MEINUNG & POSITION

Klimagipfel 2011: „Leere Strukturen bringen nichts“

Dürre ist eine Folge des Klimawandels, Foto: PublicDomain Pixabay
Dürre ist eine Folge des Klimawandels, Foto: PublicDomain Pixabay

Dieses Interview wurde von Eva Mahnke für das Onlinemagazin Klimaretter.info geführt. Das Onlinemagazin ist Medienpartner des LichtBlickBlogs.

Ferrial Adam ist Geologin und hat außerdem einen Master in Umweltmanagement abgeschlossen. Schon gegen die Apartheit habe sie sich engagiert, sagt Adam. Die Südafrikanerin ist bei Greenpeace Campaignerin für Energie- und Klimawandel und verfolgt als eine der etwa 40 Greenpeace-Experten die Klimaverhandlungen in Durban.

Mehr Bewegung als in Kopenhagen

Frau Adam, Sie sind relativ nah an den  Verhandlungen in Durban dran, wie steht es? Zeichnen sich schon Fortschritte ab?

Die Verhandlungen kommen nur langsam voran, aber immerhin gibt es mehr Bewegung als in Kopenhagen. In Durban liegen wenigstens konkrete Vorhaben wie der Green Climate Fund auf dem Tisch, aus dem die dringend notwendigen Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel bezahlt werden sollen.

COP 16, die Klimakonferenz in Cancún, hatte die Gründung des neuen Fonds beschlossen, der Grundsatzentscheidung folgte eine Expertenkommission, die seit Dezember letzten Jahres Vorschläge zur praktischen Umsetzung finden sollten. Wie geht es weiter, was kann die Konferenz leisten, welche Ergebnisse sind hier zu erwarten?

Alles hängt jetzt an der Frage, ob die Verhandler in Durban über die bloßen Verwaltungs- und Organisationsfragen beim Green Climate Fund hinauskommen. Die entscheidende Frage ist, ob Durban dem Fonds Geld bringen wird. Leere Strukturen bringen uns nicht weiter. Damit bleiben alle Versprechen unerfüllt.

Jedes Jahr, in dem nichts passiert, kostet uns global eine Billion Dollar

Die Industriestaaten hatten prinzipiell zugesagt, Mittel für diesen Fonds zur Verfügung zu stellen, das sollen zunächst aber nur ein paar wenige Milliarden sein. Warum ist denn der Green Climate Fund trotzdem so wichtig?

Weil wir die Struktur brauchen. Jedes Jahr, in dem nichts passiert, kostet uns global eine Billion Dollar. Und jedes Jahr Verzögerung bei der Anpassung an Dürren, Fluten und andere Klimafolgen wird diese Zahl noch steigen lassen. Das heißt, wenn wir dann irgendwann einmal die versprochenen 100 Milliarden Dollar …
… die die Industrieländern den Entwicklungsländern in Kopenhagen versprochen haben …
… bekommen sollten, wird das viel zu wenig sein. Wir brauchen das Geld jetzt.

Was weiß der durchschnittliche Südafrikaner vom Klimawandel?

 Längere Dürreperioden und heftige Fluten sind schon jetzt bei uns im Land zu beobachten. Allerdings wissen viele meiner Landsleute nicht, dass dies mit dem Klimawandel zusammenhängt. Verglichen mit dem, was wir in Südafrika erleben, sind aber die Klimafolgen in vielen anderen afrikanischen Ländern wesentlich schlimmer.

 Dürre, Abwanderung und Konflikte

Zum Beispiel?

Kürzlich war ich in Kenia. Dort dauert die Dürre schon so lange an, dass das Land nicht nur trocken, sondern vollkommen tot aussieht. In jeder Wüste gibt es kleine Käfer und Insekten, aber dort ist einfach nichts mehr. Die Menschen sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, weil sie dort nicht mehr leben können. Auf der Suche nach Wasser und Regionen, in denen Leben noch möglich ist, kommt es zu Konflikten mit anderen Gemeinschaften.

Der Klimawandel als Ausgangspunkt von menschlicher Wut, Hass und Zänkerei?
Ja, genau, Kenianer gegen Kenianer. Aber auch mit dem benachbarten Äthiopien gibt es Konflikte. Da kämpfen die Leute um lebenswichtige Ressourcen. Das gibt uns einen Eindruck davon, was noch alles auf uns zukommt.

Der Hauptteil meiner Arbeit findet aber gar nicht hier auf dem Klimagipfel statt

Was können NGO-Vertreterin wie Sie denn in Durban auf dem Verhandlungsparket tun, um Druck auf die Delegierten auszuüben?

Die großen internationalen Organisationen wie Greenpeace, Oxfam, Friends of the Earth und Action Aid haben ihre Verbindungen zu den Delegierten und beeinflussen die Verhandlungen durch ihren Sachverstand. Als Vertreterin aus Südafrika bin ich beispielsweise dafür zuständig zu verfolgen, was unsere Regierung als Gastgeber für Positionen vertritt, und das zu kommentieren. Ich bin das Bindeglied zu Greenpeace, die mit diesem Wissen dann arbeiten. Der Hauptteil meiner Arbeit findet aber gar nicht hier auf der Konferenz statt. Ich halte auch sonst den Kontakt zur südafrikanischen Regierung und wir, Greenpeace Südafrika, versuchen unser Land dazu zu bringen, weniger Kohlendioxid auszustoßen. Aber Veranstaltungen, wie der für Samstag geplante „Global Action Day“, machen natürlich auch Druck auf die Delegierten.


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