MEINUNG & POSITION

Klimakonferenz: Paris hat geliefert

Das Abkommen ist in trockenen Tüchern. Die COP 21 hat den Stresstest bestanden. Unter Umweltschützern ist die Freude und Erleichterung groß. Denn nach harten Verhandlungen steht das erste für alle Staaten verbindliche Weltklimaabkommen, das auf das 1997 verabschiedete Kyoto-Protokoll folgen soll. Es wird erstmals eine Architektur aufgesetzt bei der sich alle Staaten gemeinsamen, transparenten Zielen und Regeln unterwerfen, um den Klimawandel zu bekämpfen. Seit zwei Jahrzehnten verhandelt die Welt über ein neues Abkommen. Jetzt liegt es vor. Der internationale Klimaschutz hat einen großen Sprung nach vorn gemacht.

Die Waffe heißt öffentliche Bloßstellung

Zwei Wochen Verhandlungen bei der Klimakonferenz in Paris - das Ergebnis kann sich sehen lassen, Foto: Emma Cassidy/ Survival Media Agency
Zwei Wochen Verhandlungen bei der Klimakonferenz in Paris – das Ergebnis kann sich sehen lassen, Foto: Emma Cassidy/ Survival Media Agency

Die Ergebnisse des Klimagipfels sind ein Meilenstein, aber nicht Endpunkt der globalen Klimaschutzanstrengungen. Natürlich steckt auch hier der Teufel im Detail und das Abkommen ist längst nicht vollkommen. So gibt es keinen Sanktionsmechanismus für Klimasünder, die ihren Zielen nicht nachkommen. Die Waffe, die wir dafür haben heißt öffentliche Bloßstellung. Denn jede fünf Jahre werden die Fortschritte aller Länder geprüft und über eine Anschärfung der Klimaziele verhandelt. In den Jahren dazwischen kommt es auf die Zivilgesellschaft an, ihren Regierungen auf die Finger zu klopfen.
Ein wichtiges Anliegen vieler besonders verletzlicher und vom Klimawandel betroffener Staaten wurde aufgegriffen: Das Abkommen soll die globale Erwärmung auf weit unter 2 Grad gegenüber vorindustriellen Werten begrenzen, mit dem Anspruch 1,5 Grad in Sichtweite zu bringen. Der Text folgt damit den Vorgaben der Wissenschaft. Zugleich ist aber auch klar, dass die nationalen Klimaschutzbeiträge, die von 185 Staaten zur Pariser Klimakonferenz eingereicht wurden, derzeit noch nicht ausreichen, um dieses Ziel zu erreichen. Bislang sind wir auf einem Pfad von rund 3 Grad Erderwärmung. Daher der jede fünf Jahre stattfindende Überprüfungsmechanismus.

Rückenwind für unsere Arbeit in Deutschland

Sylvia Ratzlaff, Pressesprecherin WWF Deutschland, war während der Klimakonferenz die meiste Zeit vor Ort, Foto: WWF
Sylvia Ratzlaff, Pressesprecherin WWF Deutschland, war während der Klimakonferenz die meiste Zeit vor Ort, Foto: WWF

Diese neue rechtliche Grundlage gibt uns Rückenwind für unsere Arbeit in Deutschland. Zwei Beispiele: Die Bundesregierung muss aktiv werden, um die Emissionslücke zu schließen, die sie von der Erreichung ihrer eigenen Klimazielen trennt. Dafür ist der schnelle Kohleausstieg vor dem Hintergrund eines Limits von 1,5 Grad bzw. 2 Grad globaler Erwärmung (wir sind heute schon bei 1 Grad angekommen!) unausweichlich. Andererseits gibt uns der Klimavertrag ein starkes Argument, um Investoren zu überzeugen, damit sie ihre Gelder aus klimaschädlichen Investments zurückziehen.

Wir müssen raus aus Kohle, Öl und Gas

Der Vertrag bestätigt damit, was spätestens seit dem G7 Gipfel von Elmau in der Öffentlichkeit bekannt wurde: Wir müssen raus aus den fossilen Energien, raus aus Kohle, Öl und Gas. Anders werden wir die schlimmsten Folgen des Klimawandels nicht verhindern. Beim G7 hatte Bundeskanzlerin Merkel die wichtigsten Industrienationen auf diesen Kurs eingeschworen. In Paris wurde klar: Alle Staaten müssen mitmachen, Und die armen und durch den Klimawandel besonders bedrohten Staaten werden Unterstützung erhalten.

Industrie-, Schwellen – und Entwicklungsländer werden auf erneuerbare Energien setzen

Letztlich werden aber auch die Schwellen- und Entwicklungsländer mitziehen. Der Grund: Weil es sich wirtschaftlich lohnt! Die Preise für Photovoltaik und Windenergie sind innerhalb weniger Jahre drastisch gefallen. Rund um den Globus wurde 2013 erstmals mehr erneuerbare als fossil-nukleare Kraftwerksleistung installiert. Und 2014 floss mehr als doppelt so viel Geld in erneuerbare wie in fossile Anlagen. Seit der Jahrtausendwende hat sich die weltweit installierte Leistung der Photovoltaik verfünfzigfacht. Die Windenergie nahm im gleichen Zeitraum um den Faktor acht zu. Die Folge: Im vergangenen Jahr stieg der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase im Energiesektor erstmals seit 40 Jahren nicht an – und das trotz steigender Wirtschaftskraft und weiterhin wachsendem Energieverbrauch. Dank der erneuerbaren Energien haben die Staaten die Möglichkeit, Energiearmut zu überwinden, Strom zu erschwinglichen Preisen für alle verfügbar zu machen und klimafreundliche Jobs zu schaffen.

Abkommen muss konkretes Handeln folgen

Damit das Pariser Abkommen im Jahr 2020 in Kraft tritt, muss es noch von den Vertragsstaaten ratifiziert werden. Dafür müssen mindestens 55 Prozent der Staaten, die zusammen mindestens 55 Prozent der Treibhausgasemissionen ausstoßen, es rechtlich anerkennen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und erinnerte in Paris daran, dass dem Abkommen konkretes Handeln folgen müsse. „Die Arbeit beginnt morgen!“ sagte er.

Der Beitrag wurde von Sylvia Ratzlaff vom WWF erstellt und uns mit freundlicher Genehmigung des WWF zur Verfügung gestellt.


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