraftwerks Frimmersdorf schon fest. 2020 ist Schluss. Das wurde im Rahmen der sogenannten „Klimareserve“ 2015 beschlossen. Das ist der Erfolg der Umweltbewegung mit all ihren Aktivitäten und kreativen Aktivisten. Nicht zuletzt derjenigen, die seit sechs Jahren im Hambacher Wald ausharren und es jetzt geschafft haben, die Bilder und Emotionen zur abstrakten Diskussion der Kohlekommission zu liefern.

Weiter kämpfen

Wie wunderbar passt hierzu der aktuelle Film „Wackersdorf“. Auch er zeigt am Beispiel des Landrats Schuierer, wie lohnend und erfolgreich der Kampf gegen den Wahnsinn der geplanten Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf war. So wird es auch dem Braunkohletagebau und RWE ergehen. Irgendwann ist Schluss. Das wissen inzwischen alle. Wir werden weiter kämpfen und Erfolg um Erfolg einfahren. Die Geschichte des Films und die bisherigen Erfolge zeigen eindrücklich, wie lohnend es ist, seine Meinung zu vertreten und weiter zu kämpfen.

Gero Lücking ist Geschäftsführer Energiewirtschaft bei LichtBlick und lebt inzwischen in Hamburg. Als Greenpeace-Aktivist hat er sich mit vollem Einsatz für das Ende der Kohle- und Atomenergie engagiert – und macht es mit seiner Arbeit bei LichtBlick nach wie vor.


Zurück zur Übersicht »

Artikel kommentieren


Ich habe die Datenschutzhinweise von LichtBlick, insbesondere die Hinweise zur Kommentarfunktion und dem dort erläuterten Zweck der Datenverarbeitung gelesen und bin damit einverstanden, dass meine Daten zu diesem Zweck gemäß der Datenschutzerklärung verarbeitet werden. Diese Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Bei Fragen zum Datenschutz wenden Sie sich bitte an datenschutz@lichtblick.de.