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Klimareport: Energiebranche verantwortet Rekord-Verschmutzung

Protest gegen das Kohlekraftwerk Jänschwalde (c) Creative Commons
Protest gegen das Kohlekraftwerk Jänschwalde (c) Creative Commons

Seit zwei Jahrzehnten verhandelt die Weltgemeinschaft über den Klimaschutz. Doch eine Trendwende konnte bislang noch nicht eingeleitet werden. Ganz im Gegenteil: Die weltweite Ausstoß des Treibhausgases CO2 kletterte 2012 erneut um 1,4 Prozent auf ein neues Rekordhoch von 31,6 Milliarden Tonnen. Dies geht aus dem am Montag in London veröffentlichten Klimareport der Internationalen Energieagentur (IEA) hervor. Das Ziel, die globale Erwärmung auf noch erträgliche zwei Grad zu begrenzen, sei kaum noch zu erreichen, warnten die Energieexperten.

Klimasünder Kohle

Größter Klimasünder auf dem Globus ist die Energiebranche. Sie produziert zwei Drittel der weltweiten Klimagase. Vor allem dreckige Kohlekraftwerke schaden der Umwelt. Trotz Energiewende erzeugen zum Beispiel in Deutschland Kohlemeiler wieder mehr Strom und damit auch mehr CO2. 2012 stieg der CO2-Ausstoß hierzulande um 2,2 Prozent. Insbesondere die deutschen Energieriesen stehen in der Kritik für ihre zunehmende Kohleverstromung. An der Kohlestrategie ändern auch die grünen Marketingversprechen der Konzerne nichts.

Ohne eine Trendwende könnte sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um vier Grad erwärmen, warnt folglich IEA-Chef Fatih Birol. Sein Rat: Der Bau von Kohlekraftwerken müsste gebremst, besonders dreckige Anlagen ganz vom Netz genommen werden. Auch in Deutschland sind noch immer viele neue Kohlekraftwerke geplant. Immerhin scheiterte ein Teil der Vorhaben aufgrund von Bürgerprotesten und fehlender Wirtschaftlichkeit der Meiler. Trotzdem: Sollten umstrittene Großkraftwerke wie in Datteln und Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, werden sie die deutsche Klimabilanz auf Jahrzehnte schwer belasten.

Noch immer mehr Subventionen für Kohle & Atom als für Wind & Sonne

Ein weiterer Baustein hin zu mehr Klimaschutz ist laut IEA die Streichung von Subventionen für fossile Energien. Diese beliefen sich nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds 2011 auf rund 1,9 Billionen US-Dollar oder 2,5 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes. Angesichts der globalen Klimakatastrophe sind diese Subventionen purer Irrsinn.

Selbst im Energiewende-Land Deutschland werden konventionelle Energien nach Berechnungen des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft deutlich höher subventioniert als erneuerbare Energien. Eine Umlage für konventionelle Energie läge demnach mit 10,2 Cent pro Kilowattstunde fast doppelt so hoch wie die aktuelle EEG-Umlage von 5,3 Cent.

Förder- und Steuerpolitik ein Schlüssel für den Klimaschutz

Auch wenn insbesondere Deutschland mit der Energiewende ein richtiges Zeichen gesetzt hat – der Weg in eine CO2-arme oder gar CO2-freie Wirtschaft ist noch weit. Gerade in der Förder- und Steuerpolitik liegt ein Schlüssel für den Klimaschutz. Angesichts der nach wie vor massiven Subventionen für fossile Energien und der enormen Kosten des Klimawandels – aktuelles Stichwort: die neuste „Jahrhundertflut“ in Deutschland – erscheint die einseitige Diskussion über die Kosten der Energiewende mehr als kurzsichtig.


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